Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon murzy » Mittwoch 17. April 2019, 10:22

eine interessante Begebenheit

Die IOWA in der Ostsee
Ständiges NATO Manöver US-BALTROPS in der Ostsee
Eine Gesellschaft militärhistorisch interessierter Schweizer Bürger hat mich 2016 und 2018 um einen Vortrag über die 6. Flottille der Volksmarine der DDR gebeten, den ich gern gehalten habe. Das Publikum war fachkundig und äußerst interessiert. Man stellte mir Fragen, worin sich die Aggressivität der NATO sichtbar war. Aus meiner Zeit als Kommandant eines Schnellbootes in der zweiten Hälfte der 60ziger Jahre erzählte ich über Erlebnisse, die wir mit Booten und Schiffen der BRD als auch der Dänischen und Norwegischen Marine hatten. Zum Beispiel die ständigen NATO Manöver in der Ostsee vor unserer Haustür, Provokationen durch Schiffe und Boote gegenüber Einheiten der Volksmarine, äußerste Annäherung an unsere Hoheitsgewässer (3 Seemeilen von der Basisline) in deren Folge die DDR die Hoheitsgewässer auf 12 Seemeilen erhöhte.
In dem Zusammenhang habe ich auch über den Aufenthalt der US-IOWA während des NATO Manövers US-BALTOPS in der Ostsee und die Reaktion der Vereinten Ostseeflotte berichtet.
An die ständigen sich wiederholenden NATO Manöver im Ostseeraum waren wir gewöhnt und haben die notwendigen Maßnahmen der Gefechtsbereitschaft eingeleitet.
Aber die IOWA, ein US-amerikanisches Schlachtschiff, ausgerüstet mit Tomahawk Raketen mit einer Reichweite bis 2.500 km, einsetzbar gegen Landziele, wurde in der Vereinten Ostseeflotte sehr ernst genommen. Die drei Flotten wurden in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzt. Die Kräfte des Gefechtsdienstes entfalteten mit der Aufgabe der Aufklärung und ununterbrochenen Bereitschaft zur Führung eines Raketenschlages auf die IOWA.
Von der 6. Flottille war die 1. RTSB als SSG 601im Gefechtsdienst und entfaltete alarmmäßig in die Tromper Wiek. Wir haben unterhalb der Steilküste Stubbenkammer in gebührendem Abstand untereinander und zur Küste geankert. Alle Boote waren gefechtsbereit und innerhalb der RSB-Abteilung wurde ein Einsatzregime für die Raketen gefahren in dem der sofortige Start zweier Raketen gesichert war. Wir haben die IOWA tatsächlich ununterbrochen bis zum Verlassen der Ostsee mit scharfen Waffen begleitet. Unser rechter Nachbar war die 24. Brigade der Rotbanner Flotte, dann die Raketenkräfte der Polnischen Flotte und im Raum Baltijsk waren die Raketenkräfte der Rotbannerflotte dezentralisiert.
Die Handlungen der IOWA im Rahmen dieses Manövers mit tatsächlichem Einsatz der Schiffsartillerie im Seegebiet östlich Bornholm haben auf unseren Personalbestand einen glaubhaften Eindruck über die Ernsthaftigkeit Ihrer Absichten hinterlassen.
Das war realitätsnäher, als eine politische Propaganda es jemals beschreiben könnte.
Die Zuhörer waren beeindruckt. Derartige Handlungen der NATO waren ihnen bis dahin nicht bekannt.

Beste Grüße

murzy

[Beitrag moderiert, Eddy]



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon Pumpengast » Freitag 19. April 2019, 11:54

Pumpengast hat geschrieben:Bis zur mittleren Instandsetzung der Anlage auf Pr.1241 kann diese bei voller Stundenauslastung pro Jahr,
für die Marschturbinen bis zu 400 Bh und für die Gefechtsturbinen bis zu 200 Bh betrieben werden.
Die geplante Nutzungsfrist bis zur Verschrottung der Hauptantriebsanlage war auf 12 Jahre ausgelegt.*

MfG. Pumpengast :sachsen:

*BArch DVM 17-4/186075

Hier kommt noch ein kleines Update zu diesem Beitrag.
Nach dem Einlesen in die Materie, ist die Sache mit den Betriebsstunden doch etwas umfangreicher als ich erst gedacht hatte. Deshalb nur eine kurze Zusammenfassung.

Die Betriebsstunden werden aufgeteilt nach Getriebe bzw. Belastungszonen.
Das sind im Prinzip Kennfelder die sich aus dem gefahrenen Regime, der nominellen Last der Turbinen und der Drehzahl der Propellerwelle ergeben.

Das Fahren in den Zonen teilt sich pro Jahr wie folgt auf:
4 Zonen in Regime I = gesamt 120 Bh (GT und MT zusammen)
3 Zonen in Regime II = gesamt 80 Bh (GT)
2 Zonen in Regime III= gesamt 55 Bh (MT)
3 Zonen in Regime IV= gesamt 220 Bh (MT)

Daraus ergeben sich die 395 Bh und 200 Bh für Marsch und Gefechtsturbinenanlage.
Vor jedem Seetörn wurden die Stunden in den entsprechenden Regimen freigegeben.

Unter Ausnutzung der Betriebsstunden pro Jahr, war die mittlere Instandsetzung nach 5 Jahren, die Hauptinstandsetzung nach 10 Jahren für Turbinen und Getriebe geplant.
Die Hauptinstandsetzung entspricht dabei der Hälfte der Gesamtnutzungsdauer bis zur Verschrottung der Anlage.

MfG. Pumpengast :sachsen:



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon murzy » Dienstag 7. Mai 2019, 10:23

Hallo in die Runde,
hier einige Sätze zum Beginn meiner Dienstzeit als Offizier. Heute kann man darüber schmunzeln. Damals haben wir das anders gesehen.
Vielleicht war einer unter Euch dabei?

Meine erste Offiziersdienststellung

Nach der Ernennung zum Offizier wurde ich als Kommandant eines leichten Torpedoschnellbootes in die in Aufstellung befindliche LTS-Bootsbrigade der 6. Flottille versetzt. Die Brigade war in den Hafeneinrichtungen in Ribnitz Damgarten stationiert. Wir waren 30 neu ernannte Offiziere für drei geplante Abteilungen zu je 10 LTS Booten. Unsere Unterkunft war, man glaubt es kaum, für 10 Offiziere ein Raum, der ausgestattet war wie unsere Zimmer an der Offiziersschule. Davon hatten wir nicht geträumt. Es kam noch schlimmer. Da die Boote noch im Bau waren, vollzog sich unsere Ausbildung auf die Technik und die Einsatzformen theoretisch wie in der Spezialausbildung an der Schanze. Hauptinhalt war das Fahren von Torpedoangriffen auf der Planchette und das Schätzen des Angriffswinkels an einem Schiffsmodell auf einer Kreisscheibe mit Gradeinteilung. Der Ausbilder drehte das Schiff in unterschiedliche Kursrichtungen und wir schätzten an Hand der sichtbaren Schiffsaufbauten den Angriffswinkel und das über Monate.
Zweiter Ausbildungskomplex war das Studium der Geographie der südwestlichen Ostsee. Die Seegewässer, Bodden und Fahrwasser mit Ihren Einrichtungen und Wassertiefen waren auswendig zu lernen. Das war zweckmäßig, denn unsere Boote hatten wenig Hilfsmittel zum Navigieren.
Um die Ausbildung etwas aufzulockern, ließ sich unsere Führung etwas Besonderes einfallen. Sie ordnete Exerzierausbildung an. Wir fühlten uns wie Matrosen in der Grundausbildung. Unseren Protest haben wir durch lautes Anzählen der einzelnen Ausführungsschritte bei Wendungen auf der Stelle und in der Bewegung zum Ausdruck gebracht und das vor dem Fenster des Dienstraumes unseres Brigadechefs. Unser Gebrüll hat ihn überzeugt – der „Spaß“ war schnell zu Ende. Letztendlich hat man sich mit der Situation abgefunden und die Zeit bis zur Auslieferung der Boote so weit wie möglich nützlich verbracht. Die Truppe ist zusammengewachsen und hat in der Folgezeit in der 6. Flottille Geschichte geschrieben. Für mich war die Zeit in dieser Brigade aber schnell zu Ende. Ich wurde Kommandant auf Projekt 183.


Kameradschaftliche Grüße aus Stralsund

murzy



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon murzy » Montag 13. Mai 2019, 11:36

Ich wurde Kommandant auf einem Torpedoschnellboot Projekt 183.

Im März 1964 erhielt ich wunschgemäß den Versetzungsbefehl in die TS-Boots Brigade.
Mein Einsatzwunsch war in Erfüllung gegangen. Ich wollte Kommandant eines TS-Bootes Typ 183 werden.
Stolz wie Oskar, fuhr ich per Bahn von Ribnitz Damgarten nach Stralsund und meldete mich im Stab der TS-Brigade in Parow beim Stabschef der Brigade zum Dienstantritt. Nach einer ganz kurzen Begrüßung erhielt ich meinen Einsatzbefehl. Sie sind ab sofort Kommandant auf dem Boot 824. Die Abteilung liegt in Warnemünde und verlegt morgen früh nach Barhöft. Fahren Sie sofort nach Warnemünde und melden Sich in der 2. TS Abteilung zum Dienstantritt. Spät abends kam ich in Warnemünde an und meldete mich beim SC der Abteilung. Der ACH war nicht anwesend. Auch hier gab es keine langen Erklärungen. Der SC zeigte mir mein Boot und beauftragte den LI des Bootes, mich einzuweisen. Wir sollten ja am nächsten Morgen auslaufen. Meine Besatzung lernte ich quasi in See kennen. Ich war der jüngste und unerfahrenste an Bord. Der LI war mein Rückhalt. Er war bereits vier Jahre an Bord und mit der Besatzung verwachsen. Sie kannten und beherrschten Ihre Aufgaben aus dem FF. Ich musste mich nur auf mich selbst konzentrieren, die Besatzung begrüßen, das Boot See- und Gefechtsklar melden und den Hafen sicher verlassen. Zu meiner und aller Sicherheit wurde mein Boot Führerboot der Abteilung. Das heißt, der ACH führte die Abteilung von meinem Boot. Gleichzeitig gab er mir einen enormen Rückhalt ohne mich in meiner Kompetenz einzuschränken. Mit dem Anlegen im neuen Stützpunkt mit guten Manövern hatte ich die erste Bewährungsprobe erfolgreich bestanden. Mein Einstieg in die Besatzung war gelungen. Dann folgten Monate, in denen ich von der Besatzung lernte. Mein Anspruch an mich selbst – ich wollte können, was meine Matrosen und Maate auf Ihren Gefechtsstationen beherrschen mussten. Wir wurden eine tolle Truppe.
Leider habe ich eine riesengroße Schwäche, ich kann mir Namen schlecht merken. Außer den Namen unseres LI habe ich keinen Namen eines Besatzungsmitgliedes in Erinnerung. Wir hatten nur eine kurze Zeit miteinander. Am Ende des Ausbildungsjahres folgte meine Versetzung in eine andere Abteilung.
Wenn jemand aus dieser Besatzung im Forum ist, dann bitte mal antworten.

Herzliche Grüße aus Stralsund

murzy



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon murzy » Mittwoch 5. Juni 2019, 09:20

Ein freundliches Hallo in die Runde,


nachfolgend gebe ich ein ernstes Ereignis zur Kenntnis, dass sich dann als Fehler erwies.

Angriffsbefehl

Mein Boot war die 862.
Wieder waren wir zur Aufklärung in der Mecklenburger Bucht eingesetzt. Schwacher Wind aus westlicher Richtung, See 2 bis 3, ausgezeichnete Sicht, sonnig bis bewölkt. Der uns zur Aufklärung benannte Zerstörer war weder mit Funkmess noch optisch auszumachen. Folglich meldete ich das Ergebnis per Funk an den OP Dienst der Volksmarine. (Die TS-Brigade wurde in dieser Zeit noch durch das Kommando der VM über den OP-Dienst geführt.) Zurück kam ein Spruch mit dem Inhalt:
-Zerstörer auf Position ……… mit Torpedo angreifen -.
Ich sehe noch das Gesicht unseres E-Nautikers, völlig blass und mit fragenden Augen. Den Funkspruch habe ich sofort überprüfen lassen und gleichzeitig Gefechtsalarm zum Torpedoangriff befohlen sowie den Kurs in Richtung angegebenes Ziel geändert. Auch in meinem Kopf liefen schlimme Gedanken ab. Hoffentlich weiß der (Zerstörer) noch nichts, sonst geht der Angriff für uns mit Sicherheit nicht gut aus. Es vergingen bange Minuten. Endlich wurde meine Nachfrage zum vorliegenden Befehl beantwortet. Sie lautete: Aufgabe Abbrechen und sofortige Rückkehr in den Stützpunkt. Man kann sich vorstellen, welche Last von unseren Schultern gefallen ist.
Nicht nur uns stand der Angstschweiß auf der Stirn. Auch in der Flottille wurde der Spruch gehört, ausgewertet und dem FCH gemeldet. Ob er sich eingeschalten hat, ist mir nicht bekannt. Was im Dienstbereich des OP-Dienstes abgelaufen ist, weiß ich auch nicht.
Wir aber waren heil froh, dass der Spuk nicht wahr wurde.


Mit freundlichen und kameradschaftlichen Grüßen

mury



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon bitti » Mittwoch 5. Juni 2019, 16:29

Danke für diese interessanten Einblicke :marine:



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon rolfstralsund » Donnerstag 6. Juni 2019, 17:33

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Danke Werner @murzy,

es ist richtig schön, wieder einmal etwas aus erster Hand von unseren 825ern zu lesen, auf denen noch "eiserne Besatzungen auf hölzernen Booten" gefahren sind.
Als du 1964 auf der 824 "Arvid Harnack" als Kmdt. gefahren bist, war dein LI der Obltn.Ing. F. Schneemilch.
Wie ich aus meiner Aufstellung der 2.TSA entnehmen kann, war dein Bootsmann der Maat oder Obermaat Engel, der LM war der Maat oder Obermaat Ringel.
Als du am Ende des Ausbildungsjahres in die 6.TSA versetzt wurdest, übernahmen das Boot 824 Ltn.z.See D. Herz als Kmdt. und Obltn.Ing. H. Sprott als Li.
1965 im März, als junge Maate kamen ich als Bootsmann und H. Richter als LM an Bord.
Vom Kmdt. D. Herz, der kurze Zeit später zum Oltn. befördert wurde, konnte ich viel lernen, was mir später auf anderen Booten zugute kam.
In einem Gespräch, das ich vor einigen Tagen mit Kpt.z.See a.D. H. Lohmann hatte, betonte er, das der Ultn. z.See W. Murzynowski einer der besten Kmdt. war, den er in der 6. Abteilung hatte.


Sep.1964 Minenübernahme der 2. TSA, Kmdt. ULt. z. See Werner M. Foto Wolfgang N. .jpg
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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon murzy » Freitag 7. Juni 2019, 09:16

Danke Rolf,

mit der Namensnennung meiner Maate, kommen Erinnerungen. Die Minen, die wir da auf dem Bild übernehmen, haben wir im Rahmen einer Überprüfung der GB tatsächlich gelegt. Die Bewertung war positiv.


Herzliche Grüße und ein frohes Pfingstfest auch an alle hier im Forum

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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon bitti » Sonntag 9. Juni 2019, 11:58

Frage zum Bild der Minenübernahme: Ist noch erinnerlich wo diese erfolgte? Das sieh sieht mir sehr nach öffentlichem Bereich aus, rechts im Bild beobachten wohl zwei zivile Damen das Geschehen...



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