Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon stolteraa » Donnerstag 13. März 2014, 17:46

Hannes 53 hat geschrieben:Unter Deiner Führung habe ich die 206-er richtig fahren gelernt.

Hallo Hannes,
ich freue mich sehr über deine Reaktion, wußte sofort, als ich deine ersten Beiträge las, wer da schreibt. Mit dem o.g. Satz denkst du vielleicht nicht nur an deine eigenen Erlebnisse, sondern vor allem, wie wir gemeinsam deinen IWO 1979 zur Kmdt-Prüfung getrimmt haben, damit du im Winter 1979/1980 von Saßnitz aus auch ab und an mal nach Hause durftest.

[Beitrag neu thematisiert und aus "An-Bord-Meldung abgetrennt. Thommy206]



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[2 / 377]

Beitragvon TSB-Fan » Donnerstag 13. März 2014, 21:06

Hallo Stolteraa,

1980 kam ich als junger Ltn. in Deine Abteilung zu Hannes an Bord. Er hat schon recht, damals konnte
man noch Schnellbootfahren lernen. Obwohl ich zuerst nicht von TS begeistert war hat sich das in
kürzester Zeit geändert und ich bin zum FAN geworden.
Schön das Du jetzt hier im Forum angekommen bist.

Alles Gute und viel Spaß
Roland
Je mehr die Historiker über die DDR schreiben,
um so mehr glaube ich an die Existenz von Paralleluniversen!



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[3 / 377]

Beitragvon rainertheo » Samstag 15. März 2014, 10:00

Hallo Stolteraa,

herzliche Grüße auch von mir. Haben uns in den 70er Jahren kennengelernt, sind auch einige Male mit dem Auto zusammen nach Wolgast und zurück gefahren. Die 852 lag damals in der Peenewerft. Dein Politstellvertreter war Frank Schulze.
Ich war von 76 an Torpedooffizier in der 7.LTSB , Gustav Bock in der 1., Paul Nestmann in der 5. und Steffan Höhndorf in der 9. Brigade.
rt



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[4 / 377]

Beitragvon stolteraa » Samstag 15. März 2014, 16:13

Thommy206 hat geschrieben:...Na, da bin (wahrscheinlich nicht nur) ich aber gespannt, was dann in der "Backskiste" im Thema "ut de Marinetied" spannendes aus vergangenen Dienstzeiten zu lesen gibt...


Um aber das Stichwort "Backskiste" als Aufhänger zu nehmen, folgendes Erlebnis dazu:
Es war Mitte der 70er, wir lagen im Stützpunkt und mir wurde befohlen, eine Besichtigung für "verdienstvolle Persönlichkeiten" vorzubereiten. Solche Besichtigungen waren wir gewohnt, viel war nicht zu tun und ich wollte nur noch wissen, ob ich viele Fakten sagen oder nur viel reden sollte. Das letztere war der Fall.
Dann kamen die "Verdienstvollen": ca. 20 Studentinnen der Uni Jena, die in Glowe im GST-Lager waren. Wir teilten die Truppe, der IWO begann achtern, ich im Vorschiff mit dem Durchgang. Als wir im Offz.Deck ankamen, wollten die Mädchen natürlich auch die Kmdt.-Kammer sehen und dann fragte eine, ob sie auf der Koje 'mal probeliegen dürfe - sie durfte. Alle anderen beneideten sie - bis zu dem Moment, in dem ich ihr erklärte, dass sie auf der Matratze, auf der sie sich gerade ausstreckte, ganz beruhigt schlafen könne, weil darunter nur ca. 2 Zentner Sprengstoff sowie einige Hundert Schuß Munition lagerten. Es war, als ob unsere Bootssprengsätze und die Handfeuerwaffenmunition, die tatsächlich darunter lagerten, in diesem Moment in die Luft gegangen wären, so schoss die Studentin von der Koje hoch, ziemlich blass im Gesicht. Danach wollte niemand mehr Probeliegen.



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Beitragvon stolteraa » Samstag 15. März 2014, 16:21

rainertheo hat geschrieben:Hallo Stolteraa,
... Haben uns in den 70er Jahren kennengelernt, sind auch einige Male mit dem Auto zusammen nach Wolgast und zurück gefahren. Die 852 lag damals in der Peenewerft. ...
rt


Danke für deine Grüße rainertheo, ich kann mich zwar daran erinner, dass du ab und an mitgefahren bist, aber - entschuldige b itte - ich habe momentan kein wirkliches Bild von dir auf meiner Festplatte.
Nur der Ordnung halber, damit keine Unruhe bei den Statistikern aufkommt, eine Korrektur: ich lag 1975 mit der 813 in der Werft, die 852 übernahm ich erst 1979. Gruß stolteraa



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Beitragvon stolteraa » Samstag 15. März 2014, 16:57

hage932 hat geschrieben:... Endlich mal wieder einer, der seine Wurzel bei den Schnellsten der Ostsee hatte. ...


Ja, das kann man wohl sagen - und es war meine sehnlichster Wunsch, Schnellboot zu fahren. Wir kamen mit 15 oder 18 Mann - genau weiß ich die Zahl nicht mehr - im Hochsommer zu unserem letzten Praktikum vor der Ernennung in die LTS-Brigade. Natürlich war auf dem Wohnschiff kein Platz für so viele Leute. Deshalb wurden wir im Stützpunkt, in dem Gebäude der Stabskompanie, in einem großen Gemeinschaftssaal in Doppelstockkojen untergebracht, aßen morgens und abends in der O-Messe des Stützpunktes. Nach dem Frühstück ging es an Bord zur theoretischen und praktischen Ausbildung. Dabei erfuhren wir auch, dass - im Zeitalter moderner Nachrichtentechnik - der optische Signalverkehr, also das Winken mit Flaggen und Morsen mit der Vartallampe (oder Scheinwerfer) von gravierender Bedeutung und für unsere Kmdt.-prüfung äußert wichtig sei.
Was machten wir also: Wir schnappten uns jeder ein Signalbuch, genügende Anzahl an Winkflaggen und mehrere Klappbuchsen (kleinere Handscheinwerfer) und dann ging es in Turnhose in das Gelände zum Sonnen und Lernen. Selbst abends in der Koje wurde durch einen von uns mit derr Klappbuchse an die Zimmerdecke geblinkt und so lasen alle mit und übten sich abwechselnd im Geben und Lesen. Das Ergebnis liess nicht auf sich warten: An einem Tage fand eine Überprüfung der LTS-Besatzungen in opt. Signalverkehr statt, nachmittags mit Flaggen. Wir Offz.schüler natürlich mittendrin bei unseren Besatzungen - wir lasen nahezu alles. Zur Abendmusterung wurde bekannt gegeben, dass Nachtausbildung stattfände. sofort kamen unsere Besatzungsangehörigen und baten, wir sollten doch dazu mitkommen - wir würden doch so gut lesen und könnten ihnen dabei helfen.
Um der Wahrheit - und unseren Ausbildern an der Schwedenschanze - die Ehre zu geben. Wir hatte schon dort den besten Lehrer im optischen Signalverkehr, den man sich denken konnte: Stb.Ob.Mstr. Geertz, der ständige Sieger aller Volksmarinewettstreite. Das Training mit Ziegelsteinen statt Winkflaggen in den bloßen Händen im Winter zeigte Ergebnisse.
Bei den späteren Seefahrten lernten wir die Notwendigkeit der Beherrschung dieser Nachrichtentechnik wegen des Ausfalls der UKW – Stationen kennen.



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Beitragvon rainertheo » Samstag 15. März 2014, 17:02

Hallo Stolteraa, hast natürlich Recht mit der Bootsnummer-habe im 9.Block Aufgang 4 gewohnt, Du glaube ich im 1. Aufgang.
Ich war 75 mit der Übernahme der KTS-Boote beschäftigt, im Februar mein eigenes 991 und nach der Grundberührung der 995 in der Tonnenbankrinne habe ich bei mehreren Booten die Werfterprobung fahren müssen. rt



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[8 / 377]

Beitragvon Sir Henry » Sonntag 16. März 2014, 01:00

grüß dich Stolteraa,

ich schaffe es gar nicht all deine interssanten Beiträge zu lesen.

Ich wollte schon lange auf deinen Hinweis auf Obermaat Bestgen antworten. Und auf den Gruß zu "Ißi".
Die stelle ich dann zu dem jeweiligen Boot ein.
Habe heute mit Werner B. telefoniert, wegen der Fahrt nach Dranske.

Alles interessant, endlich geht es wieder mal um Marine.
Gruß Sir Henry
05/68-03/69 Parow, Funkmess, Lehrgang U 132
03/69 6.Flottille/TSB /6.TSA/4.TSA/6.TSA
12/71-04/72 3.RTSB
TS-Boot 206/02 206/07 206/10
Funkmess Maat IV-2-1
Obermaat d.R.



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[9 / 377]

Beitragvon br.roebel » Sonntag 16. März 2014, 20:42

Hallo Stoltera,
bin bisher im Forun ein wenig umhergeirrt, aber als ich heute, dieses von dir eröffnete Thema gelesen habe, dachte ich bei mir, was hast du deinen Bekannten, Freunden und Familie immer zum Besten gegeben "Erlebnisse aus meiner Dienstzeit". Fazit hier bin ich richtig.
Habe mir vorgenommen, mal einige dieser Geschichtchen aus dem Gedächtnis hervorzukramen und zum Besten zu geben. Manch einer wird Sie belächeln, ein anderer aber sagen, daran erinnere ich mich auch noch.
Will mal gleich mit so einer Episode anfangen.
Als ich im Nov.68 eingezogen wurde ,Sammelstelle, das zuständige WKK , Aufteilung auf die entsprechende Waffengattung und Abmarsch zum Bahnhof.
Irgendwann am späten Abend, Ankunft Bahnhof Stralsund Rügendamm. Alle auf LKW und zum Objekt Parow. Vollzähligkeitsappel und Einweisung in die Unterkunft.Die gesamte Einberufung dauerte 3 Tage, die zuerst eingezogen, so wie ich, wurden zu Arbeitsdienten eingeteilt. Für mich der Befehl : Sie melden sich in der Küche", gesagt, getan. In der Küche empfing mich ein Stabsobermeister ,welche Bedeutung dieser Rang in der Hirachie hatte, lernte ich erst später. Durch sein Auftreten, der Tonart, war er für mich General. Dann die erste Ansprache mit folgenden Worten:"Bei den Soldaten gibt es drei Arten von Feuer 1.Dauerfeuer 2.Einzelfeuer 3. Wendefeuer und das währe Er und ich solle mir dass gut merken!
Dann kam die Frage nach meinem Namen und wo ich herkäme?
Ich antwortete entsprechend und als ich sagte, ich bin aus der Teterower Gegend, wurden seine Augen groß. Mit der Bemerkung, "als Mecklenburger ist die" Schwarzwäsche", die richtige Aufgabe. Also den ganzen Tag,mit Handbürste in heißem Wasser die großen schwarzen Kochtöpfe schrubben.Sändig Kontrolle über das "Schrubbergebnis" und nochmal von vorne, wenn er nicht zufrieden war, das war ein Einstieg!
Drei Tage vorher hatte ich noch bei meinem Chef, in der gemütlichen Elektrobude gesessen und nun Dieses! Da kamen mir natürlich die ersten Zweifel auf, ob es richtig war, mich für drei Jahre zur Marine zu verpflichten. So war mein Einstieg in den Marinealltag.

Bruno



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[10 / 377]

Beitragvon stolteraa » Montag 17. März 2014, 18:44

Schnellboot fahren oder fliegen - was wird das nun?

Über unser Bordpraktikum bei LTS habe ich schon berichtet. es war ungemein interessant und erlebnisreich - bis hin zur Kmdt.-prüfung, die wir aber alle ohne größere Probleme bestanden, schließlich hatten wir uns gut vorbereitet. Einer unserer Ausbilder war Ltn. Möller.
Noch bevor wir wieder an die Schanze kommandiert wurden, erhielten wir eines Tages den Befehl, uns für eine mehrtägige Dienstreise fertig zu machen. Ich glaube, wir waren 12 oder 15 Mann, die dann einen Dienststellenbus bestiegen und dann ging es los: wir fuhren und fuhren und... Nachmittags hatten wir unser Ziel erreicht und stiegen in Königsbrück in einer für uns undefinierbaren Dienststelle aus - hungrig wie die Löwen. Es wurde an diesem Tag ein tolles Erlebnis und wir lernten den Verpflegungssatz der LSK/LV kennen. Das Mittagessen wartetet noch auf uns, dann Unterkunft beziehen und wir erfuhren, dass für uns am kommenden Morgen mit den Untersuchungen auf Flugtauglichkeit begonnen würde. Wir alle waren ziemlich ratlos, schließlich wollten wir alle Schnellboot fahren und keine Piloten werden.
Es folgten jede Menge Untersuchungen,die für mich unangenehm begannen: der erste Arzt, ein bereits älteres Modell, knurrte mich bei meinem Erscheinen an: "Was wollen sie denn hier?" Ich bin überzeugt, ich antwortete ziemlich kleinlaut, dass ich zur Untersuchung hier wäre. Sofort kam die Reaktion: "Schwester, tragen Sie ein - Untauglich, Übergröße!" Die anderen Untersuchungen waren problemlos - bis zur Unterdruckkammer. Dort wurden wir gefragt, ob wir erkältet wären, was wir alle verneinten. Dann folgte die Belehrung, dass wir uns bei Besonderheiten über ein Mikrofon melden sollten.Während des Aufstiegs auf 10.000 m ging alles gut, dann kam der Sturzflug nach unten und es begannen fürchterliche Schmerzen in den Ohren. Ich fragte meinen Nachbarn, ob er auch Ohrenschmerzen hätte, worauf er nickte. Kurz darauf wurden die Schmerzen unerträglich - und als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Fußboden vor der Unterdruckkammer, alle beugten sich über mich und bewegten die Münder - nur ich hörte nichts. Es dauerte mehr als zwei Stunden, bevor ich die ersten Geräusche wieder wahrnehmen konnte. Ich hatte schon jahrelang Probleme mit dem Druckaustausch Nase - Ohren, war noch nie geflogen und wusste nichts von solchen Schwierigkeiten. So hatte dieses gesundheitliche handicap den Vorteil, dass ich tatsächlich zu meinen Schnellbooten kam. Die meisten anderen unseres Lehrganges, die an dieser Dienstreise teilnahmen, verliessen für immer die 6. Flottille und kamen nach Parow: als Hubschrauberführer im MHG - 18.
Mitte der 80er Jahre hatte ich mit den Kollegen dienstlich eine Menge zu tun - diesmal als mitfliegender Auftraggeber. Das Schöne daran - wir mussten die Seenotrettungsübung im vollen Umfang absolvieren - also auch mit voller Montur aus 10 - 15 m Höhe aus der Mi-8 ins Wasser springen (leider nur einmal). Das Unangenehme daran: Die Jungs kannten ja meinen Schwachpunkt, und wenn einer von ihnen dann Diensthabender Flugleiter war, wenn ich mitflog, dann befahlen sie dem Piloten beim Landeanflug gern einmal das Training der Havarievariante "Sinken im Rotationsflug", was bedeutete dass wir mit zeitweilig abgestellten Triebwerken sanken, also mit deutlich höherer Sinkgeschwindigkeit als normal. Das störte mich nur beim ersten Mal, später war ich darauf gefasst. So verdanke ich einem gesundheitlichen Fehler eine Dienstzeit auf dem schönsten Boot der VM: dem TSB 206.
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