Maritime Geschichte und Unterwasserarchäologie Rügen

allgemeine maritime Themen, die woanders nicht passen

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Maritime Geschichte und Unterwasserarchäologie Rügen

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Beitragvon Eddy » Freitag 15. Januar 2021, 12:52

Hallo Männer,
ich habe einen interessanten Kalender von 2014 auseinander genommen und versuche mal die Geschichten hier darzustellen. Leider kann ich nicht erkennen wer und wo das Ganze gedruckt wurde.
0000 Titel.jpg

Die einzelnen Blätter versuche ich mit einem Link zu versehen bzw. mit uns vorliegenden Dokumenten zu belegen.
1715 Schiffssperre.jpg
Schwedisch-Dänische-Seeschlacht_1715_2.jpg

-> -> -> Schiffssperre

von dapd
13. August 2012
Hiddensee | Die Geschichte des deutschen Schraubendampfers "Großfürst Constantin" begann und endete im Eis. Gebaut 1857 in Rostock geriet der zwischen Rostock und St. Petersburg fahrende Dreimaster vier Jahre später vor Rügen in einen Eissturm und sank. Jetzt haben Forschungstaucher das verschollen geglaubte Schiff wiederentdeckt. Das Wrack ruhe nordöstlich der Ostseeinsel Hiddensee in 21 Meter Tiefe, sagte Thomas Förster vom Rostocker Verein Archaeomare gestern nach Rückkehr von einer Tauchexpedition an Bord des Forschungskutters "Seefuchs".
Geortet wurde der schlanke, 55 Meter lange Rumpf schon vor acht Jahren durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. "Nur konnte sich bislang keiner erklären, was für ein Wrack das ist", sagte Förster. Als sein Team vor einem Jahr zu der Stelle tauchte, kam ihm der Verdacht, die "Großfürst Constantin" gefunden zu haben, doch der letzte Beweis fehlte. Doch jetzt ist Förster sich sicher: "Es handelt es sich zweifelsfrei um die "Großfürst Constantin", die Backbordseite zeigt sogar deutliche Druckspuren des Eises, das den Rumpf eingedrückt hat."
Im Winter 1861 geriet das Schiff, das im schottischen Leith Eisen und Kohle geladen hatte, ins Treibeis und wurde bis an die Küste von Rügen getrieben. Als der Rumpf dem Eisdruck nachgab und Wasser in den Maschinenraum drang, rettete sich die Besatzung auf das Eis. Dort irrten die 17 Mann eineinhalb Stunden umher. Erst als Lotsen auf Rügen Laternen anzündeten, fanden die Männer den Weg ans Land.

– Quelle: https://www.shz.de/201101 ©2021

1861-01 Großfürst Constantin.jpg


1900-02 Postdampfer Rex.jpg

-> -> -> Postdampfer REX

1901-09 SMS Wacht.jpg

-> -> -> SMS WACHT

.... geht gleich weiter
Eddy
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Re: Maritime Geschichte und Unterwasserarchäologie Rügen

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Beitragvon Eddy » Freitag 15. Januar 2021, 19:16

... so, nun geht es weiter
Am 12.12.1901 strandete die norwegische Bark SKIOLD vor Stubbenkammer unmittelbar beim Königstuhl. Das Segelschiff mit Stahlrumpf wurde 1890 in der Werft Russel & Co in Glasgow gebaut und hatte 1.592 BRT.
Nachdem das Schiff vor Rügen wieder flott gemacht wurde, fuhr es noch viele Meilen über den Atlantik. Auf der Route New York-Glasgow wurde es am 21.04.1917 durch das U-Boot U 61 von Kpt.Ltn. Victor Dieckmann versenkt. Kpt.Ltn. Dieckmann wurde 1887 in Jüterbog geboren und absolvierte eine aktive Marinelaufbahn. Als U-Boot-Kommandant hatte er viele Erfolge bis am 26.03.1918 sein Boot bei St. George Channel versenkt wurde. Er war Träger des EK II, EK I und des Königlichen Hausordens von Hohenzollern.
1901-12 Bark Skiold.jpg


Zum nächsten Ereignis 1909, Galeas SOPHIE, habe ich leider nichts weiter gefunden.
1909-07 Sophie.jpg


Auch dazu nichts weiter gefunden.
1915-09 Hanseat.jpg


Am frühen Morgen des 3. Oktober 1915 entdeckte Franz Beyer ein im Auftauchen begriffenes U-Boot. Beyer war Steuermann auf dem deutschen Dampfer „Svionia“, der kriegswichtige Güter aus Schweden nach Deutschland transportierte. „Nachdem mir klar war, dass ich es mit dem Feinde zu tun hatte, drehte ich ab auf Land, dadurch erhielt ich das U-Boot achter raus. Gegen 5.20 Uhr feuerte dasselbe den ersten Schuss, welcher am Bug vorbeiging“, berichtete Kapitän Karl Fischer später dem Admiralsstab der Marine.
Diese Sätze hat der Unterwasserarchäologe Thomas Förster in den geheimen Akten der Kaiserlichen Marine im Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg gefunden. Sie werfen ein Schlaglicht auf ein weitgehend unbekanntes Kapitel des Seekriegs im Ersten Weltkrieg: die Angriffe britischer U-Boote gegen die deutschen Nachschublinien in der Ostsee.
Während die kaiserliche Marine gegen die britische Blockade in der Nordsee mit einer wachsenden Zahl von U-Booten vorging, plante die Führung der Royal Navy das Gegenstück in der Ostsee. Allerdings erwies es sich als schwierig, die deutschen Sperren vor den dänischen Meerengen zu passieren. Das gelang dem U-Boot „E19“ unter Commander Francis Cromie im August 1915. Nachdem er sich in den folgenden Wochen in den flachen Gewässern versteckt hatte, wagten die Briten im Oktober ihren ersten Angriff.
Das Ergebnis haben Thomas Förster und seine Mitstreiter jetzt vor dem Königsstuhl an der Ostküste von Rügen entdeckt. Auf einem künstlich angelegten Unterwassergraben verteilen sich zahlreiche Schiffstrümmer, die mit Algen und Muscheln bewachsen sind. Die Forscher des Vereins Archaeomare und des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund sind sich sicher, die Überreste der „Svionia“ gefunden zu haben, des ersten zivilen Opfers des U-Boot-Krieges in der Ostsee.
Thomas Förster hat die Berichte des Kapitäns an den kaiserlichen Admiralsstab im Militärarchiv gefunden. Danach gab der Kapitän der „Svionia“ umgehend den Befehl, das Schiff zu verlassen. Während die Mannschaft mit zwei Booten flüchtete, eröffnete „E19“ das Feuer. Obwohl das britische Boot zu den modernsten der Royal Navy zählte, war es die übliche Taktik, Handelsschiffe nicht mit Torpedos, sondern mit Geschützen Überwasser anzugreifen.
Bereits der erste Schuss traf den Maschinenraum. Weitere Treffer gegen Heck und Vorschiff folgten. Die „Svionia“ trieb orientierungslos auf Stubbenkammer zu, wo sie am Ufer strandete. Der Kapitän musste sich später den Vorwurf gefallen lassen, zu früh das Schiff verlassen zu haben, sagt Förster.
Der erste britische U-Boot-Angriff auf ein Zivilschiff wirkte wie ein Schock: Der Verkehr zwischen Sassnitz und dem schwedischen Trelleborg kam wegen der Gefahr weiterer Angriffe zeitweise komplett zum Erliegen. Das war ein schwerer Schlag für die deutsche Kriegswirtschaft, die aus dem neutralen Schweden wichtige Güter wie Eisenerz, Getreide oder Pferde bezog. Förster zitiert Berichte der Zeitung „Svenska Dagbladet“ an den folgenden Tagen: „Der Angriff wird vom britischen U-Boot ,E19‘ geführt, das im weiteren Kriegsverlauf mit großem Erfolg gegen weitere deutsche Handels- und Kriegsschiffe operierte.“
Schon am 10. Oktober sichtete „E19“ das mit Eisenerz beladene Dampfschiff „Lulea“, das nach einem Beschuss vor Gedser strandete. Einen Tag später versenkte es den mit schwedischem Eisenerz beladenen Dampfer „Walter Leonhardt“ bei Öland, wenig später dann den Dampfer „Germania“, der nach einem Fluchtversuch mit der Bordkanone des U-Bootes beschossen wurde. Der größte Erfolg gelang „E19“, als es am 7. November 1915 vor Kap Arkona den Kleinen Kreuzer „SMS Undine“ mit zwei Torpedos versenkte.
Allerdings fand die kaiserliche Marine bald ein Mittel gegen die Bedrohung. Die Handelsschiffe fuhren nicht mehr einzeln, sondern in gesicherten Konvois. Da auch der Eisgang in der Ostsee die Bewegungsmöglichkeiten der britischen U-Boote empfindlich einschränkte, verbrachte „E19“ viele Monate in russischen Häfen im Baltikum und im Süden Finnlands. Als deutsche Truppen 1918 bei Helsinki landeten, versenkte die Besatzung schließlich das Boot.
Die schnelle Bergung des Wracks misslang
Die „Svionia“ war beim Beschuss durch „E19“ nur wenig zerstört worden. Erste Bergungsversuche begannen bereits wenige Tage nach der Strandung. Dazu hatte die Hamburger Firma Philip Holzmann einen hundert Meter langen und 20 Meter breiten Graben anlegen lassen, um das 91 Meter lange Schiff wieder ins Wasser zu ziehen. Der Bergungsversuch misslang.
Als „Postkartenwrack“ lag die „Svionia“ in den Folgejahren unterhalb des Königsstuhls und gewann nach Abschluss des Versailler Vertrages an Bedeutung: Als Wrack wurde es nicht mehr in der Liste der deutschen Handelsschiffe geführt und musste deshalb auch nicht als Reparation an die Siegermächte abgeführt werden.
Seit Herbst 1918 wurde erneut an der Bergung des Schiffes gearbeitet. Doch was die Bergungsmannschaften nicht schafften, erledigte ein starker Nordoststurm am 31. Oktober 1919. Das Wrack rutschte allein in die künstlich angelegte Rinne. Die Dampfmaschine durchschlug dabei die Außenhaut des Schiffes, das auf den Meeresboden sank. „Die „Svionia“ wird damit endgültig zum Wrack“, sagt Förster.
Mit der Betauchung der Wrackteile und den Archivrecherchen haben die Forscher Licht in einen bislang wenig bekannten Abschnitt der U-Boot-Geschichte in der Ostsee gebracht – und auch mit Legenden aufgeräumt, denen zufolge der Kapitän voreilig das Schiff aufgegeben habe. Schon am 13. Januar 1916 hatte das Königlich Preußische Seeamt in Stralsund geurteilt, dass gegen die Anordnung des Kapitäns, das Schiff zu verlassen, nichts einzuwenden gewesen sei.
Veröffentlicht in WELT am 03.11.2015 von Martina Rathke

1915-10 Svionia.jpg


-> -> -> U-Boot E 19

... war auch hier der Grund
1915-11 Kreuzer Undine.jpg

... dazu der Auszug aus dem Kriegstagebuch der Seeflugstation Stralsund
1915 KTB SFS Stralsund.jpg

... demnächst weiter
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Re: Maritime Geschichte und Unterwasserarchäologie Rügen

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Beitragvon Eddy » Freitag 15. Januar 2021, 20:00

... nun noch die letzten drei.
Als erstes strandete das Boot/Schiff LISA in Höhe Kreptitz, nordwestlich von Dranske. Konnte wieder flott gemacht werden.
1930-04 Lisa.jpg


Das Schiff GENIUS wurde in der Werft Klaus Schulz, Gauensiek, 1900 gebaut. Länge ü.A. 18,07 m, Breite 4,78 m, ca. 60 TDW.
B003-Genius.jpg

1939 strandete das Schiff bei Hiddensee, wurde aber wieder abgeborgen.
1939-02 Genius.jpg


Das letzte Blatt des Kalenders zeigt ein Flugboot BV 138 C-1. Von diesem Typ stürzte am 02.05.1945 eine Maschine der SAGr 126, Ergänzungsgruppe Koppenhagen, bei Dranske mit 30 Personen an Bord in die Ostsee.
1945-05 BV 138.jpg

Die Geschichte des Ereignisses kennen von Euch die, die schon bei uns im Museum zu Gast waren. Der Mittelpropeller der Maschine (1985 durch die Taucher der 6. Flottille gehoben) steht seit 01.06.2013 vor unserem Haus.
Hier die Geschichte:
Die Geschichte einer Luftschraube (2019 ergänzt)

Fliegerhost Bug auf Rügen
Am Abend des 30.04.1945 hielt ich mich, Ic (dritter Generalstabsoffizier verantwortlich für die Feindlage und Abwehr), als letzter Offizier des Nachkommandos noch auf dem Fliegerhorst Bug auf. Der gesamte Bestand des Fliegerführers hatte schon nach Westen verlegt. Es meldeten sich ständig Flüchtlinge bei mir und ich hatte aber nur noch eine Do 18 zur Verfügung. Es gelang mir über eine verständige Telefonistin in Rostock Verbindung mit dem Fliegerführer zu bekommen und so flogen am 01.05. zahlreiche Maschinen Do 18, Do 24 und BV 138 den Bug an.
Ich fungierte als Ablaufoffizier und am 02.05. gegen Mittag übergab ich meine Aufgaben an einen Oberfeldwebel und ging zum Essen Richtung Kasino. Auf dem Weg dorthin ging vor mir der Zahnarzt und Oberarzt d.R. Dr. Leberecht Traugott Wegner, geb. am 01.10.1901, aus Königsberg, der die zahlreichen ihm entgegen kommenden Soldaten mit der Hand an der Mütze grüßte. Ihm entgegen kam auch Leutnant Bauer, Beobachter in einer Aufklärungsstaffel, die von Norwegen über Finnland in die Ostsee kam und den ich seit November 1944 kannte. Er war fanatischer Nationalsozialist, HJ-Führer und stammte aus dem Raum Frankfurt/Main.
Der Leutnant stellte den Arzt wegen seines Grußes zur Rede, dieser entgegnete ihm laut und deutlich, wie ich hörte: „Das Schwein ist tot, jetzt wird wieder so gegrüßt!“ (Hitlers Tod war kurz vorher bekannt gegeben worden). Der Leutnant zog daraufhin seine Pistole. Ich hörte zwei Schüsse. Der Arzt verstarb noch am Tatort. An der Abfassung eines Protokolls zu diesem Vorfall war ich beteiligt.
Gegen 15:00 Uhr erschien Leutnant Bauer am Ablauf und stieg in eine BV 138 ein. Diese voll beladen, startete, hatte Schwierigkeiten ob des großen Gewichtes sich vom Wasser zu lösen. Als es gelang sah ich wie der Steuerbordmotor qualmte und Feuer fing. Die Maschine sackte über Dranske ab, streifte hier am Ostseestrand einen Baum und stürzte in die See. Flugbetriebsboote fuhren sofort zur Absturzstelle und es konnten 18 Insassen zum Teil schwer verletzt geborgen werden. Für 12 Personen – darunter die Besatzung mit Leutnant Bauer – kam jede Hilfe zu spät. Pilot der Maschine war Oberfeldwebel Emil Leisenberg.
(Bericht von Walter Beenken, nach anderen Dokumenten ergänzt und erweitert)

Unmittelbar nach der Maschine von Leutnant Bauer startete Ob.Ltn. Karl-Heinz Steinhausen (Startzeit laut Flugbuch: 15:47 Uhr) mit 20 Frauen und Kindern an Bord und beobachtete den Flug und den Absturz der Maschine vor ihm, der somit zeitlich dokumentiert wurde.
(aus Dokumente Familiengeschichte Ernst Greßmann, geschrieben von Stabsbootsmann a.D. Hans Ryszewski, Cuxhaven)

Aus einer eidesstattlichen Erklärung von Leutnant Wolf von Zworowsky (Staffeloffizier), geschrieben am 20.07.1945 in Kopenhagen, geht hervor, dass der Leutnant Erich Bauer, geb. am 18.05.1923 in Nürnberg, am 02. Mai des Jahres bei Dranske aus ungeklärten Gründen tödlich abgestürzt ist. Er wurde auf einem Rasenstück an der Ablaufbahn beigesetzt.
(Originaldokument im Archiv Marinehistorisches- und Heimatmuseum Dranske-Bug)

In anderen Berichten zu diesem Ereignis gibt es widersprüchliche Aussagen zum Hergang und zum Zeitpunkt der Tat und des Absturzes, so unter anderem auch bei Flugkapitän Karl Born.

39 Jahre später
Dranske Sommer 1984
Ingo Heyde und Thomas Förster entdecken beim Schnorcheln vor der Küste von Dranske Reste eines Flugzeuges. Bei intensiverer Suche fanden die Taucher im Umfeld von ca. 40 m eine Menge Wrackteile, darunter drei Motoren mit Resten der Luftschrauben, Munitionskisten, Teile von Tragflächen, Kraftstofftanks und elektrische Bauteile. Der Munitionsbergungsdienst wurde verständigt und die Fundstelle genau abgesucht. So wurden fünf Munitionskisten a 50 kg abgeborgen. Nun setzten die Dransker Taucher ihre Erkundung unter Wasser fort. Bauteile mit deutscher Beschriftung, eine deutsche Signalpistole sowie eine Bierflasche der Stettiner Elysium Brauerei waren Hinweise auf eine deutsche Maschine des 2. Weltkrieges. Zur besseren Bestimmung beschlossen die Taucher, den aus einer Aluminiumlegierung bestehenden mittleren Verstellpropeller zu heben.
Im Juli 1985 war es dann soweit, der etwa 200 kg schwere Propeller nebst Getriebe wurde an einen luftleeren Traktorreifen befestigt, der unter Wasser mit einer Luftflasche aufgeblasen, den Propeller anhob und zur Wasseroberfläche brachte. Ins seichte Wasser getrieben konnte so der Propeller durch vier Mann an Land gebracht werden.
Folgende Teile wurden gehoben: fünf Kisten MG-Munition (1984)
sechs Akkumulatoren (1984)
ein Verstellpropeller (1985)
eine Bierflasche einer Stettiner Brauerei (1985)
Teile der Kanzel (1985)
Motorenteile (1985)
Kompakte elektrische Bauteile in Kastenform (1985)

Nach der Bestimmung des Propellers handelte es sich um ein Flugboot BV 138 C-1.
Die Fundstelle wurde mit rund 900 m² kartiert, das Flugboot war völlig auseinander gebrochen.
Mitglieder der Sektion Tauchen Dranske, die maßgeblich an der Bergung beteiligt waren sind U. Kob, H. Gerstenberger, L. Dippe und Th. Förster. Der Propeller wurde dem Armeemuseum Dresden / Potsdam angeboten aber er wurde nicht gebraucht. So sicherte W. Müller, Mitglied im Arbeitskreis Schifffahrts- und Marinegeschichte den Propeller, um ihn zu konservieren.

1988 Dranske
Am und im Haus der Nationalen Volksarmee (HdNVA) Dranske wurde eine Ausstellung der Gruppe Unterwasserarcheologie organisiert und so wurden der Propeller und die einzelnen Teile der Öffentlichkeit präsentiert. Diese Ausstellung stand bis 1991, als Im Rahmen der Übernahme der NVA in die Bundeswehr auch diese Teile eine Rolle spielten. Den Propeller beanspruchte das MFG 5 in Kiel-Holtenau, die kleineren Teile gingen an das Marinemuseum Dänholm bei Stralsund.

2012 Dranske
Im August 2012 wurde im Rahmen des Umzuges des MFG 5 nach Nordholz, der Heimatverein Dranske informiert, dass der Propeller eventuell wieder nach Dranske zurück könnte. Seit Mai 1999 gab es ja das Marinehistorische- und Heimatmuseum Dranske-Bug. Telefonate mit den Verantwortlichen des Offizierswohnheimes in Kiel brachten Erfolg, der Propeller sollte wieder nach Dranske. Am 22.02.2013 startete ein Zweimannteam von Dranske nach Kiel, um mit einem von einem in Dranske ansässigen Unternehmen geliehen FIAT Ducato, offene Pritsche, den Transport zu sichern. Bei widrigsten Winterbedingungen zwischen Rügen und Höhe Wismar erfolgte die Hin- und Rückfahrt. Der Aufbau am Museum wurde mit der Kommune abgestimmt und am 01.06.2013, genau 100 Jahre nach der
Gründung der deutschen Marineflieger, in der Öffentlichkeit eingeweiht. Da steht dieser Propeller und soll stellvertretend an alle Marineflieger erinnern, die in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben verloren.
Am 01.06.2013 nahm an der Einweihung des Denkmales in Dranske auch der Ehemann von Inge Bauer, Tochter des Leutnants Bauer, aus Kopenhagen teil. Ole Mikkelsen, Sohn einer dänischen Widerstandsfamilie heiratete die Tochter eines fanatischen Nationalsozialisten. Das wäre im Krieg nie möglich gewesen. Ole Mikkelsen bedauert, dass seine Frau dieses Ereignis nicht mehr erleben konnte, sie verstarb leider Anfang 2013. Aber er ist der Meinung, dass diese Art der Geschichtsaufarbeitung in Dranske gut ist und er hofft, dass es nie wieder zu militärischen Konflikten in Europa oder gar der Welt in solchen Ausmaßen kommt.

1944 OFw. Emil Leisenberg (3).jpg
Ltn. Erich Bauer, Pilot (5).jpg

1985 Bergung des Propellers.jpg
1988-1991 HdNVA Dranske.jpg

1991-2013 Kiel Holtenau.jpg
2013 Standort vor Museum Dranske.JPG

So hat also jedes Bild seine Geschichte. Ich hoffe Ihr hattet etwas Unterhaltung und Ablenkung von den täglichen Problemen.
Schönes Wochenende und bleibt gesund
:ahoi: Eddy
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Re: Maritime Geschichte und Unterwasserarchäologie Rügen

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Beitragvon Dietrich Lücke » Samstag 16. Januar 2021, 00:33

Lieber Eddy,

vielen Dank für die Aufbereitung, Bebilderung und Kommentierung der Schiffsunglücke in der Nähe der Insel Rügen. Zur Vervollständigung der Beschreibung kommt hier noch der handschriftliche Text auf der Postkarte mit der Bark "Skiold": "Lieber Bruder, den besten Glückwunsch zum Geburtstage sendet dir deine Schwester Alma". Es folgt mit anderer Hand: "Prost Rudolf". Das hat zwar nichts mit den verunglückten Schiffen zu tun, ist aber vielleicht für das Museum bzw. für die Inventarisierung von gewisser Bedeutung.

Gruß, Dieter



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Re: Maritime Geschichte und Unterwasserarchäologie Rügen

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Beitragvon Eddy » Samstag 16. Januar 2021, 10:53

Danke Dieter,
ist notiert.
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