nach 46 Jahren

lange nichts voneinander gehört und trotzdem wiedererkannt!

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nach 46 Jahren

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Beitragvon gerald » Mittwoch 31. Juli 2019, 15:31

Ein besonderes Treffen :ok:

Als es am 28. Januar 1973 zu einem Brand auf dem MLR- Schiff Krake mit dem Namen „Karl-Marx-Stadt 224 kam, war es unserer Kamerad Hans-Georg Brennert (Brummi), der das Schiff und die Besatzung gerettet und unter Einsatz seines Lebens vor Schlimmeren bewahrt und dabei schwerste Verbrennungen erlitten hat.
Durch Versetzung in andere Einheiten oder Beendigung der Armeezeit haben wir uns aus den Augen verloren, jedoch nicht die Erinnerungen und die Sorge um unseren Kameraden. Vermutlich wird niemand, der an diesem Tag auf dem Schiff war, diese Erlebnisse vergessen, denn sie waren sehr bewegend und mancher machte sich all die Zeit seine Gedanken, wie es unserem Brummi wohl geht.
Trotzdem mussten sage und schreibe ganze 46 Jahre vergehen, bis es zu einem Treffen einiger Kameraden kam!
Einen schöneren Ort, als das Erzgebirge, der Heimat von Rolf Weinhold (Sani und Brummis Lebensretter), kann man sich hierfür kaum vorstellen. Hans- Georg nahm dafür sogar die längste Anfahrt von allen auf sich, denn er kam von der Ostsee. Werner Hübel (Fahrmaat) kam aus dem Spreewald, Wolfgang Benser (Bootsmann) aus Eberswalde, Horst Herold (Signalmaat) aus Chemnitz und ich, Gerald Frankenberg (Ari-Gast) aus Thüringen. Groß war die Freude, als wir uns alle bei Rolf, gemeinsam mit unseren Frauen, trafen. Bis tief in die Nacht mit zwischenzeitlich leckerem Essen und mit entsprechend ausreichenden Flüssigkeiten wurde geredet, gelacht und sogar an einem kleinen Feuer gesungen!
Am nächsten Tag unternahmen wir gemeinsam einen größeren Ausflug in die nähere Umgebung, unter anderem zum Hotel von Jens Weisflog, dem Floh von Oberwiesenthal. Wir genossen die Landschaft und die Ausblicke vom Fichtelberg und vom Keilsberg in Tschechien.
Alles in allem waren es wunderschöne und unvergessene Stunden und Eindrücke, und alle waren sich einig, dass das nächste Treffen nicht erst in 46 Jahren stattfinden soll! :genau:

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Re: nach 46 Jahren

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Beitragvon Eddy » Mittwoch 31. Juli 2019, 19:59

Danke Gerald,
für diese Erinnerungen. Es ist doch immer wieder interessant, wer sich so nach so vielen Jahren wieder trifft und dann steckt noch diese Geschichte von 1973 mit drin.

Stabsmatrose Schaarschmidt, der E-Gast, nahm eine starke Rauchentwicklung in Höhe des Abgasturboladers an der Steuerbordhauptmaschine wahr. Infolge eines Materialfehlers hatte der in einer Pumpe herrschende Druck von Dieselkraftstoff die Dichtung auf einer Länge von 5 mm durchbrochen. Fächerartig sprühte ein DK-Strahl auf die bis zu 380°C erhitzten Teile der laufenden Maschine. Rauch und Brennstoff vermischten sich zu einer undurchsichtigen Wand. Der Stabsmatrose meldete dem Fahrmaaten, Obermaat Hans-Georg Bremert, unverzüglich in klarer und konkreter Form den festgestellten Schaden.
Zu diesem Zeitpunkt sah der Mot-Gast, Stabsmatrose Kretzschmar, an der Abgasleitung einen Feuerschein. Der Dieselkraftstoff, dessen Flammpunkt bei maximal 60°C liegt, hatte sich entzündet. Wie eine Feuerwalze fraßen sich die Flammen im Nu bis zum Fahrstand. Die Augen der drei Genossen im GA-V begannen zu tränen. Atemnot bemächtigte sich ihrer.
Der Wachleiter, Obermaat Bremert, erkannte die ungeheure Gefahr für Schiff und Besatzung, denn Tausende Liter Dieselkraftstoff befanden sich in der Nähe des Brandherdes. Plötzlich kam es zur Verpuffung und schlagartig stand der Maschinenraum von den Flurplatten bis zur Decke in Flammen. Während der Fahrmaat zur Steuerbordmaschine eilte, um sie zu stoppen, befahl er seinen beiden Matrosen, unverzüglich ihre Gefechtsstation zu verlassen. Als sie das Schott öffneten, wurden sie von Feuer und Rauchschwaden begleitet.
Maat Sidon, der in unmittelbarer Nähe seinen Posten als Diensthabender des Schiffes bezogen hatte, beurteilte die entstandene gefährliche Lage sofort richtig. Er wollte zur Telefonhörer greifen, den Hauptbefehlsstand anwählen … doch das schien ihm zu viel Zeit zu kosten. Mit dem Ruf „Feuer im Schiff!“ stürzte er auf die Brücke und meldete dem Kommandanten, Oberleutnant Dziuballa, kurz und exakt. Fünfzehnmal ertönte das Signal „IDA“ durch das Schiff, und ein jeder an Bord wusste, ohne in Panik zu verfallen, was er zu tun hatte, und tat es, rollenmäßig, pflichtgemäß.
Zwei Minuten waren seit dem Ausbruch des Feuers vergangen. Im Maschinenraum kämpfte Obermaat Bremert weiter im Flammenmeer. Nachdem er den Betrieb der Steuerbordmaschine unterbrochen hatte, lief er um den Maschinenblock herum, um das oberhalb der Handkolbenpumpe angebrachte und offenstehende Absperrventil zu schließen und damit die Zufuhr von Kraftstoff in die defekte Leitung zu unterbinden. Seine mit Dieselkraftstoff getränkte Uniform fing Feuer. Aber erst nachdem er seine Pflicht als Wachleiter voll erfüllt hatte, stürzte er, wie eine Fackel am ganzen Körper brennend, aus seiner Gefechtsstation. Noch auf dem Seitengang rief er dem Leitenden Ingenieur, um zu melden, dass sich niemand mehr im Maschinenraum befindet – eine notwendige Information, bevor die Brandbekämpfung mit der Gasfeuerlöschanlage beginnen konnte.
Gleichzeitig hatte Stabsmatrose Kretzschmar, trotz Verbrennungen im Gesicht und an den Händen, die Oberlichter des Maschinenraumes geschlossen und dadurch die Zufuhr von Sauerstoff in den GA-V unterbrochen.
Der LI befahl die notwendigen Maßnahmen zur Brandbekämpfung und lies Teile des Oberdecks, Schottwände und Seitengänge mit Wasser kühlen. Der Farbanstrich an der Außenhaut bildete durch die entstandene Hitze schon Blasen. Das Kommando sah den brennenden Obermaat und richtete sofort die Wasserschläuche an ihn und löschte seine Kleidung.
Die Gasfeuerlöschanlage erstickte den Brand sehr schnell und eine folgenschwere Katastrophe konnte verhindert werden.
Jeder Handgriff saß und alle bewahrten die Ruhe trotz der entstandenen kritischen Situation, jeder wusste worum es geht und das Schiff sowie die Besatzung in Gefahr waren. Der Kommandant ließ sofort nach dem Löschen das Schiff in Richtung Hafen ablaufen, um die Verletzen Besatzungsangehörigen in medizinische Betreuung zu bringen. Während dieser Überfahrt betreute der Sanitätsmaat Ralf Weinhold den schwerverletzten Obermaat Bremert. Dieser hatte schwere Brandwunden, zu 35 % Verbrennungen 3. Grades und zu 25 % 2. Grades. Die Ärzte des Rostocker Bezirkskrankenhauses, die den Schwerverletzten übernahmen, sprachen dem Sanitätsmaat hohe Anerkennung aus.
Bei allen Verletzten, auch bei Obermaat Bremert, verheilten die Wunden und alle konnten ihre Aufgaben wieder erfüllen.


1973 NVABremert.jpg


Ich wünsche Eurer Truppe immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel und noch viele schöne Treffen.
:salut: Eddy von der großen Insel
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Re: nach 46 Jahren

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Beitragvon Kennedy » Mittwoch 31. Juli 2019, 20:11

Danke für diesen bewegenden Bericht und die darin beschriebenen Heldentaten; denn das waren sie und sie dürfen nicht vergessen werden. Sie sind Bestandteil unserer Marinegeschichte.
Ich bin mir sicher, dass unser Admiral Theo beim Treffen gern unter Euch gewesen wäre.

Grüße

Kennedy



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Re: nach 46 Jahren

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Beitragvon Sir Henry » Donnerstag 1. August 2019, 22:21

Hallo Gerald,
Dankeschön !! Sehr gut geschrieben der Beitrag.

Es ist auch gut das man heute darüber reden kann. Ich weiß du hast mit viel Mühe und Zeit verbraucht zur Recherche.
Ich wünsche Euch noch viele Treffen in gemeinsamer Runde.
Pflegt eurer Freund und Tradion.

Gruß sir henry
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Re: nach 46 Jahren

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Beitragvon sierann » Sonntag 4. August 2019, 19:52

Hallo Gerald,

was für eine Geschichte,, und was für eine tolle Kameradschaft!

Ich bin total berührt, auch von Eddys näherer Erläuterung zu diesem Ereignis,

und wünsche Euch, daß ihr noch viele solche schönen Treffen durchführen könnt.

Schöne Grüße
Siggi
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Re: nach 46 Jahren

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Beitragvon gerald » Montag 12. August 2019, 11:50

Moin Kameraden :ahoi:

Danke für euere Meinung und Wünsche.
Ich möchte euch dieses Buch ans Herz legen,wer sich für den Brand interessiert.
Dieter Flor hat die Vorkommnisse von damals Überarbeitet und meiner Meinung nach war es genau so,wie er es beschrieben.
https://koehler-mittler-shop.de/shop/ko ... -seefahrt/
Viele Grüße aus der Saalestadt Saalfeld :thueringen:
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