Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon Eddy » Sonntag 27. Mai 2018, 18:47

Titel Forum.jpg


„Flugzeuge untereinander werden sich keinen Schaden zufügen können, ohne sich selbst zu opfern. Um sich auf weite Entfernungen bekämpfen zu können, fehlt eine geeignete Bekämpfungswaffe. Das Mitführen von Maschinengewehren verspricht deshalb keinen Erfolg, weil es auch dem Begleiter bei der Schnelligkeit der Fortbewegung kaum möglich sein dürfte, das Ziel richtig zu fassen.“
(aus: Olszewski/Helmrich von Elgott – Flugzeuge in Heer und Marine – 1912)


Wie sich doch die Verfasser irrten, der Weltkrieg (eine Nummer hatte er noch nicht) brachte eine rasante Entwicklung im Luftverkehr.
Der Weltkrieg tobte schon ein Jahre auf den Schlachtfeldern Europas. Besonders an der Westfront auf dem Gebiet von Frankreich wurden die Kämpfe immer erbarmungsloser. Da Deutschland zu Beginn des Krieges eine nur unausgereifte Luftwaffe hatte und deren Entwicklung auch nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt hatte, wurde das im Verlauf des Krieges anders. Der Ruf nach Luftunterstützung an der Land- und Seefront wurde immer lauter. Aufklärungsergebnisse waren unzureichend und Luftangriffe nur sehr zaghaft. Die deutsche Flugzeugindustrie war gezwungen schnelle Lösungen zu finden. So begann man bereits Anfang des Jahres 1915 mit der beschleunigten Entwicklung von Waffentechnik darunter auch die der Luftwaffe. So wurden die Leistung der Flugzeugmotoren, die Bewaffnung der Flugzeuge und natürlich auch der Ausbildungsstand der Flugzeugführer verbessert. Die Auswirkungen der Luftangriffe auf England waren militärisch gesehen eher bescheiden aber dafür moralisch umso höher. Die Propaganda in Deutschland nutzte die Ergebnisse bis ins kleinste i-Tüpfelchen aus.

01 Luftkampf.jpg

"Ich fliege nah ran, ziele gut, und dann fällt er von selbst herunter.“ (Oswald Boelke, deutscher Jagdflieger)

02 Cockpit mit Waffe.jpg
02 stiller tod.jpg

Diese "Fliegerpfeile" aus Stahl wurden im Bündel von den Piloten über den Linien abgeworfen. Durch ihre Ärodynamik kamen sie immer mit der Spitze nach unten an und durchschlugen sogar die Stahlhelme. Da sie geräuschlos fielen, wurden sie der "stille Tod" genannt.

1915 wurde vom Befehlshaber der Marine-Luftfahrt-Abteilung in Wilhelmshaven festgestellt, dass der Seefliegerhorst Stralsund strategisch ungünstig lag.

03 LFG-02.jpg
03 KTB.jpg


Im KTB der Marine-Flugstation Stralsund stehen unter anderem 1915 folgende Einträge:
04 Ausschnitt-KTB-01.jpg


Nach längerem Suchen fand die Besatzung des Flugzeuges 53 (Alb WDD), Ob.Ltn.z.S. Friedensburg und Ltn.z.S. Kaumann die Flächen südwestlich des Fischerdorfes Wiek und den nördlichen Teil der Halbinsel Bug. Beide Flächen lagen ideal an Bodden und Ostsee und hatten eine gute strategische Ausgangslage. (Alb WDD = Albatros Wasser-Doppeldecker)
Bereits im November 1915 wurde mit dem Bau in Wiek begonnen, parallel dazu auch auf der Halbinsel Bug, wo ebenfalls eine Seeflugstation errichtet wurde. Zur Unterstützung der Bauarbeiten sollte die Rügensche Kleinbahn eine Strecke von Wiek nach Bug verlegen, was sich aber aus Mangel an Arbeitskräften bis 1918 hinzog. Bis dahin wurden das Baumaterial über das Wasser oder Land transportiert.
05 Ausschnitt-KTB-02.jpg

In Wiek geht der Bau der Station zügig voran. Für den Schutz der Flugzeuge werden provisorisch große Zelte aufgebaut, die aber immer wieder durch die Windverhältnisse weggerissen werden. Deshalb entstehen nach und nach vier Hallen aus Holz.
Auf dem Bug werden Baracken und Hallen gebaut sowie eine große Rollbahn aus Beton gegossen.
Die Fertigstellung der Stationen drängt. In die Arkonasee dringen von Nordwesten britische U-Boote und von Osten russische Schiffe ein. Es gilt für Deutschland die Eisenerzroute von Schweden nach Stettin zu schützen.
06 Ausschnitt-KTB-03.jpg

Am 26.05.1916 wird die SFS Wiek und am 27.12.1916 die SFS Bug in Betrieb genommen.
06 SFS Bug.jpg
1917 Seeflugstation Bug.jpg

1918 SFS Wiek-Rügen.jpg
Seeflugstation 0021 - Kopie.jpg

Die Luftbildaufnahme, am 21. Mai 1918 aus 500 m Höhe gemacht, zeigt die Seeflugstation Wiek mit zwei Anlegern und zwei Ablaufbahnen. Der größte Teil der Technik und der Sicherstellung war auf dem Bug stationiert. In Wiek war die größere Anzahl des Personals untergebracht, es verkehrte täglich mehrmals ein Boot zwischen beiden militärischen Einrichtungen.
In beiden Objekten wurde Personal ausgebildet und zwar im Bombenwerfen, als Bordschütze, als Fotoaufklärer und als Funker (Telegrafie). Für das Bombenwurftraining und den Einsatz der Bordmaschinenwaffen wurde das Seegebiet „Libben“, zwischen Bug und Hiddensee genutzt.

Die forcierte Entwicklung und Ausbildung führte zur Zunahme des Personalbestandes in der Flugstation. So waren von 1917 bis 1918 durchschnittlich etwa 700 bis 800 Personen stationiert. Das hatte natürlich auch positive Auswirkungen auf das Umfeld der Orte Wiek und Dranske. Der Bedarf an Lebensmitteln und Waren des täglichen Gebrauchs stieg und brachte für die Lieferanten gute Umsätze.
Die Seeflugstation auf dem Bug diente in erster Linie der Ausbildung von Flugpersonal aber auch als Ausgangspunkt für Fronteinsätze. Aufklärungsflüge über der Ostsee gehörten zu den Aufgaben der Station. Zwischen Swinemünde und den schwedischen Hoheitsgewässern wurden diese Einsätze geflogen. Zunehmende Beachtung, das schrieb ich schon, fand dabei die Fährlinie Saßnitz – Trelleborg. Besonders wichtig war die Sicherung der Erztransporte aus Schweden nach Deutschland, da dieser Grundstoff für die Rüstungsindustrie dringend benötigt wurde. Von außerhalb der Ostsee war da nichts mehr möglich, da England Deutschland mit einer Seeblockade belegt hatte. Während dieser Aufgaben verbesserte sich das Zusammenwirken der Flieger mit den Seestreitkräften ständig.

:ahoi: Eddy
(Fortsetzung folgt)
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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon Eddy » Freitag 13. Juli 2018, 10:06

Setzten wir die geschichtliche Betrachtung mit einigen allgemeinen Informationen zum dienstlichen Leben fort.
Beide SFS, Wiek und Bug dienten neben den Aufklärungsflügen auch als Ausbildungsstätten. Hier wurden Piloten, Bombenschützen, Nachrichtenleute und Maschinenwaffenpersonal ausgebildet. Wenn man die Eintragungen in den KTB (Kriegstagebuch) verfolgt, die täglich geführt und wöchentlich durch den Leiter der Station gegengezeichnet wurden, erkennt man, dass die Aufklärung im Verlauf der Kriegsjahre zunimmt. Ist es 1915-1916 noch relativ ruhig, nehmen die Aktivitäten 1917-1918 enorm zu und es werden auch die Ergebnisse notiert.
Kehren wir aber zu den normalen Ereignissen in und um die SFS´en zurück. In der Wieker Chronik sowie im Buch "Rügens geheime Landzunge" wird das nachfolgende Foto als Einweihungsfoto für beide SFS`en benannt. Die richtigen Eröffnungsdaten schrieb ich bereits im ersten Teil meines Beitrages, beide SFS`en wurden 1916 unabhängig voneinander in Betrieb genommen. Auf dem Foto handelt es sich um einen Festgottesdienst am 27.01.1917 auf dem Markt von Wiek anlässlich des Geburtstages des deutschen Kaisers (lt. KTB)
1917-01-27 Festgottesdienst Seeflugstation Wiek.jpg

Als Beispiel ein Innenfoto von einer Flugzeughalle der SFS Wiek, die aus Holz erbaut wurde.
1918 Wie SFS Halle.JPG

Ich schrieb auch davon, dass viele Maschinen verloren gingen weil sie bei Übungs- und Ausbildsflügen abstürzten. Wobei keine Gegnereinwirkung zu verzeichnen waren. Hier ein Beispiel aus Wiek. Das Flugzeug stürzte 1918 auf ein Bauerngehöft, vermutlich auf das Dach der Scheune und fiel nach innen.
1918 Wiek Absturz Flgz. 01.JPG
1918 Wiek Absturz Flgz. 03.JPG


Das Personal hatte natürlich aufgrund der Ausbildungsaufgaben einen hohen Wechsel. Einige Stammleute waren aber immer zu verzeichnen. Da war in Wiek 1918 der Fl.Ob.Mt. Karl Schütte stationiert, der sich mit einer wichtigen Aufgabe beschäftigte und die Ergebnisse auch schriftlich für die Nachfolger hinterließ, die Wetterbeobachtung und ihre Einflüsse auf das Flugwesen. Diese Arbeit liegt in unserem Museumsarchiv im Original vor.
1918 Flugzeug Obermatrose Karl Schütte SFS Wiek (1).jpg


Weitere Personen, die sich länger auf den SFS`en aufhielten.
1918 Wiek 01.JPG
1918 Wiek Gruppe Wehner.JPG
SFS Wiek (vs).jpg

Bombenlehrgang 1 (1917).jpg


Einige wenige Technikfotos:
Albatros WDD.jpg
1918 Wiek SFS 02.JPG
1918 SFS Bug FF 33.jpg

Und zum Abschluss dieses Teiles noch eine Fundsache vom Bug, eine Kompass-Rose aus einem Flugzeug, Jahrezahl 1916. (Foto B. Borrmann)
2015-10-14 12.10.12.jpg


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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon Eddy » Freitag 13. Juli 2018, 10:32

Als nächstes, wie es so bei militärischen Einheiten üblich ist, wer waren die Chefs, hier Stationsleiter genannt. Das Chefsein trifft hier, so habe ich das bisher aus den KTB`ern entnommen, auf alle drei SFS`en zu, also Stralsund, Wiek und Bug.
21.10.1915 Ob.Lt.z.S. Friedensburg, Walter (* 1889)
Auszeichnungen: Seefliegerabzeichen 1914, EK II 1915, EK I 1915, Ehrenpreis 1917
22.04.1916 Ob.Lt.z.S. Schiller, Hans (*1889)
Auszeichnungen: Seefliegerabzeichen 1914, EK II 1915
27.07.1917 Kpt.Lt. Kuntze, Paul (* 1883)
Auszeichnungen: Seefliegerabzeichen 1915, EK II 1915
16.09.1918 Kpt.Lt. Fenner, Hans (m.d.F.b.) (*1877)
Auszeichnungen: Beobachterabzeichen 1918
26.09.1918 Kpt.Lt.d.R. Bertram, Otto (*1883)
Auszeichnungen: Beobachterabzeichen 1917
12.12.1918 Kpt.Lt. von Santen, Hans (* 1890)
Auszeichnungen: Beobachterabzeichen 1915

Auszeichnungen:
Abzeichen-Marine-Flugzeugfuehrer-Seeflugzeuge-1.jpg
Flugzeug-Beobachter-Abzeichen-Marine-1.jpg

800px-EK_2_1914.jpg
Preussen-Eisernes-Kreuz-1914-1Klasse-1.jpg


Hier einmal einige Beispiele, wie die Besatzungen der Flugzeuge zusammengestzt waren (lt. KTB 1915)
1915 Besatzungen lt. KTB SFS Stralsung.docx

Es gab natürlich auch hohen Besuch von Vorgesetzten der SFA (Seeflugabteilung) und höher.
Leider lässt sich das nachfolgende Foto mit dem Besuch der Kronprinzessin nicht in den KTB`ern nachweisen. Da aber der Stationsleiter Kpt.Lt. Kuntze (links im Bild) mit abgebildet ist, kann es nur zwischen Juli 1917 und September 1918 gewesen sein. Kronprinzessin war Cecilie Auguste
Marie, Herzogin von Mecklenburg (rechts im Bild)
1918 Wiek SFS KL.JPG


Der Fotograf des nachfolgenden Fotos hatte eiserne Nerven, er hält den Absturz einer Ago C.IV im Bild fest. Der Pilot, Vz.Fw. Heppner hat noch eine Sekunde Lebenszeit, März 1917.
1917-05 Todessturz.jpg


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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon bitti » Freitag 13. Juli 2018, 23:08

wieder mal sehr spannend und interessant :)



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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon Hauck » Samstag 14. Juli 2018, 07:32

Danke Eddy, weiter so, ist sehr interessant
bin in 2 Wochen oben, werde mich dann mal melden

Allen Kameraden ein schönes Wochenende
aus dem sehr warmen Süden

Hauck :ahoi:
Ein Volk, das keine Vergangenheit haben will, verdient auch keine Zukunft.

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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon Eddy » Sonntag 15. Juli 2018, 11:26

Danke, setzen wir die Geschichte fort.
Wenn Dokumente und Zufall zusammen kommen, kann man sogar die Entwicklung einzelner Personen recherchieren. Ich denke es war 2013 als sich ein Herr St. aus Berlin bei mir meldete und Dokumente und Fotos von seinem Großvater an uns schickte. Erfreut, Fotos vom 1. Weltkrieg vom Bug zu haben, bauten wir das Ganze auch gleich in der Ausstellung mit ein. Allerdings für den gesamten Zeitraum 1. Weltkrieg, da genaue Zeiten nicht vorhanden waren. Der mitgeschickte Militärpass gab zwar schon Auskunft über dessen ehemaligen Inhaber aber wir konnten die Handschrift im Pass nicht so ohne weiteres entziffern (Sütterlin Handschrift). Also wurde das Ganze archiviert. Einige Fotos hatte ich hier und da in anderen Foren schon verwendet und auch das Geheimnis der Zahlen an den Flugzeugen erfragt. Ich fand auch zuverlässige fachliche Hilfe und weiß heute, das die Rumpfnummer an den Flugzeugen im 1. Weltkrieg alles über den Typ des Flugzeuges aussagt, Abkürzungen, die hinter der Typbezeichnung stehen, geben Auskunft über die Ausrüstung des jeweiligen Flugzeuges.

Nun mal zu der Einzelperson, die uns bis zur Jetztzeit aktiv beschäftigt hat, Flugmaat Waldemar Adalbert Wenger, Jahrgang 1886 aus Berlin. Er hatte seinen Wehrdienst als Obermatrose 1909 abgeschlossen. Aufgrund der Mobilmachung wurde er am 02.08.1914 zur 7. Kompanie der 1. Matrosen-Division einberufen. Hier wechselte er die Kompanien bis 27.01.1917 mehrmals und wurde am 21.04.1916 zum Unteroffizier ernannt.
Die 1. Matrosen(Marine)-Division war ein hauptsächlich aus Marineinfanterie bestehender Großverband der Kaiserlichen Marine im Weltkrieg. Die Division unterstand dem Marinekorps Flandern, und man wies ihr neben dem direkten Küstenschutz die Sicherung mehrerer Städte zu. Kommandeur der Einheit war Vizeadmiral z.D. Hermann Jacobsen. (Mit dieser Aussage habe ich mich geirrt und dank @Kennedy kann ich das jetzt korrigieren-Eddy)

Die 1. Matrosen-Division war ein Truppenteil der Marine an Land und zwar in Kiel später auch in Wilhelmshaven. Sie stellte das Reservoir für die Besatzungen der Schiffe und Fahrzeuge mit seemännischen bzw. technischem Personal sicher. In Kiel gab es zwei Abteilungen zu je drei Kompanien.
Brockhaus Ausschnitt.jpg

Der Militärpass von Fl.Mt. Waldemar Wenger
1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (2).jpg
1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (4).jpg
1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (6).jpg

1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (8).jpg
1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (10).jpg
1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (12).jpg


Mit Wirkung vom 28.01.1917 wurde er zur 1. Seefliegerabteilung versetzt und landete damit im Bereich der Seeflugstationen Stralsund-Wiek-Bug.
Sitz der Führung dieser 1. SFA war Kiel und es gehörten im Ostseebereich folgende SFS`en dazu:
Ostsee.jpg


Im KTB erscheint Fl.Mt. Wenger mehrmals, als Beobachter und als Flugzeugführer. Sein
Flugzeugführerabzeichen erhielt er am 15.07.1918.
Flugzeugführer-Abzeichen See.jpg

Beispiele:
14.07.1917
mit Flugzeug 479 (FF 33 E = Friedrichshafen Seeaufklärer) der Beobachterschule zum Übungsflug,
Flugzeugführer: Flugmaat Wenger,
Beobachter: Obersignalgast Daunke
1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (13).jpg


Vom 01.09.1917 bis 05.03.1918 war er zum Luftkrieg in die Türkei zur SFS Kawak versetzt.
Schwarzes Meer.jpg

1917 Wenger Ausweis Türkei - Kopie.jpeg
1917 Wenger - Bursche Mehmet in Türkei.jpeg


weitere Einsätze nach Rückkehr aus der Türkei von Stralsund und Bug.
07.08.1918
mit Flugzeug 1823 (FF 49 C = Friedrichshafen Bombenflugzeug)
Flugzeugführer: Vizeflugmeister Ovens,
Beobachter: Flugmaat Wenger
Friedrichshafen FF 49 C.jpg


29.08.1918
mit Flugzeug 1283 (FF 33L = Friedrichshafen Seeaufklärer) Flug nach Stralsund
Flugzeugführer: Flugmaat Wenger,
Beobachter: Ltn. Rühle
Noch ein paar Fotos aus den Jahren 1917-1918
1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (15).jpg
1917 Wenger, Waldemar 3.v.r.- Pilot Bug (19).jpg

1917 Wenger, Waldemar - Pilot Bug (17).jpg
Sablating SF 5.jpg


Im Juli 2016 besuchte uns Herr St., Enkel von Waldemar Wenger, eine Tag nach seinem 80. Geburtstag. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und dessen Frau besuchten wir das Gelände der ehemaligen SFS Bug.
2016-07 Stenschke - Enkel von Wenger.JPG

Mit diesem Besuch auf dem Gelände der ehemaligen SFS Bug (Hauptbereich dort, wo bei uns der Kfz-Park war) machten wir diesem Mann das schönste Geburtstagsgeschenk.
Und da gibt es Menschen, die sagen, dass Geschichte keine Rolle spielt, weil sie keinen interessiert. Es freut mich dann immer, wenn man solche Ereignisse dokumentieren kann. Und wir haben davon einige Beispiele alle drei Militärzeiten betreffend.
:ahoi: Eddy
(wird fortgesetzt)
2018-07.JPG

... auch wenn ich zurzeit so aussehe
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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon Kennedy » Sonntag 15. Juli 2018, 20:58

Vielen Dank für all Deine Mühe und die interessanten Beiträge, lieber Eddy.
Vor allem aber: Gute Besserung.
Kleine Anmerkung: Die Matrosendivisionen dürfen nicht mit den Marine-Divisionen (Flandern) verwechselt werden. Über einen Einsatz in Flandern enthält das vorliegende Soldbuch -soweit ich sehe- auch keine Angaben.
Es gab für die Bereiche der Stammeinheiten Ostsee und Nordsee jeweils eine Matrosen-Division für das seemännische Personal der Kaiserlichen Marine (goldene Knöpfe, goldene Schrift auf dem Mützenband). Mit den Angehörigen der Matrosendivisionen wurden dann die Schiffe mit seemännsichen Personal bemannt.
Für das technische Personal der Kaiserlichen Marine (u.a. Heizer) gab es -dementsprechend- die beiden Werft-Divisionen (silberne Knöpfe und silberne Beschriftung der Mützenbänder).
Für das Torpedopersonal gab es außerdem die beiden Torpedo-Divisionen.
Nebenbei: Die Besatzungen der Torpedoboote trugen um die blauen Kragenplatten eine rote Paspelierung, auch um den Rand der Tellermütze (U-Bootsbesatzungen ebenso), die Besatzungen der Kaiserlichen Yacht hatten weiße Kragenplatten.
Mein erster Kapitän war vom Westen in die frühe DDR gekommen, er soll der KPD angehört haben. Dennoch: Stolz sagte er immer, er wäre bei den "Roten Ulanen zur See" gewesen, also bei den Torpedobooten.
Der genannte Maat war bei der Matrosen-Division zum Exerzierunteroffizier befördert worden. D.h., er hat dort den Ersatz ausgebildet. Als Maat der Marineflieger später trug er als Dienstgradabzeichen den unklaren goldenen Anker mit einer diesen quer durchlaufenden roten Luftschraube.
Soviel in Kürze.

Grüße

Kennedy
Zuletzt geändert von Kennedy am Montag 16. Juli 2018, 22:16, insgesamt 2-mal geändert.



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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon E-Nautiker » Montag 16. Juli 2018, 19:41

Hallo Eddy und Kennedy. Vielen Dank für die sehr interessanten Beiträge. Eddy , Dir wünsche ich gute Besserung damit wieder volle Einsatzbereitschaft besteht da im Heimatmuseum durch die Baumaßnahmen noch viel zu tun ist. :allesgut:
Gruß Dietmar ___der E-Nautiker ___________________________________________________

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Nov.


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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

[9 / 32]

Beitragvon Bootsmann 49 » Dienstag 17. Juli 2018, 06:02

Moin Eddy

Ein tolles und sehr interessantes Thema was Du uns hier vorstellst.
Ist natürlich wieder für Dich eine ganze Masse an Mehrarbeit. Aber wie ich Dich
kenne machst Du sie mit Herz und Leidenschaft, Danke dafür.
Wünsche Dir gute Besserung und viel Gesundheit.
Was hast Du denn angestellt ?????

Bootsmann 49
Bis demnächst
grüßt Hugo Bootsmann 49



Wenn du Heute aufgibst, wirst du nie wissen
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Re: Seeflieger der Deutschen Luftwaffe auf dem Bug

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Beitragvon Eddy » Dienstag 17. Juli 2018, 09:08

Kennedy hat geschrieben:....Kleine Anmerkung: Die Matrosendivisionen dürfen nicht mit den Marine-Divisionen (Flandern) verwechselt werden. Über einen Einsatz in Flandern enthält das vorliegende Soldbuch -soweit ich sehe- auch keine Angaben.
Es gab für die Bereiche der Stammeinheiten Ostsee und Nordsee jeweils eine Matrosen-Division für das seemännische Personal der Kaiserlichen Marine (goldene Knöpfe, goldene Schrift auf dem Mützenband). Mit den Angehörigen der Matrosendivisionen wurden dann die Schiffe mit seemännsichen Personal bemannt.
Für das technische Personal der Kaiserlichen Marine (u.a. Heizer) gab es -dementsprechend- die beiden Werft-Divisionen (silberne Knöpfe und silberne Beschriftung der Mützenbänder).
Für das Torpedopersonal gab es außerdem die beiden Torpedo-Divisionen.
Nebenbei: Die Besatzungen der Torpedoboote trugen um die blauen Kragenplatten eine rote Paspelierung, auch um den Rand der Tellermütze (U-Bootsbesatzungen ebenso), die Besatzungen der Kaiserlichen Yacht hatten weiße Kragenplatten.
Mein erster Kapitän war vom Westen in die frühe DDR gekommen, er soll der KPD angehört haben. Dennoch: Stolz sagte er immer, er wäre bei den "Roten Ulanen zur See" gewesen, also bei den Torpedobooten.
Der genannte Maat war bei der Matrosen-Division zum Exerzierunteroffizier befördert worden. D.h., er hat dort den Ersatz ausgebildet. Als Maat der Marineflieger später trug er als Dienstgradabzeichen den unklaren goldenen Anker mit einer diesen quer durchlaufenden roten Luftschraube.
...

Hallo Hartmut,
herzlichen Dank für Deine historischen Hinweise. Ich habe mich auch beim Schreiben gewundert, dass im Pass Matrosendivision steht und beim Suchen nur Marine-Division gefunden habe. Ohne tiefer einzudringen habe ich dann beide gleichgesetzt. Da muss ich nun noch einmal nachhaken, denn ich möchte ja auch ein richtiges Bild darstellen. Deshalb habe ich meinen Beitrag korrigiert.
Danke und auch für die Genesungswünsche
Eddy
"Tradition pflegen heißt nicht Asche aufbewahren sondern eine Flamme am Leben erhalten!"

Berndt Borrmann, Fregattenkapitän a.D.
1. Vorsitzender Heimatverein Dranske e.V.
Ehrenamtlicher Leiter des "Marinehistorischen- und Heimatmuseums Dranske / Bug"
Vorstandsmitglied der MK Bug 1992 e.V.



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