Nordhafen - Erinnerungen an den Beginn

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Re: Nordhafen - Erinnerungen an den Beginn

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Beitragvon hewe541 » Sonntag 18. Januar 2015, 13:32

258. Noch eine Episode von der Hafenausfahrt am Nordhafen Peenemünde.
Im Sommer 1964 sollten wir mit unserem RS-Boot 711in der Abenddämmerung auslaufen. Unser Kommandant Manfred Kolditz „Paule“war im Urlaub. Der Gehilfe des Kommandanten D. war an Bord und wollte das Kommando übernehmen. Plötzlich kam unser Abteilungschef F. auf die Brücke und sagte, ich übernehme das Kommando. Wir legten ab und waren in der Hafenausfahrt. Unser Rudergänger „Cerno“ein zuverlässiger Mann war es bei Kolditz gewohnt, daß er relativ selbständig den Kurs halten durfte. Kommandant Kolditz als erfahrener TS-Kommandant gab meistens nicht den Kurs in Grad vor, sondern sagte z.B. „Wir steuern Richtfeuer X oder Tonne Y an“. Heute war alles anders. Der ACH kommandierte den Kurs mit dem entsprechenden Grad. Als der Rudergänger den ACH mehrmals darauf aufmerksam machte, daß der Kurs nicht richtig ist, erhielt er die Antwort „Führen sie meine Befehle aus“. Nach einem weiteren Moment rumpelte es unter dem Bootskörper und wir im Fahrstand vermuteten das aller schlimmste. Es war auch so. Die Böschungen der Hafeneinfahrt am Nordhafen waren mit Feldsteinen ausgelegt. Diese hatte unser RS-Boot gerammt. Der Bootskörper blieb zwar heil, aber 2 Schrauben hatten einiges mitbekommen.
Was war geschehen, der ACH hat sich vor dem Ablegen nicht die Seekarte
angeschaut und beim Einschwenken ins Peenefahrwasser nicht die zuständigen Richtfeuer (Ober+Unterfeuer) beachtet und ansteuern lassen.
Mit Hilfe von 2 Schleppern wurden wir dann zurück in den Nordhafen geschleppt. Das nächste mal mehr dazu.



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Re: Nordhafen - Erinnerungen an den Beginn

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Beitragvon Kennedy » Sonntag 18. Januar 2015, 14:53

stolteraa hat geschrieben:
Kennedy hat geschrieben:... Maus hat sich von Backbord nach Steuerbord durch das Päckchen und den Kalten Hund gefressen...

Ich hoffe doch, die Maus wurde wegen beider Verstöße disziplinarisch zur Verantwortung gezogen: 1. man frißt nicht von Bb nach Stb, sondern von Stb. (vornehme Seite) nach Bb. 2. Kalten Hund unerlaubt zu fressen erfordert Ahndung. Gruß stolteraa

Da hast Du natürlich Recht, aber die Maus war gerade erst von der Flottenschule gekommen und hat die Schnürsenkel ihrer Borschuhe nicht beachtet, wo ja bekanntlich der linke von roter und der rechte von grüner Farbe war. Ich glaube, sie bekam 14 Tage Ausgangssperre. Ein Jahr später wäre sie für zwei Tage in den Knast gewandert. :marine:
An die "vornehme Seite" habe ich meine eigene Erinnerung:
Ich war gerade von einem sehr kameradschaftlich strukturiertem Schiff auf ein größeres (zivile Seefahrt) aufgestiegen. Beim Auslaufen aus Rostock war ich als Ausguck Brücke eingeteilt worden. Locker stellte ich mich dann auch mal an die Stb.-Seite. Da kam der Kapitän (Delegierter auf Parteitagen) und lehrte mich, dass die Revolution doch noch nicht gesiegt hat. Er sagte im spitzen Ton: "Gehen Sie auf die Backbordseite. Die Steuerbordseite ist die vornehme Seite, sie ist für die Steuerleute reserviert". :yes: Das Problem hatte ich auf unseren Booten nicht, denn als Gefechtsrudergänger stand ich in der Mitte (zwischen allen Stühlen sozusagen).

Grüße



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Re: Nordhafen - Erinnerungen an den Beginn

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Beitragvon hewe541 » Montag 19. Januar 2015, 14:49

259. Die Haverie an der Hafenausfahrt hatte dann ein Nachspiel für den ACH.
Mehrere Wochen später gab es eine Verhandlung in der Mannschaftsmesse auf unserem Wohnschiff wo vor allen Offizieren der ACH Rede und Antwort stehen mußte. Über Maßnahmen die getroffen wurden habe ich keine Kenntnis.
Anschließend ließ man eine riesige Persenning anfertigen, die über das gesamte RS-Boot gespannt wurde und es ging im Schlepptau in die Neptun-werft nach Rostock. Wir machten uns natürlich lustig über die Persenning-Abdeckung und nannten das ganze „Lemmers Zirkuszelt “ oder „Zirkusdampfer“(Der Brigadechef hieß Lemmer) . Die Persenning blieb in der Werft ebenfalls drauf. Zusätzlich wurde das Trockendock auf der Seeseite mit einer Persenning zugehangen. Hier wurden die 2 Schrauben repariert, die undichte Schweißnaht am hinteren Dieseltank wurde nachgeschweißt ( an anderer Stelle habe ich schon einmal darüber berichtet) und das RS-Boot erhielt einen neuen Unterwasseranstrich. Viele kennen das mit Rostklopfen und dann ich glaube 7 Anstriche. Dann ging es wieder in einer Nacht zurück mit Persenning und im Schlepptau Richtung Nordhafen Peenemünde.
Vier Wochen später fuhren wir dann „ohne Persenning“ zum Tag der Republik 1964 mit eigener Kraft nach Warnemünde und dann zur Flottenparade anläßlich des 15.Jahrestages der DDR, wo die RS-Boote 711+712 das 1.Mal öffentlich gezeigt wurden.
Zuletzt geändert von hewe541 am Dienstag 20. Januar 2015, 17:51, insgesamt 1-mal geändert.



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Re: Nordhafen - Erinnerungen an den Beginn

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Beitragvon Kennedy » Montag 19. Januar 2015, 19:33

hewe541 hat geschrieben:259. Die Haverie an der Hafenausfahrt hatte dann ein Nachspiel für den ACH. Mehrere Wochen später gab es eine Verhandlung in der Mannschaftsmesse auf unserem Wohnschiff wo vor allen Offizieren der ACH Rede und Antwort stehen mußte. Über Maßnahmen die getroffen wurden habe ich keine Kenntnis.
Anschließend ließ man eine riesige Persenning anfertigen, die über das gesamte RS-Boot gespannt wurde und es ging im Schlepptau in die Neptunwerft nach Rostock. Wir machten uns natürlich lustig über die Persenning-Abdeckung und nannten das ganze „Lemmers Zirkuszelt “ oder „Zirkusdampfer“(Der Brigadechef hieß Lemmer) . Hier wurden die 2 Schrauben repariert, die undichte Schweißnaht am hinteren Dieseltank wurde nachgeschweißt ( an anderer Stelle habe ich schon einmal darüber berichtet) und das RS-Boot erhielt einen neuen Unterwasseranstrich. Viele kennen das mit Rostklopfen und dann ich glaube 7 Anstriche. Dann ging es wieder in einer Nacht zurück mit Persenning und im Schlepptau Richtung Nordhafen Peenemünde.
Vier Wochen später fuhren wir dann „ohne Persenning“ zum Tag der Republik 1964 mit eigener Kraft nach Warnemünde und dann zur Flottenparade anläßlich des 15.Jahrestages der DDR, wo die RS-Boote 711+712 das 1.Mal öffentlich gezeigt wurden.


So war es, lieber Heinz. Einige von anderen Besatzungen, darunter ich auch, wurden Euch zur Werft-Unterstützung beigegeben. Wir sind in Dunkelheit gefahren und haben über Nacht bei der IV. in Warnemünde gelegen. Eigene Wache wurde an der Stelling postiert und dort erst wurde die Persenning über die Boote gezogen. So kamen wir dann am nächsten Morgen ins Dock der Neptunwerft. Am Dock erwartete uns bereits (in Zivil) der V0. Unsere Wache zog auf, sobald das Wasser aus dem Dock war (Bordpäckchen blau und Waffe). Werftpolizei schaute eigenartig, weil sie natürlich nicht auf das Dock durfte. Zu irgendeiner Messung (ich glaube Tank) kam eine Dame an Bord. Das soll die erste gewesen sein, die einen Fuß auf eines unserer RSB setzen durfte und sie durfte sich auch in der Bordchronik o.ä. verewigen. Ich sehe heute noch Euren LI mit kariertem Hemd herumlaufen und ich glaube, er hat auch für die fleißigen Männer, die den Rumpf zu beackern hatten, zwei Kästen Bier hingestellt. Übrigens habe ich auch die Verlegung der TA mitgemacht (Begleitkommando Eisenbahnwagen, Stasi-Wartburg fuhr- sooft möglich- auf der Straße neben dem Zug her).

Grüße

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Re: Nordhafen - Erinnerungen an den Beginn

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Beitragvon Horst A. » Dienstag 23. Juni 2015, 13:41

Die MK Bug machte am 20.06. eine Exkursion nach Peenemünde um das U-Boot und die Tarantul zu besichtigen.
Ich nutzte die Zeit, um nach Erinnerungen an den Beginn meiner Dienstzeit in der RS-Brigade im Mai 1965 im Peenemünder Nordhafen zu suchen.
Außer einer ramponierten Slipanlage und einer ganzen Anzahl von Segelschiffen und Booten erinnerte eigentlich nur der Weg zum Hafen an diese Zeit.
Gruß Horst A.
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