Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

Nachdenkliches aber auch Unernstes aus dem militärischen Alltag

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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon SteuermannV382 » Samstag 25. April 2020, 09:42

KABUMM hat geschrieben:In den achtziger Jahren ist in Saßnitz niemand freiwillig in Uniform in eine Kneipe gegangen und das betraf alle Dienstgradgruppen. Da gab es regelmäßig Pöbeleien und Rempeleien mit den Fischern. Das ging sogar soweit, dass man sich im Park hinter der Kirche zur Klopperei verabredete. Abgemacht war, nur mit blanken Fäusten zu kämpfen, aber die Fischerjungs rückten mit Marlspikern und Bootshaken an. Wie das ausging, sollte wohl klar sein. Mindestens zwei von unseren Jungs landeten im Lazarett, die anderen mussten im Med.-Punkt ambulant behandelt werden.
Was sich dort im Park ausgetobt hatte, war der blanke Hass. ...

Wir lagen mehrfach in Sassnitz - ich hatte dort keine Probleme bei Landgängen oder auf dem Weg vom/zum Bahnhof, aber wir haben auch nicht die Mädels angebaggert.
Immer eine handbreit Wasser unterm Kiel!

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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon Kulle » Samstag 25. April 2020, 11:19

Hallo Seemänner,

zu meiner Dienstzeit hatten wir am Standort keine Möglichkeit die Uniform in Zivilkleidung zu wechseln, geschweige Zivilklamotten an Bord zu deponierten, dies war verboten. Während meiner gesamten 3 1/2 jährigen Dienstzeit gab es nur 1x jährlich zum Jahresurlaub die Zivilerlaubnis. Wir Mollis waren auch stolz auf unsere Uniform, trugen sie gerne und brauchten uns nicht (wie heute üblich) verstecken.
Sicher gab es ab und an auch mal Streitigkeiten und Auseinandersetzungen (Schlägereien) mit Zivilisten oder mit Fischern. Das waren aber meist ganz persönliche Ursachen oder Anmachereien wie Pöbeleien o.Ä.
So z.B. provozierten (selbst erlebt) beispielweise Zivilisten oder auch Hochseefischer öfters mal in Tanzgaststätten, indem sie die Musikkapellen bestachen (mit einer Bier,- oder Schnapsrunde), damit diese das Seemannslied La Paloma mehrmals spielen sollten, um selbst im Genuss von Chancen bei den "Tanzmädels" zu erhalten.
Mollis, die zu dieser Musik dann tanzten wurden in übelster Form beschimpft und angemacht. Aber wie gesagt, das waren nur wenige Ausnahmen, die ich persönlich nur im Klubhaus der Neptunwerft in Rostock erlebt habe.
Ansonsten waren wir bei den Norddeutschen anerkannt und beliebt.
Gruß Lutz
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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon peenemolli » Samstag 25. April 2020, 18:51

Auch meine Kameraden von R-11und ich haben so etwas nicht erlebt. Weder im jeweiligen Standort und schon gar nicht in der Heimat. Wir waren stolz auf unsere Uniform und haben das auch gezeigt. Natürlich wurde dann in den Decksgesprächen immer so getan, als hätte man sich die Uniform schon auf dem Heimatbahnhof vom Leib gerissen...man wollte eben damals schon COOL sein. Die Wirklichkeit sah anders aus und das wird mir bei gelegentlichen Treffen auch immer bestätigt. Wir waren eine Armee die doch sehr eng mit der Zivielbevölkerung verbunden war. Wenn ich an die vielen Arbeitseinsätze in der Industrie, Landwirtschaft, der engen Verbundenheit mit Patenbrigaden und Patenstädten und die Hilfe bei Katastrophen denke, dann kann man wirklich sagen...wir waren eine Volksarmee!! Natürlich wird es immer Zeitgenossen geben, die das anders sehen...sollen sie doch! Wir wissen es besser! Deswegen kann ich auch nicht glauben, das es so etwas in größerem Umfang gegeben haben mag. Ausnahmen bestätigen die Regel! Peenemolli



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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon Berth1909 » Sonntag 26. April 2020, 10:46

Zu meiner GWD-Zeit war es den Mannschaftsdienstgraden verboten Zivilkleidung am Standort zu haben und selbst 1989 bin ich morgens mit Uniform aus dem Haus in Greifswald und mit dem Bus oder der Bahn nach Wolgast und dann weiter nach Peenemünde, ohne daß mich jemand angepöbelt hätte. Allerdings waren um die Zeit die Busse voll mit Militär, da alle zum Dienst wollten. Unsere Matrosen hatten auch noch keine Zivilsachen in der Kaserne, außer die Entlassung stand unmittelbar bevor. Den anderen mußten wir dann aber sagen, daß sie sich welche schicken lassen sollten, weil es dann immer öfter zu Übergriffen kam. Die Gewalt ging damals aber von den selbsternannten Bürgerrechtlern aus, die auf alles einen Haß hatten, was den Staat repräsentierte.



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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon Kulle » Sonntag 26. April 2020, 15:47

Hallo Seemänner,

nicht nur an der Küste, sondern in fast allen Städte der DDR haben die "selbsternannten Bürgerrechtler" (darunter meine ich nicht die, die man an zehn Finger abzählen kann) zum Zeitpunkt der Wende ihr Unwesen durch Übergriffe gegenüber den bewaffneten Organen der DDR, Parteimitgliedern, öffentliche Gebäude usw. betrieben.

Ja sie hatten auf alles einen Hass was die DDR betraf, weil sie aus ihr persönliches Leben in der DDR nichts machten und dachten, im Westen wäre alles besser.
Ich möchte nicht wissen wie viele der "sogenannten Bürgerrechtler" auf der Strecke blieben, arbeitslos oder sogar obdachlos geworden sind.
In meinen Augen waren das überwiegend nur Chaoten bzw. Krawallmacher mit wenig Niveau, die vermutlich auch nicht vor Menschenleben scheuten, wenn seitens der DDR mit anderen Mitteln reagiert worden wäre.
Dann wäre es, ähnlich wie damals in Ungarn 1956, zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen.
Gruß Lutz
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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon Hummsel » Sonntag 26. April 2020, 19:53

Hallo,meine Erfahrungen beziehen sich auf die Jahre 1966/1967 in Sassnitz,aber erstmal möchte ich Kulle voll beipflichten.Wir waren oft im Seemannsheim,da gab es keine Probleme da die dortigen Fischer gröstenteils Landsleute waren und wir auch ab und zu einen spendiert bekamen da wir in deren Augen ( "arme Schw...)waren ,mein Schulfreund war zu dieser Zeit im FK als Fischer .Etwas anders sah es in den Lokalitäten aus in denen die einheimischen Fischer bezw Einwohner verkehrten.Bei einigen dieser Vertreter war der IQ im Nullbereich angesiedelt , wenn diese die Klappe aufmachten stank es gewaltig da nur Schei... rauskam,alles was unter Neubrandenburg beheimatet war waren Sachsen und die konnten sie nicht leiden,warum wußten sie allerdings nicht, deren Geld das diese an der Küste ließen schon.Ein solides Gespräch war mit solchen Typen in keiner Form möglich.Ich hatte einen dieser "Küstenhelden" mal gefragt ob er ohne die Sachsen auch noch so gut leben könne da ja dann seine Alte nicht mehr das ganze Haus außer der Garage an "sächsiche Urlauber" vermieten könne und er von sein Heringsfang ohne Subvention nicht täglich einen zischen könne,ich dachte der will mich fressen,aber zum Glück waren wir fast zehn Mann.Reibereien gab es auch durch diese Typen auch mit Fischerkollegen aus südlichen Landesteilen.Es waren aber nicht alle solche geistigen Einachser,selbst solche Typen sind heute froh das die von ihnen gehassten Volksgruppen (ich zähle uns Thüringer auch dazu) zur Küste kommen und ihre Moneten dort lassen.Derartige Stimmungsmache die ich auch als Fernfahrer erlebt habe gab es nur an der DDR Ostseeküste.Da ich mich von so etwas nicht beeinflussen ließ habe ich ein Deern aus Rostock geheiratet
Grüße Hummsel



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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon SteuermannV382 » Dienstag 28. April 2020, 09:07

Kulle hat geschrieben:..Ja sie hatten auf alles einen Hass was die DDR betraf, weil sie aus ihr persönliches Leben in der DDR nichts machten und dachten, im Westen wäre alles besser. Ich möchte nicht wissen wie viele der "sogenannten Bürgerrechtler" auf der Strecke blieben, arbeitslos oder sogar obdachlos geworden sind. ...

Hallo Lutz,
da sprichst Du ein wahres Wort. Da ich in der Lehrzeit im Internat (750 Lehrlinge) wohnte, kannte ich viele. Nach der Wende arbeitete ich im Zeitungsvertrieb und traf nicht wenige davon wieder. Die, die vorher etwas aus sich gemacht hatten, kamen mit den neuen Umständen zurecht. Die "Scheiß-Osten-Meckerer" wollten plötzlich die DDR zurück. Da hat das Wort "Wendehals" doch eine passendere Bedeutung.
Gruß Jens
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Re: Hass auf die uniformierten "Blauen Jungs"

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Beitragvon sperrmixer556 » Dienstag 4. August 2020, 12:08

Ahoi,dazu auch von mir ein Erfahrungsbericht. Der U-Jagd Kampfkern (8er-Gruppe) war Anfang der 60ziger in Sassnitz stationiert.Landgänge verliefen bis auf wenige Ausnahmen komplikationslos. In der " Fischerkneipe " am Hafen konnten wir ungestört verkehren und beim Tanz gab es nie Probleme, Mädels vom Fischkombinat waren immer in der Überzahl.
Probleme hatten wir meist in Zinnowitz nachdem nach deren Stationierung Ausgänger der Luftstreitkräfte in "unseren" angestammten Lokalitäten Fuss fasten. Das ging z.B. bis zur Limitierung der jeweiligen Waffengattung. Wir waren jung und das Konfliktpotential wurde ohne grosse Überhärten geklärt. Da spielte mitunter auch der Zeitfaktor eine Rolle.... den letzten Triebwagen durfte und wollte man nicht verpassen!
Bezüglich unserer Uniform kann ich mich zu keiner Zeit an einen derartigen Ausdruck bzw. an deren Verunglimpfung erinnern. Das Gegenteil war meist der Fall. Wir waren damals alle freiwillig bei den Seestreitkräften/Volksmarine
und stolz auf unsere Uniform.
Bleibt alle gesund, wir sind ja Risikogruppe!



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