Bierfass über Bord

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Bierfass über Bord

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Beitragvon Helmut42 » Dienstag 13. August 2019, 11:09

Ut de Marinetied
Eine Kuriosität zum Schmunzeln

Mein Stationierungsort war Peenemünde Nordhafen – Anfang der 1960er Jahre .Meine ehemaligen Kameraden werden wohl bestätigen,das dieses dezentral im Sperrgebiet gelegene Territorium ohne sportliche,kulturelle und soziale Einrichtungen ziemlich trostlos war.
Wir als Stammbesatzung von zwei RS Booten, ein Wohnschiff mit Stammbesatzung ( H-62 ), einige sowjetische Berater und ab und zu Marinetaucher waren vor Ort. Also eine überschaubare Gruppierung .
Dennoch muß ich sagen das die Zeit die ich hier verbrachte interessant und abwechslungsreich war. Als Mot. Maat beschäftigte ich mich im Dienst u.a. mit dem Rollentraining im GA V
Unsere Landgänge vollzogen sich vor allem nach Zinnowitz .Als Urlaubszentrum war hier immer was los. Wenn wir für das Klubhaus „Glück auf" eine Eintrittskarte ergattern konnten,waren wir froh ,( Es wurden immer 10 Stück an Matrose verkauft )
Wer nicht an Land ging verbrachte seine Freizeit mit den Kameraden im Objekt.
Das „ Bolzen“ auch mit unseren sowj. Freunden , Pilze sammeln , Skat und Schach spielen waren Aktivitäten zum Zeitvertreib.
Den Befehl 30 ( Alkoholverbot ) gab es noch nicht !
Demzufolge konnten wir auch u.a. unseren Bedarf an Flaschen – oder Fassbier abdecken. Vom Leiter der Bordkantine ,er war einer von uns ,konnten wir auch an den Wochenenden ein Fläschchen Bärenfang oder Klaren als „Bückware „ kaufen.
Das Flaschen -und Fassbier hat der Leiter der Bordkantine und Gehilfen mit einer Barkasse im Ort Kröslin oder Freest eingekauft.
Als Zugabe gab es auch oft von hier frischen Räucherfisch.
Nach solch einen Einkauf passierte etwas sonderbares. Ein 50 Literfass ging beim Hieven auf das Wohnschiff außenbords.
Ein Abschreiben kam natürlich nicht infrage .
Glücklicherweise leisteten einige Taucher sozialistische Hilfe Mit raffinierten Hilfsmitteln wurde das Fass am schlammigen Grund gefunden ,gesichert und nach oben befördert.Nach gründlicher Reinigung wurde es mit Beifall der dortigen Bordkantine zugeführt.
Freibier war der Lohn für diese heldenhafte Bergungsaktion. Künftige Fasslieferungen wurden mit besonderer Sicherung erledigt.
Noch lange wurde über diese außergewöhnliche Rettungsaktion ,sicher auch mit einigen sehr fragwürdigen Zeugenberichten, gesprochen.

Helmut 42



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Re: Bierfass über Bord

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Beitragvon Horst A. » Dienstag 13. August 2019, 15:23

Tatsächlich Helmut kommen jetzt wieder ein paar Erinnerungen hoch und du hast es alles
prima beschrieben. Natürlich waren noch ein paar Figuren mehr
im Nordhafen, denn neben den
von dir beschrieben Besatzungen gab es ja auch schon die sogenannten "Traumschiffer" die
auch schon zu grossen Teilen als Besatzungen zusammengestellt waren und laufend
aufgefüllt wurden.
Neben dem von dir beschriebenen FDGB Heim war auch die Vineta Bar in Koserow ein sehr
beliebter Zielort für durstige Lords.
Ansonsten sehr schön ein wenig in Erinnerungen zu kramen und vielleicht kann man damit
wieder ein paar Mosaiksteine zusammensetzen.
Gruß Horst A.
]"Die Verachtung der Natur ist ein Irrtum unserer Vernunft (Clapiers)



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Re: Bierfass über Bord

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Beitragvon Helmut42 » Dienstag 13. August 2019, 16:45

Hallo Ali

Klar , die VINETA Bar in Koserow ist auch für mich ein Begriff . Hier war doch für viele Lords aus Peenemünde ein
beliebter Treffpunkt .
Sehr gerne waren wir auch Samstags im Ferienobjekt " Zum Leuchtturm " In Kölpinsee zum Tanztee .Hier waren immer
Krankenschwestern von einer Schwesternschule aus Zinnowitz präsent !!!
Es war einfach eine tolle Zeit doch lang - lang ist"s her .
Wir Matrosen waren eigentlich immer gern gesehene und friedliche Gäste.


s



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Re: Bierfass über Bord

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Beitragvon Nordperd » Donnerstag 15. August 2019, 17:34

Helmut42 hat geschrieben: ..... Wir Matrosen waren eigentlich immer gern gesehene und friedliche Gäste.



Helmut, da habt ihr ja noch "rosige" Zeiten erlebt. Als ich`68 in die 6.Flottille kam, war sie in Dranske. Gern gesehen ??? In Dranske Ort konnte man das HDA nur meiden. Beim Landgang in Altenkirchen gab es oft Keilerei mit den Fischern. Also fuhren wir bis Juliusruh, wo die Auswahl an Gastlichkeiten nicht gerade groß war. Ins Kurhaus lies man uns erst gar nicht rein. Und auch bei "Bärbel" waren wir dann in der Überzahl und mussten um einen Platz kämpfen :duell:
Als einmal das Vergnügen auf der Strecke blieb, besorgte einer von uns (4 oder 5 Mann ) eine Flasche Weinbrand und zurück gings per Pedes Richtung Dranske. Unterwegs - die Blase drückte - wurde die in Papier eingewickelte Flasche einem anderen Molli übergeben. Der aber hatte nicht schnell genug zugefasst und die Flasche zerschellte auf der Straße. Die ganz Durstigen gingen in den Liegestütz und schlürften die restliche Kostbarkeit vom Asphalt. :daun: :augenzuhalt:
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In dieser Zeit u.a.: Schulboot in Parow, Torpedoerprobung Saßnitz, Werft Wolgast



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Re: Bierfass über Bord

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Beitragvon Kennedy » Donnerstag 15. August 2019, 23:17

Ja, Peenemünde-Nord. Bin jedes Jahr so 2x in Wolgast und jedesmal fahre ich -solange die Schranke noch offen ist- in unseren alten Nordhafen. Übrigens haben wir das Bier nicht mit der Barkasse geholt, sondern mit dem Motordingi.
Beliebt war auch das Segeln mit dem K 10, oft trugen wir dabei so schwarze sowjetische Schwimmjacken statt Schwimmweste.
M.W. konnten alle, die keinen der kontigentierten Plätze in den FDGB-Einrichtungen ergattern konnten, nur noch in das "Deutsche Haus" in Zinnowitz ausweichen. Das war auch danach...
Mein Freund Horst Ungelenk, 1. Mot-Gast, kannte sich mit Pilzen aus und so haben wir welche gesammelt und auch Kremplinge nicht verachtet, die erst gekocht und dann gebraten worden sind, wozu wir Wohnschiffskoch Grieser von H-63 überreden konnten.
Zeitweise war ich der Postholer der Abteilung, eingeteilt vom damaligen PV der 3.RSA, Oberleutnant z. See Maul.
Mit dem leeren Seesack ging es zur Post nach Pennemünde-Dorf und dort wurde die Post dann entgegengenommen, manche Päckchen habe ich mir um den Hals gehangen. An einem Montag bemerkte ich, dass ein Päckchen von beiden Seiten ein Loch hatte: Eine Maus hatte sich übers Wochenende durchgefressen.-
Etwa in der Mitte des Postenweges am Zaun, parallel zur langen Pier hatten pfiffige Seeleute eine alte Lkw-Bank plaziert und da konnte es sich der Posten gemütlich machen. Über der Bank der Verschluss einer Gasflasche mit einer Schraube drin. Von da ging ein Draht zum berüchtigten Wachlokal in Gestalt eines Eisenbahnwagens und dieser Draht war wiederum an einer kleinen krummen Birke befestigt. Wenn Postenkontrolle im Anzug war, dann zog der Posten Schlagbaum an der Birke und der auf der Bank war gewarnt.
Kam der BCH, dann trat die Wache raus, präsentierte und der wachhabende Maat oder Obermaat machte Meldung. Die Decken im Eisenbahnwagen haben wohl kaum eine Reinigung gesehen, Filzläuse waren die Folge.
Damals hatten wir noch die grünen Sonderausweise, die nach meiner Erinnerung bei Landgang am Eisenbahnwagen abzugeben waren. Dafür bekam man eine Blechmarke.
Mitunter waren wir eingefrohren und es kam auch kein Tanker mit Wasser ran. Da half die TA mit einem Tankwagen für Wasser und das holten wir dann in Karlshagen von den Luftstreitkräften. Mitunter gab es auch für einige Tage nur kaltes Wasser.- Es war eine spannende Zeit, gerade am Anfang. Ich sehe mich noch heute mit Hose Bordpäckchen blau, Pullover und gewaltige Zigarre im Mund am Spillkopf beim Verholen von H-63, dessen Fäkalien dann auf See entsorgt worden sind. Vorher war für die Bootsbesatzungen (die mit rausgefahren sind auf dem Plaatsch) MKE angesagt, also Springen vom Oberdeck usw.
Gelegentlich wurden Filme gezeigt, Sport wurde getrieben, andere bauten aus Blech Modelle der alten TS. Im Winter übrigens lag eine TS-Abteilung vor der großen Halle auf Slip. Die sowjetischen Spezialisten angelten gern und hatten auch mitunter einen kleinen getrockneten Fisch in der Tasche für zwischendurch. Wenn bei denen auf dem Offiziersdeck die Türen der Kammern geöffnet worden sind, kam in der Regel eine gewaltige Wolke eines sehr aufdringlichen Parfüms in die Nase.

Soviel für heute

Grüße

Kennedy



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