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Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Freitag 17. April 2015, 07:53
von Ole
Hallo, Eddy,

zur Pflege und intensiven Benutzung der maritimen Sprache während unserer Ausbildung an der OHS fällt mir ein nachhaltiger Spruch unseres Fachlehrers für seemännische Schiffsführung, Freg.Kpt. Unger ein:

" Genossen Offiziersschüler, das Taschenmesser eines Seemanns wird stets in der Steuerbord-Hosentasche gefahren. "

Ich denke, daran hat sich danach wohl auch jeder gehalten.

Grüße

Ole

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Freitag 17. April 2015, 10:53
von Dietrich Lücke
Ich habe Kommander Michaels Anregung aufgegriffen und im "Seesack" das Ferienlagertema platziert.
Gruß Dieter

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Freitag 17. April 2015, 16:06
von Nordperd
Gut Eddy, dass Du das Thema wieder auf die richtige Spur gebracht hast. :genau:
Und Dein Beitrag (30/32) hat mir bei manchen Begriffen schon ein Schmunzeln gebracht. Die Bärenf... war/ist aber doch wohl kein offizieller maritimer Begriff.
Die wohl bekannten Begriffe weckten gleich wieder die Erinnerungen an meinen Einzug in Parow. Alles war neu und schon deswegen war aus meiner Sicht damals Vorsicht geboten.
Die erstbeste Gelegenheit nutzte ich mit 3-4 Kameraden um uns den Hafen anzusehen. Was da so an Schiffen und Booten lag, weis ich heute nicht mehr. Aber auf jeden Fall lag da (Nov.1967) u.a. ein Wohnschiff. Von Matrosen, die uns zweifelsfrei als Frischlinge erkannt hatten,wurden wir auf das Schiff in eine Kammer eingeladen und es ergab sich ein freundliches Gespräch. Plötzlich stand ein Matrose auf und lud einen von uns ein mit ihm das Kielschwein füttern zu gehen. Da das aber etwas zögerlich vorgetragen wurde, ahnten wir schon einen Hinterhalt und keiner ging mit.

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Freitag 17. April 2015, 20:14
von stolteraa
Ole hat geschrieben:... zur Pflege und intensiven Benutzung der maritimen Sprache während unserer Ausbildung an der OHS fällt mir ein nachhaltiger Spruch unseres Fachlehrers für seemännische Schiffsführung, Freg.Kpt. Unger ein:...

Danke dir, Ole, für diese hervorragende Gedankenanregung. Abgesehen von seiner äußerst militärisch exakten, manchmal schon theatralischen Sprechweise, über die wir uns häufig köstlich amüsierten, hatte er noch ganz andere Sprüche auf Lager, von denen mir aufgrund deines Beitrages sofort eine einfiel.
Zu seinem Lehrpensum gehörten ja auch Seerecht und Nationales sowie Internationales Signalbuch. Heute kenne ich nicht mehr viele Buchstaben des Flaggen ABC, aber außer den während unsers Verbandsfahren gebräuchlichen Flaggen werde ich wohl eine niemals vergessen: Den Buchstaben "Ö" wie "Ödipus" - oder eben "Öse", denn dazu zelebrierte er in seiner unnachahmlichen schnarrenden Sprechweise: "Flagge ÖSE - eine weiße Flagge mit roter M...". Gruß stolteraa

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Freitag 17. April 2015, 21:50
von Pumpengast
Ich denke eine der wichtigsten Lektionen, die man auch lernen musste wenn man neu an Bord kam,
war wohl die Begriffe „Wahrschau, Aufwärts oder Abwärts“ gezielt zu verwenden.
Es half zumindest die Anzahl schmerzhafter Zusammenstöße zu minimieren.
Ein Allheilmittel war es aber auch nicht, Leider!

MfG. Pumpengast :sachsen:

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Montag 20. April 2015, 07:48
von Ole
Hallo Stolteraa,

wie das meistens so ist, Diskussion über bestimmte Themen und im konkreten Fall auch über Personen weckt neue Erinnerungen.Ich beziehe mich also noch einmal auf den besagten Lehroffizier FK Unger.Da er in seiner unnachahmlichen Art und Weise die theoretische und praktische Ausbildung immer wieder mit seinen Sprüchen belebte,hatten wir eines Tages die Idee,sie aufzuschreiben und zu unserer Ernennungsfete in Form eines ( heute würde man sagen ) Sketches auf der Bühne vorzutragen.Das klappte auch alles wie geprobt und wir hatten die Lacher auf unserer Seite.Dass auch er für jeden Spaß zugänglich war, auch wenn es letztlich um ihn selbst ging,bewies er mit einer Einladung an mich und meinen Kumpel " Jinks G " an die Bar zu einem Umtrunk.
Abschließend also aus meiner Erinnerung noch ein paar seiner interessantesten Aussagen:
- Genossen Offiziersschüler, kaufen Sie sich schon rechtzeitig eine Batteriepfeife, aber keine aus Bakelit , denn so etwas wird von einem Seemann grundsätzlich abgelehnt !
In den Pausen unterhielten wir uns u.A. auch zu einem Thema , welches besonders im 3.Lehrjahr, nach dem Uniform-Wechsel eine Rolle spielte: Kann man zum Uniform-Mantel auch einen weißen Schal tragen ? Als er das hörte, hatte er schnell folgende Antwort parat: " im Prinzip , ja, aber das tragen nur Offiziersschüler und ganz junge Marschierer ! "
Während der praktischen Ausbildung ( z.B. Training von An-und Ablegemanövern mit der Barkasse im kleinen Hafen an der OHS ) stand er auf der Pier, genüsslich seine Zigarette rauchend und nannte den Verursacher des schlechtesten Manövers auch schon mal einen Dünnbrett-Bohrer.Das alles jedoch mit der entsprechenden Autorität und im Nachhinein mit einem verschmitzten Lächeln in den Mundwinkeln.

Ole

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Donnerstag 23. April 2015, 16:30
von stolteraa
Ole hat geschrieben:... genüsslich seine Zigarette rauchend ... Das alles jedoch mit der entsprechenden Autorität und im Nachhinein mit einem verschmitzten Lächeln in den Mundwinkeln...

Unvergessen die Art, wie er seine Zigarette zwischen den Fingern hielt und die anderen Finger leicht abspreizte. Du hast absolut recht - an seiner Autorität hat niemand gezweifelt und auch wenn wir uns über ihn und seine "knarrende" Stimme - besonders wenn er Anekdoten erzählte oder uns seemännisch imponieren wollte - köstlich amüsierten - für uns war er die Koryphäe auf seinem Gebiet. Mir sind noch einige Teile seiner Sprüche in Erinnerung und wenn sie mir wieder komplett einfallen, melde ich mich wieder. Gruß stolteraa

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Donnerstag 23. April 2015, 19:37
von kommandant924
Einer fällt mir spontan ein:
"Genossen Offiziersschüler, wenn Sie glauben, das ich mich mit meiner Frau im Ehebett in dem gleichen Tonfall unterhalte, dann irren Sie!"
Anbei noch ein Foto von ihm auf der Großen Fahrt 1984 im Mittelmeer, kurz bevor die Taufe begann.

CIMG5041.JPG

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Dienstag 17. November 2015, 10:54
von Monza
Es kam gelegentlich vor, dass man nach einem Landgang im Unterricht einschlief. FK Unger stellte sich dann mit einem Zeigestock vor den Tisch des betreffenden und begann mit leiser Stimme immer lauter werdend: „Seemann lüft an das Gatt“. Die Reaktion des OS war in diesem Fall 0. Da schlug er mit dem Zeigestock auf die Tischplatte dabei brach die Spitze ab und der Delinquent stand stramm. Er musste dann unter Aufsicht des Zughelfers 3 Runden um das Lehrgebäude laufen, wobei der Zughelfer jede gelaufene Runde an FK Unger ausrufen musste.
In Erinnerung geblieben ist mir auch seine Demonstratin des Backsens mit 2 Propellern. Bei der er auf der Stelle trampelte, sich dabei drehend mal die eine oder die andere Schulter vorschob. Das war absolut sehenswert.
Als wir die ersten Borddokumente für das KTS im 4. Lehrjahr für den Unterricht erhielten referierte er über die Bootsausrüstung. Insbesondere hatten es die im Kommandantenkoffer befindlichen Sonnenbrillen angetan: „Sehen Sie Gen. OS der Kommandant hat eine Sonnenbrille mit 50 Umbral, eine mit 35 Umbral und eine mit 20 Umbral und damit ist er an jede Sonnenlage auf See angepasst.“
Auch die „überlangen “KTS Bootshaken haben ihn sehr beeindruckt. In unserem Bordpraktikum haben wir damals eine erste Ausfahrt mit Rainertheo gemacht. Beim Anlegen machte uns FK Unger darauf aufmerksam, dass wir das Anlegemanöver von Rainertheho später nicht wiederholen sollen. Dazu nimmt man die Bootshaken und zieht sich an die Pier. Auf keinen Fall fährt man so dicht heran, dass die Besatzung die Bootsleinen per Hand übergeben kann.

Re: Maritimes Brauchtum in der Volksmarine / Schnellboote

BeitragVerfasst: Dienstag 17. November 2015, 11:41
von kommandant924
Gerd, die Tränen der Schnellbootsfahrer, Fahrtwind bedingt - immer waagerecht nach hinten.
Er machte anschaulichsten Unterricht, durch manchmal ein wenig Übertreibung, aber das bleibt haften. :genau: