25 Jahre danach (Mauerfall)

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25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon stolteraa » Sonntag 9. November 2014, 11:04

Was ich heute, am 09.11.2014, beim Lesen denke

Es ist schon für mich sehr interessant zu sehen, wie sich mit der Annäherung meiner Erinnerungen an den 09.Nevember 89 die Anzahl der Leser in kurzer Zeit erhöhte. Auch hier im Forum finde ich über diese Zeit keine Kommentare.
Vielleicht mag es für den einen oder anderen aufschlussreich oder wissenswert sein, wie ein höher gestellter Offizier diese Zeit erlebte. Aber dass sich keiner traut, seine eigenen Erlebnisse darzulegen, gerade jetzt, da die Medien sehr drastisch (und zum großen Teil infolge der Originalaufnahmen in recht objektiver Weise) an diese Tage erinnern, da keiner irgendwelche Repressalien staatlicher Instanzen dieser Zeit zu befürchten hat, wundert mich schon.

Gestern abends spät brachte der TV-Sender Phoenix eine Dokumentation der Ereignisse der Nachtstunden des 9.11.89. Die Bilder bewegten mich wieder genauso, wie ich sie damals erlebte. An jenem Abend glaubte ich noch, dass diese Grenzöffnung nur für Zivilisten gelten könne und nicht für uns Angehörigen der bewaffneten Organe, doch das störte mich nicht. Dass ich nicht in das westliche Ausland reisen durfte, wusste ich seit meiner Verpflichtung als Berufssoldat und damit hatte ich kaum ein Problem. Trotzdem freute ich mich einerseits sehr, dass diese Trennungslinie beseitigt und den Menschen beider deutscher Staaten – und damit auch meiner Familie - eine ungehinderte Passage ermöglicht wurde. Andererseits befürchtete ich schon – dazu komme ich später noch – dass dies der Anfang vom Ende sein würde.

Ich stehe zu meiner Vergangenheit, bin stolz auf das, was ich auf saubere Art erreichte. Es gibt für mich nichts, dessen ich mich schämen müsste, bedauere aber das, was ich zu spät erkannte.
Für mich bedeutet die offene Darstellung meiner Erlebnisse und Gedanken – genauso, wie eure Erinnerungen an die Zeit in der VM - einen Teil der Auseinandersetzung mit - und Aufarbeitung meiner und unserer gemeinsamen Vergangenheit.

Heute beglückwünsche ich alle zu einem gemeinsamen Deutschland ohne innere Grenzen. stolteraa



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Foxderringer » Sonntag 9. November 2014, 13:49

:ahoi: Seemänner ! Der Mauerfall in meiner Erinnerung ! Ich wurde von meiner gesicherten Existens befreit, Ich wurde von meiner bezahlbaren Wohnung befreit. Ich wurde von Unterdrückung,die ich nicht bemerkt habe befreit.Mir wurde Reisefreiheit gegeben die mir wegen der fehlenden gesicherten Existens absolut nichts nützt.Und das "hohe Gut der Meinungsfreiheit "Ich musste feststellen, meine Meinung hat weder vorher noch nachher niemanden interresiert. Übrigens hat sich der gesamte schlechte Film vor meiner damaligen Haustür abgespielt Brunnenstr. Ecke Bernauerstr.. :salut: :berlin:
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon sperrgast336 » Sonntag 9. November 2014, 17:33

stolteraa hat geschrieben:Was ich heute, am 09.11.2014, beim Lesen denke

Es ist schon für mich sehr interessant zu sehen, wie sich mit der Annäherung meiner Erinnerungen an den 09.Nevember 89 die Anzahl der Leser in kurzer Zeit erhöhte. Auch hier im Forum finde ich über diese Zeit keine Kommentare.

Hallo @strolteraa
Sehr guter Beitrag zum Mauerfall....hast Dir viel Mühe gegeben , bei sachlicher Argumentation, über das von Dir selbst erlebte in jener ereignisreichen Wendezeit . Kommentare gibt es über diese Zeit nicht ,oder noch nicht.....eher solche wie die von @Foxderringer...ist für mich nicht sachlich und schuldet diesem Tema viel mehr Respekt. Fehlt nur noch das das Brötchen 5 Pfennige gekostet hat und der Westen am Untergang der DDR schuld ist....das ist zu einfach um die Ex -DDR zu erklären . Entschuldige @Foxderringer , Ich antworte mal mit einem Teil Deines Spruches
"Ich bin froh offen meine Meinung sagen zu können" ...das gilt natürlich auch für Dich ...Du hast eine eigene Meinung und das ist auch gut so.

Foxderringer hat geschrieben::ahoi: Seemänner ! Der Mauerfall in meiner Erinnerung ! Ich wurde von meiner gesicherten Existens befreit, Ich wurde von meiner bezahlbaren Wohnung befreit. Ich wurde von Unterdrückung,die ich nicht bemerkt habe befreit.Mir wurde Reisefreiheit gegeben die mir wegen der fehlenden gesicherten Existens absolut nichts nützt.Und das "hohe Gut der Meinungsfreiheit "Ich musste feststellen, meine Meinung hat weder vorher noch nachher niemanden interresiert. Übrigens hat sich der gesamte schlechte Film vor meiner damaligen Haustür abgespielt Brunnenstr. Ecke Bernauerstr.. :salut: :berlin:

In diesem Sinne wünsche ich noch Allen einen schönen restlichen 9.November
Es grüßt Klaus, Sperrgast336



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Thommy206 » Sonntag 9. November 2014, 17:48

Foxderringer hat geschrieben:...Ich wurde von Unterdrückung,die ich nicht bemerkt habe, befreit...

Unterdrückt, und zwar staatlich sanktioniert und ausgeführt, wurden ja auch meist nur diejenigen, die sich NICHT mit dem Status Quo im Lande DDR abfinden wollten.
Du hättest ja mal ein Studium an irgendeiner Hochschule beantragen können, ohne Parteibuch und entsprechendes Empfehlungsschreiben/Stellungnahme der SED-Parteigrundorganisation Deines Betriebes nicht/kaum möglich - Tatsache und Unrecht!
...
Mir wurde Reisefreiheit gegeben die mir wegen der fehlenden gesicherten Existens absolut nichts nützt....

Was aber die Tatsache nicht einschränkt, dass Du nach 1989 überall dort hin reisen kannst, wohin Du wolltest - einfach, weil es keinen und niemanden in diesem heutigen gesamtdeutschen Rechtsstaat gibt, die Dir vorschreiben, wohin Du reisen darfst - und das ist gut so.
...
Und das "hohe Gut der Meinungsfreiheit ". Ich musste feststellen, meine Meinung hat weder vorher noch nachher niemanden interresiert...

es geht in diesem Staat auch nicht darum, ob Deine Meinung jemanden interessiert oder nicht.
Allein die Tatsache, dass Du Deine Meinung laut und in aller Öffentlichkeit sagen kannst - die zählt und ist per Grundgesetz auch garantiert.
Ich bin gespannt, ob Du das auch vor 1989 hättest tun können - mit unverzüglich nachfolgender intensiver "rechtsstaatliche Beihilfe" wohl nur 1x. Und kein Richter und kein Gericht der ex-DDR hätte sich auch nur einen leisen Furz für Dein Problem interessiert.
Alles andere sind nach meiner Meinung nur dicke Krokodilstränen - die D-Mark hättest Du ja ablehnen und weiterhin mit Alu-Chips Deinen Lebensunterhalt bestreiten können. Mit DM konntest Du übrigens (fast) überall auf der Welt bar bezahlen, wusstest Du das ??
Du hast es sicher gaaanz schwer im heutigen Deutschland mit Deinen verquasten durcheinander gewirbelten Ansichten von gestern, sorry!


stolteraa hat geschrieben:Ich stehe zu meiner Vergangenheit, bin stolz auf das, was ich auf saubere Art erreichte. Es gibt für mich nichts, dessen ich mich schämen müsste, bedauere aber das, was ich zu spät erkannte.
Für mich bedeutet die offene Darstellung meiner Erlebnisse und Gedanken – genauso, wie eure Erinnerungen an die Zeit in der VM - einen Teil der Auseinandersetzung mit - und Aufarbeitung meiner und unserer gemeinsamen Vergangenheit...

Für diesen Gedanken habe ich unbedingten Respekt - auch wenn meine Erlebnisse 1989 nichts mehr mit der Armeezeit zu tun hatten.
1989 und die Zeit danach war für mich ein unbedingter Glücksfall und als jungem Kerl mit Mitte 20 die Welt offen zu Füßen liegen haben, einfach geil!
09.November Mauerfall; 11.November Besuch in Hamburg; 01.03.90 neuer Arbeitgeber in Hamburg (10 Jahre lang) = der Erfolg
Ende der 90'er Ehe geschieden, Haus wech, beide Kinder nur an den per Gericht dafür vereinbarten Wochenenden sehen dürfen = der Preis
mit kameradschaftlichem Gruß
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Eddy » Sonntag 9. November 2014, 18:13

stolteraa hat geschrieben:Was ich heute, am 09.11.2014, beim Lesen denke
Es ist schon für mich sehr interessant zu sehen, wie sich mit der Annäherung meiner Erinnerungen an den 09.Nevember 89 die Anzahl der Leser in kurzer Zeit erhöhte. Auch hier im Forum finde ich über diese Zeit keine Kommentare.
Vielleicht mag es für den einen oder anderen aufschlussreich oder wissenswert sein, wie ein höher gestellter Offizier diese Zeit erlebte. Aber dass sich keiner traut, seine eigenen Erlebnisse darzulegen, gerade jetzt, da die Medien sehr drastisch (und zum großen Teil infolge der Originalaufnahmen in recht objektiver Weise) an diese Tage erinnern, da keiner irgendwelche Repressalien staatlicher Instanzen dieser Zeit zu befürchten hat, wundert mich schon.
Gestern abends spät brachte der TV-Sender Phoenix eine Dokumentation der Ereignisse der Nachtstunden des 9.11.89. Die Bilder bewegten mich wieder genauso, wie ich sie damals erlebte. An jenem Abend glaubte ich noch, dass diese Grenzöffnung nur für Zivilisten gelten könne und nicht für uns Angehörigen der bewaffneten Organe, doch das störte mich nicht. Dass ich nicht in das westliche Ausland reisen durfte, wusste ich seit meiner Verpflichtung als Berufssoldat und damit hatte ich kaum ein Problem. Trotzdem freute ich mich einerseits sehr, dass diese Trennungslinie beseitigt und den Menschen beider deutscher Staaten – und damit auch meiner Familie - eine ungehinderte Passage ermöglicht wurde. Andererseits befürchtete ich schon – dazu komme ich später noch – dass dies der Anfang vom Ende sein würde.

Ich stehe zu meiner Vergangenheit, bin stolz auf das, was ich auf saubere Art erreichte. Es gibt für mich nichts, dessen ich mich schämen müsste, bedauere aber das, was ich zu spät erkannte.
Für mich bedeutet die offene Darstellung meiner Erlebnisse und Gedanken – genauso, wie eure Erinnerungen an die Zeit in der VM - einen Teil der Auseinandersetzung mit - und Aufarbeitung meiner und unserer gemeinsamen Vergangenheit.

Heute beglückwünsche ich alle zu einem gemeinsamen Deutschland ohne innere Grenzen. stolteraa


Hallo Uli, hallo @all,
ich habe lange darüber nachgedacht ob es sich lohnt zu diesem Thema etwas zu schreiben. Die ganze Jubilei rund um den Mauerfall kann ich voll verstehen, auch wenn sie mir völlig auf den Nerv geht. Was haben wir als Berufssoldaten eines Staates, den es nicht mehr gibt von dieser Vereinigung gehabt? Wir wurden vom eigenen Volk verdammt, wurden als Mitglieder der Partei, die das alles verursacht hat, ausgegrenzt. Noch heute wird man von sogenannten "Revolutionären" schräg angesehen.
Gut, wir haben unsere Pflicht getan, waren, wie Du schreibst, wenig intensiv informiert. Sicher auch so von der Führung gewollt. Das uns Theo Hoffmann in dieser Zeit als Chef vorstand, betrachte ich heute als "Gottes Segen", obwohl ich von Gott nichts erwarte. Er war der Richtige am richtigen Platz.
Mein persönliches Erleben hält sich in Grenzen. Wir verfolgten diese Aktion am Fernseher und konnten es erst nicht glauben was Schabowski da verkündet. Am nächsten Tag war es Hauptthema der Gespräche und der Gammel fing an. Viele nutzten sofort die Chance die 100 DM zu bekommen und fuhren in den Westen. Als Politoffizier fand ich diesen Schritt schon als Verrat, aber die Neugierte war stärker. Ich war kein Hartliner aber irgendwo hatte man eine Ehre zu verlieren. Im Dezember 1989 fuhr ich mit Familie nach Berlin und wir suchten uns ausgerechnet den Kudamm als Ziel aus. Eine total verblendete Situation lies uns erstaunen, so viel Reklame, so viel Licht, völlig ungewohnt und neu. Wir trauten uns keine Döner zu kaufen, weil wir nicht wussten was das ist. Wir liefen die Straße auf und ab und konnten nicht verstehen warum das 500 Meter Luftlinie östlich nicht genauso aussah. Bei einem türkischen Händler in einer Seitenstraße kaufte ich ein Kofferradio mit zwei abnehmbaren Lautsprecherboxen, wir waren glücklich über dieses Gerät. Nach einem halben Jahr lag es in Abfall. Das lies sich aber noch alles irgendwie verkraften, der Schock kam erst mit Eppelmann 1990 und das hat sich eingebrannt.
Heute komme ich gut mit allen Bürgern dieser Bundesrepublik aus, auch mit Österreichern, Schweizern und Südtirolern. Ich habe meinen Abstand zu allem politischen Parteien gefunden, weil ich sie für nutzlos im Sinne der Entwicklung eines Landes halte. Gleichwohl verstehe ich nicht, das ein Ort wie Dranske Kandidaten von politischen Parteien braucht um regiert zu werden. Wir brauchen engagierte Bürger, die für den Ort denken und Handeln, da ist mir sein Glaube völlig Wurscht. Im Großen wird nur geschleimt und beteuert, direkt am Volk ist eigentlich keiner, denn dann würden die Diäten kleiner ausfallen. Und Demokratie ist ein Gummibegriff, den jeder für sich auslegen kann.
Allen, die sagen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, kann ich nur beipflichten, wir haben es als Diktatur des Proletariats ausgelegt und gelebt. Das war Lenis Schule und die der Tscheka. Die Alten der SED hatten eigentlich keine Chance gegenüber den Siegern, sie wollten aber auch garkeine Chance nutzen.
Nach 25 Jahren kann ich mich zurücklehnen und sagen, Du hast nicht alles richtig gemacht aber Du brauchst Dich auch nicht zu verstecken.
Aber feiern werde ich deshalb heute nicht, weil es eben zu viele Ungereimtheiten gibt in diesen demokratischen Staat. Und ein Pfaffe hat meine Dienstzeit beendet, was ihm nicht zustand. Deshalb bin ich heute noch total intolerant geben Kirche & Co. Ich betrachte die Kirchen als Baudenkmäler der Geschichte aber mehr auch nicht.
Ich bin halt etwas verschnupft bei diesem Thema, aber es tut auch mal gut Dampf abzulassen.
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Poseidon » Sonntag 9. November 2014, 18:24

@stolteraa hat geschrieben: Ich habe oft darüber nachgedacht, wie es möglich war, dass wir so wenig von der wirklichen ökonomischen Situation unserer Republik mitbekommen haben.

Manchmal haben wir, damit meine ich fast alle Mitarbeiter der GST-Presse (Funkamateur, Fliegerrevue, Poseidon, modellbau heute, Visier, Sport und Technik usw.) angenommen, dem ZK und Politbüro ging es auch so: Sie haben nichts mitbekommen. Da nämlich die unteren Chargen dieser Institutionen zur Wahrung ihrer Existenzen ihren „Chefs“ die Situation nicht benannt sondern umschrieben haben...
Im Gegensatz zu @stolteraa hatten wir schon recht frühzeitig einiges mitbekommen: Da die von uns sehr oft besuchten Sektionen der GST fast ausschließlich Betrieben und Kombinaten angeschlossen waren, hörten wir in den nicht für unsere Reportagen und Berichten gedachten Gesprächen von Missständen und Behelfen, von Materialmangel und schlechten Arbeitsbedingungen, über die wir ansonsten nirgendwo kundig wurden. Und es waren nicht nur die GST-Mitglieder, die ihren Ärger über Zustände im Betrieb schilderten, es waren auch Leiter bis hin zum Kombinatsdirektor...
In den Arbeitsbesprechungen aller unserer Zeitschriften kamen die Ergebnisse solcher Informationen zusammen, addierten sich zu einem Gesamtbild der Situation. Bereits im Frühsommer 1989 fanden wir keinen Weg mehr, diese Erkenntnisse mit der von uns geforderten Darstellung des Lebens in der DDR oder der Republik selbst in Einklang zu bringen.
In einem Brief aller Redakteure an die für uns zuständige Abteilung des ZK der SED forderten wir Erläuterungen. Die bekamen wir etwas später mit einem Tribunal über alle Chefredakteure. Die Reaktionen beider Seiten will ich nicht mal andeuten - es kam zu keinem Konsens, nur zu Kompromissen, da wir im Interesse unserer Leser die Zeitschriften erhalten wollten...
Den 9. November 89 übrigens haben meine Frau und ich fast verschlafen. Erst als gegen 02:00 morgens das Telefon läutete und unser (erwachsener) Sohn uns fröhlich mitteilte, er sei gerade bei seiner Oma, fuhr uns der Schreck in die Glieder - Oma wohnte in Westberlin... Nun ja, wenige Tage später besuchten wir auch Oma.
Der heutige Jubeltag? Wir haben die im Briefkasten steckende Sonderausgabe der BILD entsorgt (Handschuhe!) und waren dann im Herbstwald am Liepnitzsee wandern. Ein wunderschöner Tag!



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Hauck » Sonntag 9. November 2014, 18:32

Hallo Thommy,

Du hast geschrieben,


Ende der 90'er Ehe geschieden, Haus wech, beide Kinder nur an den per Gericht dafür vereinbarten Wochenenden sehen dürfen = der Preis


Ich denke jeder hat für die neue Zeit seinen Preis gezahlt oder erhalten,
Ich hätte auch niemals das was ich heute habe in der alten Zeit bekommen, jedoch bin ich der Meinung, wenn hier schon so eine Diskussion
erfolgt, wir uns nicht gegenseitig beleidigen sollte.

Dein Text,

Du hast es sicher gaaanz schwer im heutigen Deutschland mit Deinen verquasten durcheinander gewirbelten Ansichten von gestern, sorry!


Sie Dir mal die Dienstzeit an und erechne daraus mal das Alter von Foxderringer an, wir hatten ja Mathematik auch in der alten Zeit.

Man sollte hier auch Respekt haben und nicht nur von anderen fordern,
denn dann finden wir hier bald keine Schreiber mehr.
Es gilt auch heute noch, der Ton macht die Musik.

Ich mußte dies mal los werden.


Gruß
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Eddy » Sonntag 9. November 2014, 19:19

Es gibt da noch etwas, was ich nicht akzeptiere. Einige Bürgerrechtler behaupten, sie hätten den Waffeneinsatz der NVA gegen das Volk verhindert. Irren ist menschlich sprach der Igel und stieg von der Drahtbürste.
Generaloberst Strelitz.pdf

Admiral Hoffmann.pdf

Generalleuntant Grätz.pdf

Bis denne
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Admins entschuldigt die Größe der Dateien aber der Situation entsprechend sind sie noch zu klein!
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Hogo » Sonntag 9. November 2014, 20:03

Ja, Reisefreiheit und Bananen. Das wollten die ehemaligen DDR Bürger? Sie wollten die DDR ändern, das ganze kippte erst, als Kohl sich ab Januar 1990 einmischte. Dabei wollten sie, die DDR Bürger, aber auch niedrige Mieten, sichere Arbeitsplätze und ein gutes Kinderbetreuungssystem behalten.War es das Wert? Die Existenz der DDR hat auch mit dafür gesorgt, sicher für die einzelnen nicht immer bequem, das wir über 40 Jahre ein relativ stabiles Sicherheitssystem in der Welt hatten. Danach ging es doch nur noch drunter und drüber. Und bei diesem ganzen Getue heute, die, die damals auf der Strasse waren und die DDR ändern wollten, waren doch die ersten, die die negativen Seiten des neuen Systems kennen lernten. Wo sind die denn auf den ganzen Festveranstaltungen? Es war auch keine Vereinigung auf Augenhöhe, es war ein Beitritt zu einem schon leidenden maroden System, welches sich durch die Einverleibung der DDR sanierte. Es gibt ein sehr gutes Buch eines italienischen Wissenschaftlers, der sich damit beschäftigt hat.
Siehst Du hier https://www.jungewelt.de/schwerpunkt/modell-genickbruch
Nehmt Euch ruhig die Zeit und lest Euch das mal durch. Und, Thommy, auch heute wirst Du Dir sehr wohl überlegen wo Du deine Meinung sagst. Über das Niveau des Schulsystems brauchen wir uns, glaube ich, nicht zu unterhalten. Im übrigen bin ich mit Hauk einer Meinung was den Ton betrifft.



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Hogo » Sonntag 9. November 2014, 20:15

Hogo hat geschrieben:Ja, Reisefreiheit und Bananen. Das wollten die ehemaligen DDR Bürger? Sie wollten die DDR ändern, das ganze kippte erst, als Kohl sich ab Januar 1990 einmischte. Dabei wollten sie, die DDR Bürger, aber auch niedrige Mieten, sichere Arbeitsplätze und ein gutes Kinderbetreuungssystem behalten.War es das Wert? Die Existenz der DDR hat auch mit dafür gesorgt, sicher für die einzelnen nicht immer bequem, das wir über 40 Jahre ein relativ stabiles Sicherheitssystem in der Welt hatten. Danach ging es doch nur noch drunter und drüber. Und bei diesem ganzen Getue heute, die, die damals auf der Strasse waren und die DDR ändern wollten, waren doch die ersten, die die negativen Seiten des neuen Systems kennen lernten. Wo sind die denn auf den ganzen Festveranstaltungen? Es war auch keine Vereinigung auf Augenhöhe, es war ein Beitritt zu einem schon leidenden maroden System, welches sich durch die Einverleibung der DDR sanierte. Es gibt ein sehr gutes Buch eines italienischen Wissenschaftlers, der sich damit beschäftigt hat.
Siehst Du hier https://www.jungewelt.de/schwerpunkt/modell-genickbruch
Nehmt Euch ruhig die Zeit und lest Euch das mal durch. Und, Thommy, auch heute wirst Du Dir sehr wohl überlegen wo Du deine Meinung sagst. Über das Niveau des Schulsystems brauchen wir uns, glaube ich, nicht zu unterhalten. Im übrigen bin ich mit Hauk einer Meinung was den Ton betrifft.

Ach so, hier auch noch etwas zur Wirtschaft der DDR. http://archiv.jungewelt.de/2014/09-27/026.php
Die Artikel in der JW sind zwar immer etwas lang, dafür aber inhaltsvoll.



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