Schleppgeschirr

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Schleppgeschirr

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Beitragvon Torpedomechaniker » Donnerstag 13. Januar 2011, 23:22

Hallo,
hat hier irgendjemand noch eine Ahnung,wie das Schleppgeschirr
unserer 62iger aussah?
Ich weiß nur noch,daß es die Form etwa eines Dreiecks hatte und
die beiden Enden der Back-und Steuerbordleinen in eine Leine endeten
welche dann zum Schlepper ging.
Vielleicht weiß ja noch jemand genau wie das Ding genau aussah.
Ich kann mich nur noch daran erinnern,daß das Geschirr recht lang war.
Gruß Fred v.d.H97



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Re: Schleppgeschirr

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Beitragvon Bootsmann H-91 » Montag 24. Januar 2011, 18:09

Hallo Fred,
Da kann ich vielleicht weiterhelfen!
Das Schleppgeschirr kann ich Dir auch heute noch wirklich bis ins Einzelne beschreiben, denn ohne diese spezielle Leinenverbindung konnte das Wohnschiff ja nicht verlegt werden. Als ich 1969 an Bord von H-91 kam hatten wir zwei Arten von Schleppgeschirren, die dann beim Seeklarmachen auf der vorderen Arbeitsbühne bereitgelegt wurden.
Beide Schleppgeschirre hatten einen großen Ring (Durchmesser ca. 30 cm) aus spezielllem Stahl mit Zugfestigkeits-Zertifikat. In diesen Ring wurden entweder
zwei 15 Meter lange Stahltrossen (mindestens 16mm stark) eingespleißt (oh,oh, das war eine Knochenarbeit!) oder zwei 60-er Dederontrossen (60 mm stark) eingespleißt. Die freien Enden der Trossen wurden dann auf den großen Doppelkreuzpollern an der Backbord- und Steuerbordseite belegt. Wie du es richtig in Erinnerung hast, war das ausgebrachte Schleppgeschirr dann wie ein großes Dreieck. An der vorderen Spitze befand sich besagter Stahlring und mit einem großen Schäkel wurde dann die eigentliche Schlepptrosse des Bugschleppers daran festgemacht.
Es gab also die Variante-1 mit Stahltrossen oder die Variante-2 mit Dederontrossen.
Die Variante-1 (mit Stahltrossen) wurde immer dann verwendet wenn das Schiff im Hafen verholt oder bei Revierfahrten geschleppt wurde. Durch den geringeren Reck der Stahltrossen reagierte das Schiff dann schneller auf die Schleppermanöver beim An- und Ablegen und bei Kursänderungen. Die Reedeschlepper hatten die Möglichkeit während des Schleppvorganges ihre Schlepptrosse per Winsch(Trossenwinde) kurz oder lang zu fahren.
Bei längeren Seetörns mit dem Wohnschiff (z.B. bei Überführungen zur Werft oder in andere Flottillen) wurde dann das Schleppgeschirr mit den Dederontrossen ausgebracht, die Reaktion des Schiffes war dann beim Schleppen weicher und die Gefahr des Brechens der Dederonleine ist nicht so groß wie bei Stahltrossen.
Bei Brückendurchfahrten in Wolgast oder in Stralsund (Ziegelgrabenbrücke) wurden übrigens vorn und achtern je ein Schleppgeschirr ausgebracht. Wärend der Bugschlepper das Schif in das Leitwerk der Brückendurchfahrt hineinzog hielt der Heckschlepper mit dem Heckschleppgeschirr die Längsrichtung so gut es bei den jeweiligen Windverhältnissen ging. In Wolgast kam es bei uns damals zu insgesamt zwei Leitwerksberührungen, auch mit dem Bruch des vorderen Schleppgeschirrs.
Wenn wir ein Dederon-Schleppgeschirr fuhren, lag das Stahltrossen-Geschirr immer als Reserve bereit.
Die Schleppgeschirre wurden regelmäßig gewartet und auf ihren Zustand überprüft, sie waren ja neben den 4 Ankern unsere einzige "Lebensversicherung", wenn es auf die Ostsee hinausging. Ich glaube, ich habe damals insgesamt 5-6 mal neue Trossen eingespleißt.
Ich hoffe, das ich Dir ein wenig weiterhelfen konnte. Bis bald mal wieder

:ahoi: Bootsmann H-91
05/1969 - 03/1970 Flottenschule Parow (1.Lehrg.,U113, Signal)
07.10.1969 Teilnahme an Ehrenparade NVA zum 20.Jahrestag der DDR
03/1970 - 04/1979 6.Flottille, 1.RSA/1.RTSB,
Schw.Stpkt. H-91, Oberbootsmann,
Fähnrich d.Res.
05/1979-05/1991 Kriminalpolizei, Kriminalhauptkommissar
01/1993-03/2013 Wachschutz,
04/2013 Rentner



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Re: Schleppgeschirr

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Beitragvon Torpedomechaniker » Dienstag 25. Januar 2011, 21:56

Hallo Hans,
ersteinmal vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung
des Schleppgeschirr´s.Jetzt wo du es beschrieben hast,kam
mir die Errinnerung wieder mit dem Ring.
Was ich gar nicht gewußt habe ist die Tatsache, daß der Ring
bezüglich der Bruchfestigkeit zertifiziert sein mußte.
Ehrlich gesagt habe ich auch damit gerechnet,daß du mir
meine Frage beantwortest.
Und weil es so gut geklappt hat,gleich noch eine Frage
hinterher.Habt ihr die H91jemals vom Ruderhaus mal gesteuert?
Das soll ja eine richtige Schinderei gewesen sein.
Wurde bei uns auf dem Wohnschiff kurz mal probiert.
Wenn wir mal ausgelaufen sind,war Steuerbordachtern
immer ein Schlepper zum steuern und schieben dabei.



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Re: Schleppgeschirr

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Beitragvon Bootsmann H-91 » Samstag 29. Januar 2011, 06:05

Torpedomechaniker hat geschrieben:Habt ihr die H91jemals vom Ruderhaus mal gesteuert?
Das soll ja eine richtige Schinderei gewesen sein.
Wurde bei uns auf dem Wohnschiff kurz mal probiert.
Wenn wir mal ausgelaufen sind,war Steuerbordachtern
immer ein Schlepper zum steuern und schieben dabei.


...Joi,haben wir auch versucht,! Ich habe dazu einen umfangreichen Beitrag im Forum eingestellt! Schaue mal bitte unter "Backskiste"/"seem.Fachsimpelei"/"Navigation"/"Kompensierdalben"/auf Seite 7 nach, dort findest Du die Beiträge dazu:
:guckstduhier: -> -> -> Re: Kompensierdalben

Übrigens haben wir uns später manchmal damit einen Jux mit den neu an Bord gekommenen Jungs gemacht. Wenn wir dann mal auf See waren, haben wir sie oft im Ruderhaus an das riesige Steuerruder gestellt und ihnen befohlen "Kurs zu halten", was natürlich kaum zu schaffen war.
Zur allgemeinen Belustigung haben es die "Rudergänger" dann versucht, im Schweiße ihres Angesichts den Befehl auszuführen.
:totlach:
Ehrlicherweise muß ich aber auch zugeben, das es Einige sogar recht gut schafften "geradeaus zu steuern". Der Trick war dabei: Man musste nur etwas Gefühl dafür haben es voraus zu ahnen, wann das Wohnschiff an der oft bis zu 5 kbl ausgefahrenen Schlepptrosse begann sich zur entgegengesetzten Seite zu versetzen, dann musste man aber auch schon anfangen Gegenruder zu geben. Da eine Reaktion des Wohnschiffs nur sehr langsam und träge erfolgte, konnte man sowieso nur mit Hartruderlagen etwas erreichen - was natürlich bei der Schwergängigkeit des Rudergestänges dann in e c h t e A r b e i t ausartete!
Diese Späße mit den "Neuen" machten sogar die Kommandanten mit, denn auch sie hatten es ja meist vorher selbst versucht und amüsierten sich nun, zusammen mit allen Anderen, über die Schlangenlinie des Heckwassers hinter dem Schleppzug.
Das Ganze war natürlich nur im freien Seeraum möglich, auch das Wetter musste entsprechend gut sein und mitspielen.
So, das war's mal wieder
Bootsmann H-91

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