Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon Hannes53 » Samstag 13. Dezember 2014, 14:32

Nachdem Stolteraa im Forum der Spezialisten die Papiere der Übernahme und Entlassung in die Bundesmarine veröffentlicht hatte, habe ich mir einmal die eigenen Unterlagen angeschaut.
Möchte sie hier veröffentlichen, da sie die Entlassung eines Berufssoldaten zeigen, der bis zur Schließung der Nachkommandos der 6. Flottille blieb.
Buma1 + 2 – Übernahme in die Bundesmarine
Buma3 - Bestätigung Verbleib bis Ende des Stützpunktes
Buma4 - Ankündigung der Entlassung
Buma5 - Ablehnung der Übernahme als SaZ
Buma6 - Entlassung
Hannes53
Buma1.jpg
Buma2.jpg
Buma3.jpg

Buma4.jpg
Buma5.jpg
Buma6.jpg


(Bilder in Tabelle gestellt-Eddy)
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[352 / 377]

Beitragvon stolteraa » Samstag 13. Dezember 2014, 14:44

Nordperd hat geschrieben:... Da gab es z.Bsp. 2 kleine Holzfässer so ca. 50 Liter. Darauf waren besonders die Offiziere bzw. die Bootsmänner scharf (hätte gut eine Hausbar abgegeben)...

Einer dieser Offiziere war ich, und dieses kleine Faß eigente sich nicht nur für eine Hausbar, sondern auch zur indirekten Beleuchtung von Wohnzimmerpflanzen.
1971_Blumenbank.jpg
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[353 / 377]

Beitragvon stolteraa » Samstag 13. Dezember 2014, 14:59

Hannes53 hat geschrieben:... da sie die Entlassung eines Berufssoldaten zeigen, der bis zur Schließung der Nachkommandos der 6. Flottille blieb ... Buma3 - Bestätigung Verbleib bis Ende des Stützpunktes; Buma4 - Ankündigung der Entlassung; Buma5 - Ablehnung der Übernahme als SaZ; Buma6 - Entlassung ...

Hallo Hannes, mit den Dokumenten 3 - 6 hast du auch bei mir Wissenslücken geschlossen, denn so etwas sah ich noch nicht. Man hat dir ja sogar begründet, weshalb du gehen musstest. Da blieben ja keine Fragen mehr offen, bei uns waren "strukturelle Gründe" wesentlich weniger erläuterungsbedürftig.



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[354 / 377]

Beitragvon stolteraa » Sonntag 14. Dezember 2014, 13:51

Als „Vorläufiger“ in der Bundesmarine - Teil III

Interessant war es für mich, den Arbeitsstil und die Dienstauffassung der Offiziere, mit denen wir es jetzt zu tun hatten, kennen zu lernen.
Ich stelle hiermit eindeutig klar, dass ich mit dem Folgenden weder behaupte noch unterstelle, dass so der Arbeitsstil verantwortlicher und verantwortungsbewusster Offiziere in der Bundeswehr sei.

Ich beschreibe lediglich meine Eindrücke aus drei Monaten gemeinsamer Tätigkeit mit einer Gruppe Militärangehöriger in der Zeit der Zusammenführung zweier Armeen, dem Beginn des Aufbaus gesamtdeutscher Streitkräfte, die den (für Einzelne möglicherweise unangenehmen) Auftrag hatte, uns „abzuwickeln“. Die Motivation der Einzelnen für diese Aufgabe war mit Sicherheit sehr unterschiedlicher Natur.

Mindestens einmal in der Woche fand - ähnlich wie früher - bei meinem neuen Vorgesetzten eine Dienstbesprechung statt.

    In der Vergangenheit waren es die Teilnehmer der Dienstbesprechungen beim STCCS gewohnt, entsprechend einer früheren Vorgabe für eine Berichterstattung vorbereitet und auskunftsbereit zu sein. Anschließend fand in konzentrierter Form eine Besprechung der wichtigsten, für alle anstehenden Fragen statt, die Information über Schwerpunktaufgaben, die auf uns zu kamen, danach erfolgte die Aufgabenstellung für die kommende Periode. Unter normalen Umständen (also ohne Besonderheiten in der Lage) ging es nach etwa 2 – max. 3 Stunden wieder an die Arbeit.
Nahm ich an, dass sich das so ähnlich fortsetzen würde, musste ich mich eines Anderen belehren lassen. Morgens zwischen 9 und 10 Uhr versammelte sich im Kinosaal des „Admiralspalastes“ eine große Gruppe Offiziere zur Besprechung beim neuen Chef des Stabes – Pünktlichkeit spielte da keine wesentliche Rolle. Eine Entschuldigung beim Vorgesetzten wegen eines Zuspätkommens (auch, wenn der bereits mit seinen Ausführungen begonnen hatte), schien nicht üblich und erforderlich - und dann langweilten wir uns bis etwa 15.00 Uhr in endlosen Gesprächen, disziplinlosen (oder demokratischen?) Zwischenreden und zum Teil sinnlosen Diskussionen, die nicht viel brachten. Häufig hatte ich den Eindruck, einige der Offiziere in diesem Kreis redeten nur deshalb so lange, um sich zu profilieren bzw. ihre Anwesenheit und Daseinsberechtigung nachzuweisen. An manchen dieser Tage fragte ich mich, wozu ich überhaupt anwesend war, hätte den Tag sinnvoller verbringen können.

Ähnliches beobachtete ich auch im Auftreten und Benehmen von Offizieren des neuen Stabes. Natürlich durften wir nicht erwarten, dass sie uns alle wohlgesonnen waren, aber wir waren beim Militär (einer Bundeswehr) und da gelten nun einmal bestimmte Regeln. Während die älteren Offiziere (und die Portepeeunteroffiziere) sich weitestgehend an die militärische Etikette hielten, teilweise sogar mit Fingerspitzengefühl versuchten, ihre sicherlich auch für sie nicht angenehmen Aufgaben mit Anstand und Höflichkeit zu erledigen, sahen jüngere Offiziere dafür wohl keine Veranlassung, nicht einmal unseren zivilen Sekretärinnen gegenüber.
Dass es dann für uns kein großes Problem darstellte, einen ganz speziellen „Freund“ – einen jüngeren Korvettenkapitän - mehrmals auflaufen zu lassen, bereitete meiner Sekretärin zwar eine kurzzeitige Genugtuung, änderte aber prinzipiell nichts an diesem Zustand.

Zwar hatte man uns nicht nur (vorläufig) den Dienstgrad, sondern offiziell auch unsere Dienststellungen (und damit die Kommandogewalt) belassen, trotzdem wurde das Bestreben der neuen Führungsspitze immer deutlicher, möglichst ohne uns den Dienst zu organisieren, uns zu übergehen. Nur klappte das eben nicht gleich, wir wurden mindestens anfänglich noch zur Durchsetzung erster Maßnahmen, zur Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung sowie zur Befehlsübermittlung benötigt, solange die Strukturen und die Organisation der Befehlswege noch unklar waren.
Das wurde in den folgenden Wochen immer weniger und so wurden wir immer öfter einfach über- und umgangen – obwohl wir ja nach dem miltärischen Reglement nach wie vor als selbständige Kommandeure (theoretisch) die alleinige unmittelbare Befehlsgewalt über unsere direkt unterstellten Truppenteile hatten. Das endete damit, dass wir später von verschiedenen Weisungen an die Nachgeordneten gar nicht oder – sozusagen nur als Rückläufer - von unten nach oben erfuhren. Ein funktionierendes militärisches Unterstellungsverhältnis nach NVA/ VM – Hierarchie interessierte offensichtlich schon niemanden mehr.



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[355 / 377]

Beitragvon Hannes53 » Sonntag 14. Dezember 2014, 18:45

Hallo stolteraa,
da hatte ich mehr Glück mit den Beratern. Im Nachkommando der 6. Flottille war die Palaverrunde vermutlich nur in der obersten Etage. Wir im RD haben im Prinzip unser altes Lagesystem beibehalten und nur der uns zugeteilte Berater nahm daran teil. Da der ein vor der Entlassung stehender alter Fregattenkapitän war und sich gut in unsere Laqge versetzten konnte, verlief die Zusammenarbeit fast problemlos. Nach den ersten wilden Weisungen aus dem "KVM" zur Auflösung der RD und Abschub der Mittel, die relativ frei von jeglicher Sachkenntnis zu den Verhältnissen in der VM waren, ging es ab Januar/ Februar 1991 planmäßiger zu. Unsere Berater mischten sich dann sehr wenig in unseren täglichen Dienst ein und gaben nur die Generallinie vor.
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[356 / 377]

Beitragvon Horst A. » Montag 15. Dezember 2014, 12:45

Da will ich mich auch einmal zu Wort melden, obwohl ich zu dieser Zeit schon in Zivil war.
Als Zivilbeschäftigter der NVA bei der Transportkommandantur See im ÜSH Rostock wurden wir dann Zivilbedienstete.
Aus der Transportkommandantur See wurde die Transportdienststelle der BuWe, Außenstelle Rostock. Dies aber erst, nachdem man uns zunächst in Strausberg die Auflösung
der Dienststelle bekannt gab, um dies wenige Stunden später zu revidieren denn der Abtransport der russischen Streitkräfte über den ÜSH musste überwacht und alles präzise
gezählt und gemeldet werden. Außerdem hatten wir den Ausverkauf der NVA zu überwachen, denn was dort an fabrikneuer Ausrüstung und Material an die Russen verschenkt wurde,
ist heute nicht mehr zu verstehen. Vom Handschuh bis zu komplett eingerichteten Feldlazaretten war alles dabei.
Der alte Chef, K.z.S. Schn., ging von Bord und der neue (große) Chef war K.z.S. W. aus Neustadt in Holst. Ein sehr verständnisvoller Mensch. Die Dienststelle wurde vom ehemaligen
SC FK. Z. übernommen, der diesen Dienstgrad behalten konnte und auch später in der BuWe blieb. Alle anderen Offz. wurden entsprechend im Dienstgrad neu eingestuft.
Dazu wurden uns ein OL und zwei Ofw. zugeordnet, welche als erste Maßnahme befördert wurden. (Hptm./Hfw). Unser Verhältnis wurde und war sehr kameradschaftlich, beide Seiten waren neugierig aufeinander und so gab es eine im wesentlichen sehr störungsfreie Zusammenarbeit.
Allerdings waren einige Sachen für uns total neu so zB , wurde darauf gedrängt Freitags pünktlich Feierabend zu machen um nach Hause zu kommen und wenn dies nicht klappte,
was bekomme ich für die Überstunden an Kohle.
Mir anderen Worten, Freitags pünktlich Feierabend und Montags nicht vor 09.00h zum Dienst erscheinen. Alles was außerhalb der Norm war "was bekomme ich dafür".
Dies war Montags immer auch die erste Aufgabe zunächst mal zu Paper bringen wieviel Km bin ich gefahren, welche Zeit habe ich gebraucht und was kann ich abrechen, dann erst Dienst.
Der eine Hfw. hatte ein Zimmer in der Südstadt der andere Hfw in Vorderbollhagen, sämtlich Aktivitäten wurden notiert und abgerechnet. (ob vollbracht oder nicht)
Selbst in der Diskussion mit dem einen Hfw stellten wir eine andere Einstellung zum Eid fest, wie wir ihn für uns verstanden hätten. Er stellte klar, bei seinem Eid hätte er auf die
Verteidigung der BRD geschworen und somit kämen Auslandseinsätze für ihn nicht in Frage.
Außerdem wären sie doch nur in den Osten gegangen weil es bei ihnen einen Beförderungsstau gibt und den können sie somit umgehen.
Wie gesagt, wir haben aber bis zum dem ,für uns, bitterem Ende sehr kameradschaftlich zusammen gearbeitet.
Gruß Horst A.
]"Die Verachtung der Natur ist ein Irrtum unserer Vernunft (Clapiers)



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[357 / 377]

Beitragvon Hannes53 » Montag 15. Dezember 2014, 13:01

Hallo Horst A.,
in der zweiten Hälfte ist die Einstellung der meisten Berater sehr gut beschrieben. In der 6. Flottille wurde zum Transport noch ein Hubschrauber eingesetzt. Allerdings flog der bereits mittags am Freitag. Dienstbeginn war dann auch immer Montag vormittags.
Hannes



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[358 / 377]

Beitragvon Poseidon » Samstag 27. Dezember 2014, 18:16

Mit dem Kutter K-6 nach China

Beinahe jedenfalls... Im September 1961 sollten die SKDA-Meisterschaften, die Wettstreite der Sportorganisationen der sozialistischen Armeen, erstmalig in China stattfinden. Und auch neu damals: Seesport-Mehrkampf war als Disziplin ausgeschrieben.
Noch heute kaum erklärlich - die Seesportmannschaft wurde nicht wie derzeit so üblich aus der zweiten oder dritten Riege der ASK-Ruderer zusammengestellt, sondern nach einem harten Auswahlwettkampf in Parow gingen aus etwa 300 Bewerbern zwei Kutterbesatzungen hervor. Das war im Frühling, und ich durfte dabei sein.
Wir wurden umgehend auf die Schwedenschanze verfrachtet, bezogen dort in einem Block mehrere Stuben (einzeln stehende Betten...) und lernten sowohl Lehrgangsleiter als auch Cheftrainer kennen: Fregattenkapitän ??, Spitzname Letzter Preusse, und Korvettenkapitän Winkler, Sportwinkler.
Die ersten Tage waren mit Organisatorischem belegt: Einkleiden mit Sportsachen, Untersuchungen im Med.-Punkt, Zuweisung einer eigenen Messe mit Sonderverpflegung und so weiter.
Die erste Überraschung war die aus dem Russischen übersetzte Wettkampfausschreibung: Waren uns Kutterrees, Schwimmen, Tauklettern, Knoten, Winken und Schießen bekannt, mussten wir uns nun auch auf eine Kombination vorbereiten - 10 Kilometer Segeln, zwei Kilometer Rudern, Anlanden durch die Brandung, Überwinden einer Netzwand und weiteren Stationen. Auch das Schwimmen war auf Mannschaft orientiert - der erste schwimmt in Dienstuniform 100 Meter, schleppt eine Leine nach, an der sich die Besatzung zur anderen Seite zieht...
Nach den Einweisungen zur Praxis. Wir richteten uns mit Hilfe eines Bootsbauers zwei Kutter K-10 her, dann wurden wir in zwei Besatzungen aufgeteilt (ich saß im Steuerbord-Schlag des ersten Kutters). Unsere Steuerleute mussten wohl Offiziere sein, Steuermann in der ersten Mannschaft war Unterleutnant Lorbeer.
Das Training war recht hart. In der Halle Intervall- und Stationstraining für Kraft und Ausdauer. Auf dem Wasser mindestens einmal wöchentlich 10 Kilometer Rudern, jeden dritten Tag ein Zwei-Kilometer-Rees. Im Schießstand einzelnes Schießen, nicht mit der gewohnten Kalaschnikow, sondern mit einem anderen Gewehr sowjetischer Bauart (Dragunow ?). Auf dem Sportplatz fast tägliches Winktraining. Wir hatten hierfür mit unserem Mannschaftsmitglied Stabsobermeister Gerth einen der besten Trainer, er brachte uns auf tolle Gebe- und Lesegeschwindigkeiten.
Als nach einigen Wochen die überarbeitete Übersetzung der Ausschreibung vorlag, fielen wir aus allen Wolken: Statt unsere zweimastigen K-10 sollte im kleineren K-6 (Slupki) gefahren werden - anstelle 10 Mann in den Duchten nur sechs, keine Fock- Groß- und Besantakelage, sondern ein Mast mit Lateinersegel an einer Rah. Die Umstellung war gewaltig. Und das war nicht alles, denn auch beim Winken galt nun das Internationale Alphabet, da genau gegenläufig für uns völliger Neubeginn...
Das Hauptproblem waren plötzlich die Kutter, bei der Volksmarine gab es keine mehr. Da ich im GST-Seesportklub Berlin-Grünau einen Vorbereitungslehrgang auf meinen Dienst in den Seestreitkräften absolvierte, erinnerte ich mich an zwei Slupkis in der dortigen Bootshalle. Der Dienstweg war kurz, wir konnten uns die Boote nach Stralsund holen. Aber passende Riemen hatten wir nicht, nur die schweren und zu langen Dinger vom K-10. Fragt nicht woher, aber wenige Tage später erhielten wir neue Riemen - leichte, sehr elastische, extra gefertigte Hohlriemen aus Holz.
Bald beherrschten wir die kleineren Boote, auch das Segeln war kein Problem mehr. Und vorteilhaft waren auch die kleineren Besatzungen...
Der Sommer sah uns fast jeden Tag auf dem Wasser. Bei Wetterprognose Wind übten wir die Kombination, segelten den Sund hoch, ruderten durch den Gellen auf die See, landeten seeseitig in Hiddensee an. (Übernachtung bei der Grenze mit einmal gestattetem Landgang. Heh, Kloster und „Dornbusch“...) Nächstentags wurde ein Großteil der Strecke zurück gerudert, dann im Schlepp eines V-Bootes wieder in den Hafen.
So vergingen die Wochen ohne Urlaub und seltenem Landgang. Wir erhielten Bademäntel, aus Regenschirmseide genähte Bordpäckchen für die Schwimmdisziplin (an Land pludrig, im Wasser wie eine zweite Haut), hörten fachfrauliche Ratschläge zum Benehmen in China...
Als dann aus uns allen nur noch eine Mannschaft mit einigen Ersatzleuten gebildet wurde, die beiden Kutter mit dem Großteil der Ausrüstung per Schiff bereits auf dem Weg nach China waren, stieg die Vorfreude auf das große Erlebnis. Wir erfuhren, dass wir schon Mitte August nach Moskau fliegen und von dort gemeinsam mit der sowjetischen Mannschaft nach Tsingtau reisen sollen, dem Wettkampfort in der chinesischen Provinz Shandong.
Wir waren fit auf den Punkt, mit nagelneuen, auf Tropen getrimmte Uniformen, speziell gefertigten Seesäcken und diverser Sportbekleidung versorgt. Wir hatten uns Fotokameras gekauft und uns mit Farbfilmen eingedeckt...
Am 13. August, nur wenige Tage vor dem Abflug, mussten wir noch vor dem Frühstück in unseren Aufenthaltsraum einrücken, wo uns ein Vetreter der Politabteilung des Kommandos VM freudig mitteilte, dass in der vergangenen Nacht ein antifaschistischer Schutzwall errichtet wurde, die Armeen der sozialistischen Länder im Alarmzustand stehen und das Oberkommando der Warschauer Vertragsstaaten natürlich die SKDA-Meisterschaften abgesagt hat!
So ganz hat der strahlende Offizier wohl nicht verstanden, warum wir nicht in seinen Jubel einstimmten...
Epilog
Als erstes mussten wir alles abgeben - neue Uniformen, Bademäntel, Sportklamotten. Als Trostpflaster klebte man uns die Teilnahme als Volksmarinemannschaft an der DDR-Meisterschaft im Seesportmehrkampf an die Backe. Zur Information: Den Kampf um Sieg und zweiten Platz bei den Meisterschaften fochten alljährlich die Volksmarine mit der Grenze-See unter sich aus; die Bezirke rangierten stets dahinter.
Wie stark der Frust an uns nagte, zeigte ein mittlerer Platz für die Volksmarine bei den Meisterschaften 1961...
Etwas später dann, im Sommerlager der Kampfschwimmer in den Proraer Ruinen, ging uns zwei aus dem Chinalehrgang Zurückgekehrten erst auf, wie ernst die Lage wirklich war!

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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[359 / 377]

Beitragvon Hogo » Samstag 27. Dezember 2014, 21:36

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Die von Dir beschriebenen trainierten Wettkämpfe kann ich aus dem Studium in Baku bestätigen. Wir hatten auch ein Schlupka zur Verfügung und haben so nach und nach dieses mit DDR Materialien aufgerüstet. Wettkampf war jeden Sonntag, 10:00 Uhr. Zuerst 2000 m Kutterrees (dabei 10 -15 Boote unter Riemen, Start in einer Reihe und alles dann nach1000 m um eine Wendeboje. Man mußte schon unter den ersten sein, um keine blau gehauenen und geprellten Finger zu bekommen, wenn der Pulk ankam. Danach Segeln. Eine Variante war z.B. 500 m Rudern, dann Riemen raus- Mast setzen, Segel hoch und segeln. Nach einer bestimmten Zeit oder Position mußte das Ruder herausgenommen werden und ohne, also nur mit Gewichtsverlagerung, gesegelt werden. Dann wieder Ruder rein, Segel nieder und unter Riemen weiter gerudert. Im Rudern waren wir meistens auf dem 2 oder 3 Platz, im Segeln hatten wir immer den ersten. Wir qualifizierten uns dann 1980 auch für die Meisterschaften der Kaspi Flottille und nahmen auch mit Erfolg daran teil. Als Anerkennung zeichnete man uns dann mit dem Sportabzeichen 1. Klasse im Rudern aus. Das Dokument bekamen wir, auf das Abzeichen warten wir heute noch. Anbei noch 2 Bilder von damals. Wir traten natürlich zum Wettkampf immer mit "Nationalmannschaftstrikots" und Dienstflagge an (wollte man erst nicht so richtig, da wir ja auf sowjetischem Territorium und mit einem sowjetischen Boot ruderten und segelten, aber steter Tropfen höhlt den Stein). Man gewöhnte sich dann daran.
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[360 / 377]

Beitragvon stolteraa » Dienstag 30. Dezember 2014, 23:11

Als „Vorläufiger“ in der Bundesmarine - Teil V

Interessant war ein Gespräch mit einem bundesdeutschen Fregattenkapitän, dessen Dienststellung ich hier nicht bezeichnen möchte. Während des Gespräches, das wenige Wochen nach seiner Ankunft in Rostock stattfand, fragte er mich beiläufig, wie viele und welche Häuser in der Rostocker Altstadt ich mir als Kapitalanlagen - Immobilie (also zum Sanieren und anschließenden Vermieten) schon zugelegt hätte.
Verwundert über diese Frage – ein solcher Gedanke wäre mir nicht einmal im Traume gekommen – fragte ich ihn, wozu ich diese Häuser denn kaufen sollte und wenn, wovon ich sie hätte bezahlen sollen. Er meinte nur, er hätte sich in der Östlichen Altstadt schon zwei große Mehrfamilienhäuser gekauft und würde sie später gut vermarkten.

Ich dachte mir mein Teil dazu und glaubte in diesem Moment zu wissen, wozu dieser Mann nach Rostock gekommen war, räume aber gleichzeitig ein, dass dieser Offizier – wenigstens bezüglich dieser Äußerungen – ein Einzelfall zu sein schien.

Ebenfalls interessant war ein Gespräch mit einem unserer Militärmediziner: Da ich in den letzten Jahren häufiger Probleme mit einer Schulter hatte und damit jedesmal in Behandlung war, fragte ich ihn, ob das nicht eine Auswirkung der jahrelangen Schläge und Vibrationen auf unseren Kiel-Gleitbooten, der daraus resultierenden Belastungen für die Wirbelsäule sein - und somit als Berufskrankheit ausgewiesen werden könne.
Aber wie es sich zeigte, galt selbst zu dieser Zeit noch: Es kann nicht sein, was nicht sein darf, und natürlich war das keine Berufskrankheit (Wer wollte denn das auch behaupten oder gar noch begründen und bestätigen). So ähnlich stellte ich mir das auch für andere Bereiche vor.


Am 31.12.1990 betrat ich das ehemalige Kommando der Volksmarine während meiner Dienstzeit - schon in Zivil - zum letzten Mal, um mich in den zivilen Sektor abzumelden.
Bei dieser Gelegenheit erhielt ich diese schön bunte, mit PC auf Recycle - Papier gedruckte Urkunde überreicht. Dass die Hälfte der Wappen falsch sind, störte mich in diesem Moment nicht wirklich. Jetzt wurde ich sogar noch einmal normal mit meinem Dienstgrad angesprochen. Erst überlegte ich, ob das „vorläufig“ nur vergessen wurde, erkannte aber schnell den eigentlichen Grund dafür: Ich war eben nicht mehr „vorläufig“ – nein, ich war ganz weg.
1990.12.31_Urkunde.jpg

So endete der Traum meines Lebens („Ich werde einmal Kapitän“), den ich seit meinem 5. Lebensjahr konsequent und gegen alle Widerstände verfolgt hatte, etwas anders, als ich es mir vorgestellt hatte; damit war meine aktive Marinelaufbahn im Alter von gerade mal 45 Jahren bei Weitem noch nicht ruhestandsfähig beendet.
Auch wenn es juristisch (und auch politisch) sicherlich nicht einwandfrei ist – ich betrachtete die Entlassung de facto als ein Berufsverbot.

Ich diente in der Volksmarine der Nationalen Volksarmee in der festen Überzeugung, der gerechtesten Gesellschaftsordnung nach dem zweiten Weltkrieg, für unser Volk und unser Land im Gleichgewicht der Koalitionen und der Erhaltung des Friedens zu dienen.
Ich bin stolz darauf, sowohl zur längsten friedlichen Periode des vergangenen Jahrhunderts in Europa als auch zur friedlichen Revolution in unserer Republik einen ganz kleinen Beitrag geleistet zu haben.

Auch im Nachhinein danke ich meinen ehemaligen Vorgesetzten und allen anderen „Militärkollegen“, die mir in diesen Jahren ihr Vertrauen schenkten und mit mir gemeinsam all das ermöglichten, was ich während meiner Dienstzeit erlebte und aus dieser Zeit berichtete.


Jetzt galt es, völlig unvorbereitet auf den zivilen Sektor und bei Null beginnend, sich neuen Aufgaben zu stellen und Voraussetzungen zu schaffen, das „zweite Leben“ im Interesse und gemeinsam mit meiner Familie zu meistern. Nur hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch keine Vorstellung oder Ahnung, wie und wo dies funktionieren sollte.

Damals glaubte ich, für alle Zeiten mit der Marine abgeschlossen zu haben, wollte nichts mehr davon wissen, verdrängte alles, was damit in Zusammenhang stand. Damals hätte ich mir nicht im Geringsten vorstellen können, dass noch einmal eine Zeit kommen würde, in der ich mich für die Marine und ehemalige „Marinierte“ mehr als nur interessieren würde.
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