Winter 1967/68 und andere

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon Titus052 » Mittwoch 2. Februar 2011, 00:03

Am Anfang war noch alles harmlos, doch dann hieß es,es werden Afrikaner in Parow ausgebildet!Dann war es soweit, etwa 50 schwarze Offz.-Anwärter ausTansania sollten ausgebildet weden. Die Jahreszeit war wohl etwas ungünstig für die Kameraden vom warmen Kondinent. Schnee kannten die nicht und der kam aber reichlich vom Himmel. Jeder tanzte um eine Schneeflocke herum, das Chaos war herrlich anzusehen, da sie immer versuchten im Gleichschritt zulaufen, welcher bei normalen Bedingungen für die Armen schon schwierig war, zu halten. Die Kameraden aus Afrika waren nicht lange bei uns. Im Frühjahr 1968 waren sie weg und durften 2 TS-Boote mit deutscher Freiwilligenbesatzung mitnehmen. Die Boote, weiß nicht mehr von der 4. oder 6.wurden dann in Rostock auf einen Frachter verladen und nach Tansania verschifft. Für uns ging der Winter weiter, ich glaube einer der härtesten überhaupt. Es ist schwierig nach so langer Zeit sich genau noch zu erinnern. Die Straße nach Stralsund war total zugeweht. Alles raus, die Sraße muß freigelegt werden. Es war schon eine Plage aber am Ende haben wir es doch noch geschafft. Es kam schlimmer,das gesamte Objekt war plötzlich ohne Strom, ohne Wasser und ohne Heizung. Wir wurden kalt verpflegt. Lungerten auf den Kojen rum, dick angezogen, als es hieß wir besteigen einen Personenzug, der von Sralsund nach Rostock fährt. Sollte derZug im Schnee stecken bleiben müssen wir raus und den Zug freischaufeln. Naja dachten wir son´ bisschen Schnee unter den Räder freikratzen, aber wir wurden eines Besseren belehrt. Es kam ganz schlimm. Als der Zug stehen blieb, sind wir raus, unser Zug haute rückwärts ab und wir standen in einer Schneewüste, die ganze Kompanie. Vor uns in einer Schlucht völlig zugeweht, etwa 4 Meter hoch, links und rechts verschneiter Acker. Die Waggons waren schon weg, nur noch die Puffer schauten raus. Wir haben wie die Irren geschaufelt. Die Temperatur war weit unter Null, kurzes Ausruhen war gfährlich, denn der Schweiß ist gleich am Rücken angefroren. Die Bändsel der Kapuze waren ein Eisklumpen. Es gab keine Möglichkeit zum wärmen. Über vier Etagen weg haben wir den Zug freigeschippt. Ich habe das erstemal Soldaten weinen gesehen. Mit Sicherheit sind einige auch vor Erschöpfung umgefallen, doch wir konnten nicht stehen bleiben, ich glaube wir wären angefroren.



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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon Eddy » Mittwoch 2. Februar 2011, 10:21

Hallo Jürgen,
ein nicht so altes Thema, der Winter. Über den 1967/68 kann ich nicht mitreden, den habe ich noch im heimatlichen Sachsen als Lehrling erlebt. Aber aus der Geschichte weiß ich über dessen Ausmaße. Erlebt habe ich den 1978/79, den 1986/87 und die letzten beiden, die eigentlich ganz normale Winter waren aber der ständige starke Wind machte sie zur "Katastrophe". 1978/79 ging dem Schnee ein starker Frost voraus, der die Bodden- und Küstengewässer zufrieren ließ. Da hatte der Ostwind hervorragende Gleitflächen für den fallenden Schnee. Fazit: der Schnee legte sich dort ab, wo Kuhlen und Senken waren, das waren Straßen und Wege. Wenn daran denke, das die Fahnenmasten am KDL Bug nur noch ca. einen Meter aus dem Schnee rausguckten, da lagen etwa 4,5 m aufgewehter Schnee. Der Wind ließ vom 28.12.78 bis etwa 07.01.79 nicht nach, der Schnee kam ab 31.12.78 dazu. Um die Technik der Dienststelle (schwere Kfz) zum Einsatz zu bringen haben wir umschichtig vier Tage vom Bug bis Dranske gebraucht, um einen gewissen Räumgrund für die Technik zu erreichen. Die Tartas 813 sind in Ufernähe über das Eis vom Bodden gefahren. Von Dranske startete eine Gruppe Uniformierte mit Ski und Schlitten über das Eis vom Bodden zum Bäcker nach Wiek, um Brot für Dranske zu holen. Die Kettenfahrzeuge der CA von Rehbergort fuhren die vielen kleinen Orte jenseits der Hauptstraße ab und halfen. Auch auf Rehbergort wurde Brot gebacken und nach Dranske geliefert. Die Dienststelle selbst hatte genug Reserven an Verpflegung und das half natürlich auch mit. Mitten drin im Geschehen haben wir alles verflucht aber heute kann man erzählen was für Helden wir waren. Menschenverluste gab es leider aber in sehr kleinen Zahlen.
Übrigens die drei 183er, die mit nach Tansania gingen waren 183/8, 183/11 und 183/13, trugen alle 60er Nummern, waren also von der 6. TSA.
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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon wozan » Mittwoch 2. Februar 2011, 11:46

Titus052 hat geschrieben:... dann hieß es,es werden Afrikaner in Parow ausgebildet!Dann war es soweit, etwa 50 schwarze Offz.-Anwärter ausTansania sollten ausgebildet weden. ( ... ) Im Frühjahr 1968 waren sie weg und durften 2 TS-Boote mit deutscher Freiwilligenbesatzung mitnehmen. Die Boote, weiß nicht mehr von der 4. oder 6.wurden dann in Rostock auf einen Frachter verladen und nach Tansania verschifft.

Moin Jürgen,

nur mal ganz beiläufig, auch um nicht schon wieder ein Thema off topic zu führen ...

Im Forum der 4.Flottille hatten wir im August 2009 zu den nach Tansania verschifften 183er
einen Thread -> -> -> Tansania - Schwalben, wo ich auch ein paar Privatfotos vom Transport der TS-Boote auf der MS Meyenburg zeigen durfte. In der Mail, mit welcher ich diese Fotos erhielt, wird auch deine "Freiwilligenbesatzung" erwähnt, welche allerdings nur aus drei Mollys bestanden haben soll und wohl eher aus dem GA VII rekrutiert wurde ...

Triebwerkskontr.jpg
P 6 Meyenbg.jpg
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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon Titus052 » Mittwoch 2. Februar 2011, 12:51

Ich danke Dir Wofgang für die Fotos u. den Hinweis. Übrigens GA 7 wäre auch mal ein Thema, oder?



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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon Foxderringer » Mittwoch 2. Februar 2011, 15:42

Hallo Seemänner !Ich habe den Winter 67/68 in der 4. TSA verbracht und kann mich an solche katatstrophalen Zustände überhaupt nicht mehr erinnern, fehlt mir da irgend etwas ? Gruß Foxderringer :berlin:
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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon Sir Henry » Donnerstag 3. Februar 2011, 00:23

Nur kurz,

für "Foxderringer" , unsere Gruppenfüher und Ausbilder, sie waren Einstellung II/67, haben uns von den schweren Winter in Parow erzählt.
Von dem freigeschippten Zug und den Entbehrungen.
Es wurde auch erzählt von der Strecke Stralsund/Greifswald, wo alle auf der E-Lok standen, immer Schnee beseitigen, dann wieder ein Stück fahren, wieder runter von der E-Lok usw.

Gab es nicht sogar dafür eine große Auszeichnung (MMA/Parow)? Also ich kann Titus052 in seinen Schilderungen nur beipflichten.

Kann vielleicht sein, dass ihr nicht im Einsatz ward, weil KK I ?
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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon epilog » Donnerstag 3. Februar 2011, 08:38

... also Henry, E-Lok kann wirklich nicht sein!
Die Strecke Stralsund - Greifswald (bis Angermünde) wurde erst Ende der 80-er Jahre elektrifiziert.
Da scheint Dir Deine Erinnerung einen Streich zu spielen. :heee:



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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon sperrgast336 » Donnerstag 3. Februar 2011, 17:17

Eddy hat geschrieben:Hallo Jürgen,
Erlebt habe ich den 1978/79, den 1986/87 und die letzten beiden, die eigentlich ganz normale Winter waren aber der ständige starke Wind machte sie zur "Katastrophe". 1978/79 ging dem Schnee ein starker Frost voraus, der die Bodden- und Küstengewässer zufrieren ließ. Wenn daran denke, das die Fahnenmasten am KDL Bug nur noch ca. einen Meter aus dem Schnee rausguckten, da lagen etwa 4,5 m aufgewehter Schnee. Der Wind ließ vom 28.12.78 bis etwa 07.01.79 nicht nach, der Schnee kam ab 31.12.78 dazu. Um die Technik der Dienststelle (schwere Kfz) zum Einsatz zu bringen haben wir umschichtig vier Tage vom Bug bis Dranske gebraucht, um einen gewissen Räumgrund für die Technik zu erreichen.
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:hello: Hallo Eddy .......mein Beitrag zum Katastrophenwinter 1978/79

Der Winter 1978/79 war für den Küstenbereich eine Katastrophe .......in Thüringen lag kein Schnee aber dafür schneite es an der Küste
ununterbrochen .Dazu kam noch ein starker Wind der schnell die Straßen verwehte....ohne Armee ging an manchen Stellen gar nichts mehr.
Die Schifffahrt wurde eingestellt und Rügen war abgeschnitten ...aus der damaligen Zeit hab ich noch das Katastrophenblatt und daraus mal hier zum Thema ein paar Abschnitte ....unsere Abteilung 3.MSR ,lag damals in Warnemünde und wir waren Tag und Nacht im Einsatz oder besser gesagt ,an der Schneefront !Gerade im jetzigen Winter hat man öfters Bilder vom Winter 78/79 ,im Fernsehen gesehen.

Auszüge aus dem Katastrophenblatt
Winter 7-79 Küste.jpg
Winter 7-79 Küste (1).jpg


{Bilder in Tabelle eingefügt - Eddy]
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Zuletzt geändert von sperrgast336 am Donnerstag 3. Februar 2011, 20:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon Eddy » Donnerstag 3. Februar 2011, 19:17

hier mal ein Paar Fotoimpressionen aus dem Winter 78-79 von Dranske und Bug
Winter 78-79 01.JPG
Winter 78-79 02.JPG
Winter 78-79 03.JPG

Winter 78-79 06.JPG
Winter 78-79 07.JPG
Winter 78-79 09.JPG

Winter 78-79 04.JPG
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Re: Winter 1967/68 und andere

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Beitragvon sperrgast336 » Donnerstag 3. Februar 2011, 21:00

Abschnitt Winter 1978/79
Tolle Bilder Eddy :daumen: nichts zu sehen außer Schnee und das Militär , passen natürlich zu den Abschnitten aus dem damaligen Blatt !
Es sah an der Küste überall so aus ...ich hatte gerade Urlaub und für meine Rückreise in die 4.Flottille hatte ich fast 3 Tage gebraucht ..
Die Züge waren regelrecht mit Reisenden und Militär überfüllt und auch auf offener Strecke öfters eingeschneit ...es war der Wahnsinn

Chaos -Winter 197-79.jpg


Chaos -Winter 197-79 (1).jpg
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