Schwarze Kasse

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Schwarze Kasse

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Beitragvon Phobos » Samstag 27. Januar 2018, 11:11

Hier ging es vor ein paar Tagen um den Besitz von Bildern und der Vermutung, dass diese Bilder "bordintern" schon mal weitergegeben wurden.
Das stimmt.
Ich habe ja selbst jahrelang fotografiert, halboffiziell. Eigentlich war die Aufklärungsrolle dem LI vorbehalten, er sollte die Kameratechnik dazu benutzen welche an Bord vorhanden war oder beim Flottillenaufklärer abgeholt werden konnte. (Warum LI, da wäre ein seem. Offizier doch sicher besser informiert gewesen?).
Nun ja, unser damaliger LI hatte aber keine Ahnung von der Spiegelreflexkamera. Also machte ich das, mir gehörte auch privat schon lange eine solche....
Warum jetzt die Überschrift "Schwarze Kasse".
Wenn ich fotografierte, dann hatte ich so ein Prinzip. Ein Film für die Flottille, zwei für mich :yes: . Ende 1978 bekam ich eine Wohnung und konnte damit problemlos selbst entwickeln und vergrößern.
Wenn an Bord Geschirr kaputtging, Tassen "angefressen" waren, Besteck über Bord ging usw. war es immer sehr umständlich, teilweise unmöglich, passenden Ersatz zu erhalten. Wenn ich mich rechtens erinnere, stand die Frist für Geschirr an Bord bei 5 Jahren als Ersatz. (Ich meine jetzt Porzellangeschirr, nicht das Hartplastzeug).
Das konnte an Bord schon mal zu Engpässen führen, besonders wenn man Führerschiff war oder sich Stabsoffiziere "eingenistet" hatten, welche dann standesgemäß bedient werden wollten. (Das die Besatzung das gleiche Problem hatte vergaß man dabei oft).
Wir machten folgendes: Amerikanische Versteigerung.
Ich weiß nicht ob das Prinzip jeder kennt, deshalb kurz etwas dazu.
Bilder wurden angeboten, Mindestpreis 10 Pfennig.Immer 10 Pf. Schritte. Wer mitbot, musste diese 10 Pf aber gleich bezahlen. Bot ein anderer 20 Pf., dann musste er auch sofort bezahlen. Jetzt hatte ich schon 30 Pf. eingenommen, aber das Bild war noch lange nicht versteigert. Das ging solange, bis außer dem letzten keiner mehr mitbot. War der Letzte jetzt eben erst eingestiegen, dann hatte er beispielsweise für 3.-M ein Bild ersteigert, die anderen gingen leer aus, hatten aber schon etwas bezahlt.
Damit jetzt keiner meint ich hätte mir die Privatkasse großzügig aufgefüllt: Nein, ich schrieb immer sehr sorgfältig mit und hatte eine Geldkasette wo alles ordentlich hinterlegt war.
Das Geld wurde nur für solche Dinge ausgegeben, die an Bord dringend benötigt wurden, aber durch die Ausrüstung so gut wie nicht zu bekommen war.
Beispiel: Simple 5A Schraubsicherungen.
Alle anderen waren reichlich vorhanden, aber diese seltsamerweise nicht. Wir haben mehrmals versucht die Verantwortlichen beim RD dazu zu bekommen die seem./techn. Ausrüstungsliste dahingehend zu ändern. Vergeblich. Dafür bekamen wir mit konstanter Regelmäßigkeit Lampen für den XBO-Scheinwerfer. Kostenpunkt etwa 1300.-M. Pro Stück!!! Diese lagen zuhauf in der Last........(Wenn ich jetzt erzähle das wir sie sogar für Übungsschießen mit dem Luftgewehr verwendet haben....ein Irrsinn!!!).
Oder das Thema Kakerlaken: Wurden sie offiziell vergast, war die Kombüse und Messe bei uns für 24 Stunden gesperrt. Gegessen wurde auf einem anderen Dampfer. Nur Theater....
Also kauften wir das berühmte TIPFIX (12.-M die Flasche) begasten zur Nachtruhe die Kombüse und konnten morgens wieder rein, nachdem die tausenden Leichen zusammengefegt waren.
Porzellantassen oder Unterteller konnte man auch besorgen usw........
Natürlich wusste ich (Wir!), dass diese Art von Schwarzer Kasse illegal war, bei einer entsprechenden Ermittlung wäre es dicke gekommen...
Wichtig für uns war, dass der Laden lief. Das da mal ein Molli meckerte habe ich nicht erlebt, im Gegenteil.
So kam es eben, dass die Jungs Bilder bekamen, welche offiziell kaum zu bekommen waren und zum Teil heute noch in der Gegend herumschwirren. :verliebt:
Manchmal musste man einfach alle Skrupel wegdrücken - der Laden musste laufen.
So, jetzt wisst ihr, mit welcher kriminellen Energie wir damals ausgestattet waren - sagt es nicht weiter, im Forum bleibt es GEHEIM, gelle? :green1:



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Re: Schwarze Kasse

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Beitragvon SteuermannV382 » Montag 29. Januar 2018, 08:59

Phobos hat geschrieben:... Eigentlich war die Aufklärungsrolle dem LI vorbehalten, er sollte die Kameratechnik dazu benutzen welche an Bord vorhanden war oder beim Flottillenaufklärer abgeholt werden konnte. (Warum LI, da wäre ein seem. Offizier doch sicher besser informiert gewesen?)....


Warum der LI? Nun da hätte ich eine Idee (auch wenn ich dafür Schelte aller Bilgenkrebse bekomme):

Zu meiner Zeit gab es schon die 12-SM-Zone und wir selbst waren nur selten weiter draußen. Wenn doch und es kam zum Feindkontakt war volle Hektik angesagt.
Auf der Brücke waren der Kommandant und der II-WO mit Befehlen über Standortbestimmung (was mir sowieso klar war), Kursfestlegung, Funkspruch absetzen, ... beschäftigt.
Auf dem Achterdeck war der I-WO (mit dem Sperrpersonal) damit beschäftigt, das zu erprobende Räumgeschirr gegen den "bösen Blick" (Fotos machen) zu verstecken.
Es war somit gar kein seemännischer Offizier frei - bleibt nur ein GA-V-Offizier.
Immer eine handbreit Wasser unterm Kiel!

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Re: Schwarze Kasse

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Beitragvon Phobos » Montag 29. Januar 2018, 21:44

Das würde bei euch schon Sinn ergeben, V382.
Bei uns war aber die Aufklärungsrolle grundsätzlich für den LI vorgesehen. Möglich, dass man da tatsächlich meinte, dass in Fahrt er am ehesten die Zeit hatte. Je nach Wache waren ja die Kommandanten oder Wachoffiziere jeweils mit ihren Aufgaben befasst.
Nur wäre der LI eben einer gewesen (das ist jetzt keine Geringschätzung), der mit Aussehen, Bewaffnung, Technik usw. des Gegners noch am wenigsten vertraut war.
Und die Bedienung der analogen Spiegelreflex musste man ja auch erst einmal lernen.
Ich hatte teilweise bis zu drei Apparate oben auf der Brücke, die Praktika von Bord, meine und noch eine 6x6. Jeweils andere Brennweiten. So etwas wie flexible Brennweiten gab es zwar, war aber extrem teuer und für uns nicht verfügbar.
Die Exakta hatte meist ein 200er und die 6x6 sogar ein 500er Objektiv, allerdings ohne Innenmessung, so das ich die Werte der Praktika für die 6x6 übernehmen musste....
Und dann gab es auch mal eine Filmkamera zusätzlich mit. Eine KRASNOGORST II(?).
Deren Filme entwickelte aber die Flottille.
Hat aber Spaß gemacht :marine:



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Re: Schwarze Kasse

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Beitragvon SteuermannV382 » Montag 29. Januar 2018, 22:05

Phobos hat geschrieben:...Ich hatte teilweise bis zu drei Apparate oben auf der Brücke, die Praktika von Bord, meine und noch eine 6x6. ...


Die Praktika (kommt sicher auf das Modell an) war vermutlich noch recht einfach -> die neuen hatten schon Belichtungsautomatik und eine Prismenlinse zur Schärfenenstellung. 6x6 klingt wie Rollfilm, das muss wirklich geübt sein. Macht aber mit dem 500er Tele auch Sinn, kein Kleinbild mit vielleicht grober Körnung zu Gunsten der Belichtung zu haben. Welches war Dein eigenes Modell?
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Re: Schwarze Kasse

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Beitragvon Phobos » Dienstag 30. Januar 2018, 19:29

Meine und die vom Schiff waren Praktika LTL und MTL (Meine funktioniert übrigens heute noch).
Die 6x6 war eine SIX TL.
Ich hatte für die beiden "Kleinen" auch jede Menge Zubehör. Filter, Blenden usw....
Dazu hatte ich einen Adapter um ein 300er Oblektiv (der SIX TL), auch an den anderen beiden nutzen zu können.
Ja, die SIX TL war 12er Rollfilm, meist 20er Empfindlichkeit.
Bei den anderen Apparaten war es immer so eine Sache. 15er, 22er oder 27er. Wenn der aber mal drin war, war ein Wechsel ja nicht mehr möglich.
War manchmal lustig, besonders wenn Begegnungen bei leichter Dämmerung stattfanden und noch der 15er eingelegt war.
Zurückspulen, raus und den 22er einlegen........
Das der 15er halb leer war....dumm gelaufen.
Mann konnte die Kosten aber wesentlich drücken, wenn man Filmbüchsen kaufte wo immer drei Filme drin waren. Nur musste man dann diese Filme in leere Filmkasetten einspulen, dazu musste es absolut dunkel sein und man musste wissen wie es geht.
Hab solche Filmbüchsen immer noch - originalverpackt :genau:



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