Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon stolteraa » Donnerstag 15. Januar 2015, 16:58

Noch einmal Saßnitz

Nachdem ich meine „Festplatte“ in den letzten Monaten bereinigt habe und durch verschiedene Beiträge von euch neue Ressourcen freigelegt werden, findet sich doch noch dieses oder jenes Erlebnis, das ich gern berichte. Sie sind zwar nicht mehr zeitlich geordnet, aber das ist wohl unwesentlich.

Es müsste die Kommandostabsübung der VOF „Sojus-81“ und die Übung „VAL-81“ mit darstellenden Kräften gewesen sein. Es nahmen von den 3 verbündeten Flotten nur die Führerboote der Schiffsgruppierungen teil und diese versammelten sich im Manöverstützpunkt Frei- (VM-) hafen Saßnitz. Da wurde es verdammt eng! Die Schiffe der Freunde lagen im hinteren Teil der langen Pier direkt vor dem Fährterminal, davor die polnischen- und die Schiffe der beiden VM-Flottillen, wir von der 5. RTS-Brigade lagen in der Ecke der Westmole.

Nach dem Training der Handlungen in See liefen alle Schiffe wieder in Saßnitz ein. Wie üblich, wenn Einheiten anderer Verbände oder gar Flotten, in einem Stützpunkt einliefen, standen die Besatzungen aller anderen Schiffe und Boote an Oberdeck und beobachteten die Anlegemanöver der Ankömmlinge. Als Gastgeber liefen unsere beiden Boote der SSG 601 natürlich zuletzt - und wir als TS-Boot als allerletztes Boot ein.

Unser RS-Boot lag in der Ecke längs der Westmole, daneben war an der langen Pier noch ein Stück Platz, an dem ich anlegen sollte. Der Platz für uns war wirklich sehr eng, besonders im GA-V und am Ruder musste alles schnell, zügig und exakt ausgeführt werden, das seemännische Personal durfte sich mit den Leinen und Fendern keine Fehler leisten. Ich hatte noch während der Wartezeit vor dem Einlaufen mit dem beteiligten Personal mein geplantes Anlegemanöver durchgesprochen, verdeutlicht, wo Risiken bestanden, welche gefährlichen Situationen auftreten konnten und was unbedingt klappen musste:
Es ging darum, dass wir unmittelbar mit dem Passieren der Westmole - fast auf der Stelle manövrierend - aus der Drehung heraus über Heck längsseits an der Backbordseite unseres RS- Bootes anlegen wollten. Es war die deutlich schwierigere von zwei möglichen - und vor allem – die nicht angedachte Variante.

Ich gebe zu, dass ich dabei eher weniger auf die Anzahl der Kuppelmanöver geachtet habe und – um mich nicht irritieren zu lassen – nach den ersten „Fremd“-Kommentaren die UKW-Haube beiseite legte. Das Manöver wurde ein voller Erfolg, im Rückstau eines letzten, kurzen „Mitte - Voraus“-Manövers wippte das Boot aus und wir brauchten die Leinen nur noch hinüber zu reichen bzw. auf die Poller zu legen.

Kaum waren wir fest, geschah etwas Unglaubliches: Die Besatzungen aller sowjetischen, polnischen und der deutschen Schiffe applaudierten!
Das war ein Hochgefühl für alle Besatzungsangehörigen, sie alle hatten ihren Teil zum Gelingen dieses Manövers beigetragen!

Aber nicht alle waren von dem Manöver begeistert: Kaum waren die Maschinen abgestellt, kam schon ein Läufer an Bord, der mich zu meinem Vorgesetzten bestellte. Die Bemerkungen, die ich mir anschließend bei meinem BCH anhören durfte („... Was wäre, wenn das schief gegangen wäre ...“), sind sicher vorstellbar.



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[362 / 377]

Beitragvon Nordperd » Donnerstag 15. Januar 2015, 19:06

Hallo stolteraa,
an derartige Anlegemanöver kann ich mich auch noch gut im Hafen Bug erinnern. Mein erster Kommandant auf der 843 war Werner Schneider. Wir nannten ihn schon mal wegen seiner/unserer Anlegemanöver ( natürlich unter uns ) den "Westwagenfahrer". Fast bis an `s Wohnschiff, ein leichtes Wippen und wir konnten die Leinen übergeben oder selbst auf die Poller legen. Dass das nicht jeder schaffte war oft zu sehen und machte uns schon ein wenig stolz. Das änderte sich auch nicht, als Du unser Kommandant wurdest.images/smilies/genau.gif
Nun weis ich nicht mehr, ob es vor oder nach dem Kommandantenwechsel war. Aus dem Grund, dass manches Boot beim Anlegen mächtig "rumgurkte", wurde durch den BCH Korv.Kap.(?) Mirsch das Anlegen mit Wurfleine zur Übergabe der Festmacherleine angeordnet. Selbst die ging bei machen Anlegern in den Bach. Das Gejohle der Zuschauer auf dem Wohnschiff war dementsprechend. Und wir kamen uns mit der Wurfleine ziemlich belämmert vor, da ja der Abstand zur Pier oder dem Wohnschiff nur noch wenige Meter betrug. Zum Glück waren wir oft als Einzelboot, z.Bsp. zur Torpedoerprobung in Saßnitz, unterwegs. An Probleme beim Anlegen kann ich mich nicht erinnern - die Mannschaft funktionierte.
Gruß Nordperd
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[363 / 377]

Beitragvon Foxderringer » Donnerstag 15. Januar 2015, 19:18

:ahoi: Seemänner ! So kenne ich den " Seemann Miersch " nicht zu verwechseln. Seine Mütze hatte nie eine Delle !!! :salut: :berlin:
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon fuß822 » Freitag 16. Januar 2015, 15:56

Hallo Jungs,

da wir gerade bei Anlegemanöver sind. Im Frühjahr 1971 sollten wir mit der 822 von Anleger drei mit eigener Kraft an die Ölpier verlegen. Fast alles gerade aus fahren. Unser Kommandant Werner Schneider schon wie beschrieben war ein Experte beim Anlegen. Aber es kam anders. Der ACH (KK Perzel o.ä.) wollte selber ein 206ser fahren und das Boot verlegen. Dann kam das was kommen mußte, er schätzte die Stopstrecke falsch ein und wir mit dem Bug gegen die Ölpier, ein Dreiangel in der Vorpieck überwasser, war das Ergebnis. Unser Boot hieß dann "MS Beule". Durch den abrupten stop hat es mich im Bugmaschinenraum hingehauen, ich in Panik nach oben, Schott auf und raus, wer stand da Bootsmann Braun, hat mich gleich vergattert, weil ich meine Gefechtsstation verlassen habe. Es kamen ein paar Arbeiter, am Bug wurde das Leck mit einem Blech zugeschweißt. Die Sache ist glaube im Sande verlaufen, ich wüßte nicht das jemand bestraft wurde außer ich.

Gruß

Reinhard



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[365 / 377]

Beitragvon Poseidon » Freitag 16. Januar 2015, 18:33

Nordperd hat geschrieben: ...an derartige Anlegemanöver kann ich mich auch noch gut erinnern.
An Probleme beim Anlegen kann ich mich nicht erinnern...


Solche rasanten Anlegemanöver wie hier geschildert haben wir mit unserem Taucherschiff K-61 LUMME nicht hinlegen können. Meistens packte sie sich schwerfällig fast von alleine an den Liegeplatz. Wenn sie es denn wollte...
Aus unerfindlichen Gründen mussten wir 1963 oder 1964 an einem Sonntag von Sassnitz nach Warnemüde zur 1. Fl. verlegen. An einem Sonntag - an Bord waren nur der Kommandant Obermaat Schumann, der Seemann, der Stoker sowie Obermeister Felz und ich als Einsatztaucher...
Es war eine schöne und ruhige Überfahrt, beim Einlaufen Hohe Düne erhielten wir als Liegplatz einen alten Holzanleger ganz hinten zugewiesen. Und OM Schumann legte an wie immer: Volle im rechten Winkel auf den Anleger zu, im richtigen Abstand Volle zurück! - pfft, die Druckluft verpuffte beim Umsteuern, die LUMME wollte nicht. Noch einmal Volle zurück! Der Buckau reagierte nun, die Schraube griff, doch die Fahrt war noch nicht raus und wir drückten wie in Zeitlupe den Anleger mittig fast einen Meter aus der Geraden.
Die Maschine drehte noch rückwärts, zog uns zurück, und ohne jegliche Regung ließ der Kommandant wieder umsteuern, umfuhr den Pierkopf und drückte nun mit Halber gegen die „Beule“, bis der Anleger wieder gerade war.
Kurz danach lag die LUMME fest, unschuldig, als könne sie keinen Anleger krümmen...
Wenig später verließ die komplette Besatzung landfein ihr Schiff und uns zwei Taucher. Zu den Folgen später mal...



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[366 / 377]

Beitragvon Poseidon » Montag 19. Januar 2015, 19:49

Meine Story endete mit "Zu den Folgen später mal." Hier nun die Folgen:

Ja, die Beatzung ging komplett an Land, wollte wohl mal den Unterschied zwischen Warnemünde und Sassnitz erkunden, landgangsmäßig...
Wir zwei Taucher blieben an Bord, harrten der Information darüber, was man hier von uns wollte.
Es wurde Abend, wir hatten die Vorräte in der Kombüse geplündert, aber es passierte nichts. Bis dann doch zu recht später Stunde ein Läufer erschien, aufs Blech klopfte und uns den Befehl übergab, umgehend wieder nach Sassnitz zurück zu fahren...
Nun haben wir schon damals keinen unnötigen Gedanken über solche Aktionen der höheren Führung verschwendet - Zurück nach Sassnitz! Zu Befehl!... Aber unsere Mindestbesatzung war noch an Land. Wir ließen es drauf ankommen und rührten uns erst mal nicht; machten aber die LUMME soweit es ging seeklar.
Irgendwann im Morgengrauen polterten die Landgänger an Bord, nicht sturzbetrunken, aber auch nicht „fahrtauglich“. Als sie in ihren Kojen verschwunden waren, hatte es keinen Sinn mehr, mit dem Befehl zu wedeln.
Nun hatte Obermeister Felz vor den Seestreitkräften bei der Fischerei ein Patent erworben, war Kutterkapitän. Da uns die Besatzung am Herzen lag und wir auf der LUMME schon alle Stationen mal gefahren sind, gab es kein Zaudern - alle Leinen los! Felz auf der Brücke an Ruder und Maschinentelegraf, ich in der Maschine. Jockel lief, Druckluft war da, der Buckau sprang problemlos an. Mit Langsamer verließen wir den Hafen Hohe Düne, auf freier See gingen wir mit der Drehzahl hoch und liefen mit gut 9 Knoten auf Darsser Ort zu. Die Reise war auf der Karte ja gekoppelt, wir mussten nur Rückkurs rechnen. In Felz aber kam der Kutterkapitän durch: Was soll ich mit der Karte, ich sehe doch Land...
Wir sahen Darsser Ort, nahmen Kurs Dornbusch, ließen Arkona an Steuerbord querab. Nach gut sieben Stunden erschien ein ebenso verkaterter wie konsternierter Kommandant Schumann auf der Brücke, registrierte wohl den Blick auf Arkona, bekam das Ganze aber nicht auf die Reihe. Nach starkem Kaffee, wir hatten nun Lohme bereits querab, löste die Dienststellung Kommandant die Dienststellung Tauchermeister in der Schiffsführung ab. Auch der Stoker quälte sich in seinen Maschinenraum und übernahm die 300 PS. Nur den Seemann bekamen wir nicht auf die Beine. Und als nach einer weiteren Stunde die KBS Sassnitz in Sicht kam, musste ich mit zwei Flaggen in die Backbordnock - was soll’s, beim Seesport und beim KSK gehörte ja Feudeln zur Ausbildung. Der Text war mir bekannt - Erbitte Einlaufgenehmigung und Liegeplatz. Der Dialog lief dann so ab:
LUMME - E (Erbitte) KBS sofort - Viktor (verstanden)
LUMME - E (Einlaufgenehmigung) KBS sofort - Viktor
LUMME - U (und) KBS sofort - Viktor
LUMME - L (Liegeplatz) KBS sofort - Viktor
KBS - E LUMME sofort - Viktor (ist doch klar: Einlaufgenehmigung)
KBS - E LUMME sofort - Viktor (ebenso klar: Erteilt)
KBS - L LUMME sofort - Viktor (na klar: Liegeplatz)
Die Feudel gingen hoch zur Brust. Aha, eine Zahl. Zweimal umeinander gewedelt. Was das?
LUMME - Nanni, Nanni: Nicht verstanden! Das Ganze dann fünfmal! Peinlich! Nun liefen wir unter der KBS durch und der Signäler da oben legte die Flaggen weg, formte die Hände vor dem Mund zum Trichter und brüllte laut und verständlich: „Siebzehn!“...
Die ganze Tour hatte ein Nachspiel: Die Besatzung übernahm die Kosten eines gemeinsamen Landgangs! In Sassnitz!



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[367 / 377]

Beitragvon stolteraa » Dienstag 20. Januar 2015, 16:05

Poseidon hat geschrieben:... Solche rasanten Anlegemanöver ... haben wir mit unserem Taucherschiff K-61 LUMME nicht hinlegen können ... ohne jegliche Regung ließ der Kommandant wieder umsteuern, umfuhr den Pierkopf und drückte nun mit Halber gegen die „Beule“, bis der Anleger wieder gerade war ...

Herrlich beschrieben, Lutz. Eure Manöver waren vielleicht nicht so "rasant" wie die unsrigen, aber dafür mindestens genauso gekonnt (oder abenteuerlich)! Ich stelle mir das Aussehen des Anlegers nach einem gleichen Manöver mit einem 206er vor.

Poseidon hat geschrieben:... Obermeister Felz (hatte) ... bei der Fischerei ein Patent erworben, war Kutterkapitän. Da uns die Besatzung am Herzen lag... gab es kein Zaudern - alle Leinen los! Felz auf der Brücke an Ruder und Maschinentelegraf, ich in der Maschine...

Da soll mal einer sagen, bei der VM konnte man keine Abenteuer erleben! So etwas war nur auf einem "Hischi" möglich (denke ich). Normalerweise müsste man sagen "Waren die von allen guten Geistern verlassen?!", aber bei dieser Leistung bleibt nur ein "Hut ab vor so viel Engagement, Mut und Einsatzbereitschaft!"

Und den hin-und-her-gerückten Anleger hat keiner bemerkt? Gruß stolteraa



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[368 / 377]

Beitragvon Poseidon » Dienstag 20. Januar 2015, 18:23

stolteraa hat geschrieben:Da soll mal einer sagen, bei der VM konnte man keine Abenteuer erleben! So etwas war nur auf einem "Hischi" möglich (denke ich).


Hallo stolteraa,
ob auf Hischi allgemein kann ich nicht sagen, aber die LUMME lief aufgrund ihrer „Größe“, ihrer unterdienstgradigen Besatzung (Kommandant Obermaat, LI Stabsmatrose) und den mit einer unklar definierten Sonderstellung behafteten Tauchern an Bord immer etwas neben dem „beobachteten Fahrwasser“.
Das galt damals auch für den Bergungsdienst der 6.Fl. - die kleine autarke Truppe von nicht mal zehn Leuten fiel möglicherweise schon deshalb aus dem Raster. Zumal alle Aufgaben immer bestens erfüllt wurden. Auch solche, die aufgrund ihres Gefahrenpotenzials und anderem mehr fragend als befehlend an uns herangetragen wurden...
Außerdem muss man auch die Zeit sehen - 1963/1964 - eine Zeit, bevor das ganze System NVA schärfer wurde...
Wen ich die Erlebnisse heute aus meinen Erinnerungen krame (funktioniert nur deshalb so einigermaßen gut, weil wir Lebenden aus diesen Tagen uns öfter treffen und dann das uns verbindende „Weißt du noch...“ intensiv pflegen), wenn ich also diese Erlebnisse aufschreibe und mit der Lebenserfahrung eines nun fast Erwachsenen betrachte, erscheint mir vieles auch mehr als Abenteuer denn strammer und bewusster Wehrdienst. Vielleicht konnten wir aber auch nur deshalb über einige Hürden der Dienstvorschriften oder persönlicher Bedenken springen, weil es eben Abenteuer für uns war - ein Abenteuer, dass bei mir mit 14 Jahren im Tauchsport der GST begann, sich im Kampfschwimmerkommando und im Bergungsdienst einfach fortsetzte...

stolteraa hat geschrieben:Und den hin-und-her-gerückten Anleger hat keiner bemerkt?


Da habe ich nie drüber nachgedacht. Die Holzkonstruktion rottete völlig einsam in der hintersten Hafenecke vor sich hin, es lag kein weiteres Fahrzeug in der Nähe. Und nach dem Ablegen war das Ganze bereits Geschichte; es gab doch Wichtigeres.
Oder wir waren eben doch noch sehr jung...



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[369 / 377]

Beitragvon Nordperd » Mittwoch 21. Januar 2015, 17:25

Da wir hier bei Anlegemanövern sind, erinnere ich mich an einen Vorfall, wo es doch Probleme gab. Allerdings kann ich den Zeitraum nicht mehr so genau einordnen.(Es kann im Frühjahr 1969 gewesen sein.) Wir hatten vom Bug nach Saßnitz verlegt. Aufgrund starken Windes trieb das Boot beim Anlegen von der Pier weg, was den Schlepper veranlasste, uns zu helfen und Richtung Pier zu drücken. Er hatte wohl zu viel Schwung drauf, so dass er unserer Backbordseite ein mächtiges Ding verpasste. :augenzuhalt: Die Stimmung war bei allen auf dem Nullpunkt. Unseren Kommandanten traute keiner mehr anzusprechen, besonders nach der abgesetzten Meldung an die Flottille. Dieses Manöver brachte uns dann die Werftliegezeit in Wolgast ein. Das war dann im Sommer - und wiederum auch nicht so schlecht. :prost1:
Gruß Nordperd
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon Poseidon » Dienstag 27. Januar 2015, 17:08

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wenn @Thommy hier im Forum Tarnnamen vorstellt; die Vielfalt der Einfälle, Namen, die mit der jeweiligen Einheit nicht das geringste zu haben. Sie sollten wohl den Gegner verwirren, ihm Tatsachen wie Standort usw. verheimlichen... Das Verwirren, das Verheimlichen der Standorte gelang diesem System aber nicht nur beim Gegner:
Wir hatten den Auftrag, zu Unterwasser-Filmaufnahmen für einen Ausbildungsfilm mit Panzern unter Wasser nach BIRNE zu fahren (ich habe die folgenden Namen erfunden, nutze sie hier beispielhaft für die richtigen, die ich natürlich längst vergessen habe...). Wir sattelten unseren H3A und rollten zu Dritt erst einmal nach Rostock, um dort im OP-Dienst (?) zu erfahren, dass BIRNE die Panzerkaserne auf dem Steiger in Erfurt sei. Auf nach Erfurt!
Es gab damals eine s.g. Touristische Suchfahrt des DDR-Komitees Touristik und Wandern. In einem Bilderheftchen mussten anhand von Fotos und Umschreibungen Ziele enträtselt werden, an denen man nach dem Finden einen Stempel ins Heft gedrückt bekam. Großteil gefunden, gab es eine Plakette. Heftchen hatten wir, und auf dem Weg gab es so einige Stempel...
suchfahrt.jpg

Spätabends meldeten wir uns auf dem Steiger bei BIRNE. BIRNE? Hier aber nicht, hier ist APFEL! Glücklicherweise erinnerte sich ein junger Leutnant, dass ein Freund von ihm derzeit in BIRNE dient. Also über OP-Leitung Verbindung mit BIRNE, dort mit seinem Freund. Der Dialog als Monolog in gekürzter Form: „Du bist doch da weiter rechts drüben? Bei den Tüchern? Danke!“. Grinsend erklärte er uns, BIRNE sei in der Tuchstadt Cottbus. Nach Übernachtung, Frühstück und Tanken am nächsten Morgen also nach Cottbus. Es war BIRNE! Nur mal so etwa 300 Kilometer mehr als auf der direkten Strecke...
Halt! Das war es noch nicht! Am Tag vor unserer Rückfahrt musste unser Oberleutnant an den OP-Apparat BIRNE: Der Chef BD im KVM befahl, dass wir mal kurz einen Abstecher ins Gummiwerk Waltershausen machen und dort eine bereitliegende Ladung Feuerwehrschläuche abholen, die von KSS in Sassnitz vor einem Flottenbesuch in Leningrad dringend erwartet werden. Alle Versuche zu erklären, dass BIRNE nicht nahe bei Waltershausen liege, scheiterten an den Vorschriften, keine Klarnamen zu benutzen...
So fuhr ich (das Los des Zweitfunktioners) am frühen Morgen in Cottbus los, holte in Waltershausen die Schläuche ab, tankte sehr zur Überraschung des Tankwarts wieder bei Panzers auf dem Steiger und rollte auf der Autobahn über Dresden nach Cottbus zurück, wo ich nach fast 700 Kilometern mitten in der Nacht ankam.
Am nächsten Morgen wieder auf den Bock, in Kühlungsborn Technik und Mitfahrer abladen, weiter nach Sassnitz. Der Empfang auf KSS entschädigte mich für die Strapazen: Abendessen in der Chefmesse und Übernachtung in einer Heimschläferkammer...
Durch die Verwechslung von BIRNEn und ÄPFELn kamen statt rund 800 Kilometern fast 1700 Kilometer auf die Fahrleistung unseres H3A.
Auf DDR-Autobahnen und mit nicht mehr als 75 kmh Spitze...
H3A.jpg
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