25 Jahre danach (Mauerfall)

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Kennedy » Montag 24. November 2014, 18:51

Danke für diesen wichtigen und ungeschönten Bericht eines Zeitzeugen!

Gruß

Kennedy



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon TSB-Fan » Dienstag 25. November 2014, 16:23

Hallo,

ich habe lange gezögert aber ich möchte meine Erinnerungen jetzt auch darlegen.
Im Jahr 1989, dem Jahr der großen Veränderungen, war ich in Dresden beim Studium an der Akademie. Im Nachhinein möchte ich sagen, dass der Verfall der DDR im politischen Sinn schon früher begann.
Im August kam über die Parteilinie die Parteiinformation Nr. 245 oder 246.
Das waren A5-Blätter in denen vom ZK bestimmte Sachen angesprochen wurden.
In dieser Info ging es um Prinzipnörgler und ewige Kritiker. Es wurde gefordert, dass es in Zukunft zu unterlassen wäre die Maßnahmen der Partei negativ zu bewerten. In der Parteigruppe haben wir sehr aufgeregt diskutiert und nicht alles stand anschließend im Protokoll.
Dann kam der Abend an dem der Prager Zug über Dresden geleitet wurde. Von dieser Aktion haben wir selbst nichts mitbekommen. Am nächsten Tag wurden überall Dienstversammlungen durchgeführt mit dem Inhalt, dass auf den Straßen, speziell am Bahnhof die Konterrevolution marschiert und wir zum Schutz des Sozialismus eingesetzt werden sollten. Es war die Rede davon dass am Vorabend der Bahnhof gestürmt wurde, zum Schutz eingesetzte Polizisten und Offiziersschüler mit Steinen beworfen und teilweise schwer verletzt wurden und Rettungswagen behindert wurden. Am Abend hieß es dann in Felddienst sofort die persönlichen Waffen empfangen und ab ging es zum Einsatz. Verschiedene Aufgaben wurden dann erfüllt: Abriegelung der Prager Straße , Schutz des BDVP-Gebäudes usw. Das Ganze zog sich über mehrere Nächte hin. Die Waffen hatten wir nur in der ersten Nacht mit, danach bekamen wir Gummiknüppel.
Was uns sehr nachdenklich machte war die Tatsache, dass uns nicht die angekündigten Rowdys gegenüber standen sondern gestandene Leute, teilweise im gesetzten Alter, die nicht randalierten sondern für freie Wahlen demonstrierten bzw. für Reisefreiheit. In dem Bereich in dem wir eingesetzt waren kam es glücklicher Weise zu keinen Auseinandersetzungen.
Nach Mitternacht zurück in den Wohnheimen wollten wir aktuelle Infos zur Lage haben aber im DFF und Radio gab es keine. Also haben wir Westsender abgehört und erfuhren dadurch was in der Republik los war. Jeden Morgen dann im Saal 1 Dienstversammlung auf denen immer wieder von Konterevolution u.ä. die Rede war. Es gab Offiziershörer die Waffeneinsatz forderten (nicht bei der Marine!), aber es mehrten sich die Fragen an Vorgesetzte und Politabteilung die dann entweder gar nicht oder mit Parolen beantwortet wurden. Am 6.Oktober dann Beförderung zum Korvettenkapitän, diesmal in Stiefeln und Felddienst. In der Nacht dann das einzig positive Erlebnis während dieser Einsätze.
Neben mir stellte sich ein langer Polizist auf, Helm mit Visier, Schutzschild, ein doppelt so langer Gummiknüppel wie unsere und fragte mich ob ich ihn denn erkenne.
Erst als er den Helm abnahm sah ich meinen ehemaligen Arigasten von der 852. Wir haben uns recht ausführlich unterhalten. Er war bereits seit dem ersten Tag eingesetzt und beschrieb mir die Praxis der „Zuführungen“. In mir tauchten immer mehr Fragen auf: was geht hier vor, warum sind plötzlich zehntausende auf der Straße und demonstrieren? Warum kommt von der Staats- und Parteiführung nichts aber auch gar nichts!
Nach mehreren Nächten war dann das Ende der Einsätze gekommen. Es zog wieder Ruhe ein. Die Fragen blieben und die fehlenden Antworten auch. Später kam dann die Schabowski-Nachricht mit „schweren Auswirkungen“ auf uns. Die Züge waren so voll, dass man die Füße hochnehmen konnte ohne nach unten durch zu sacken. Höhepunkt war dann der „Ich liebe euch doch Alle“-auftritt in der Volkskammer.
Es gab eine Riesendemo in Dresden vor dem Hygienemuseum bei der sich bestimmt um die 100000 Menschen befanden. Für mich kam da die bittere Erkenntnis, dass das Ende der DDR nur noch eine Frage der Zeit ist. Im Januar 1990 habe ich dann meinen Parteiausweis abgegeben und nicht wie einige weggeschmissen.
Anlässlich der Berichterstattungen zum 20.Jahrestages des heißen Herbstes kamen die Erinnerungen an die Nächte in Dresden wieder hoch und haben mir doch einige Probleme bereitet. Es zeigte sich, dass ich einige Erinnerungen verdrängt hatte, die aber nach langer Zeit und anderer Bewertung als damals wieder hoch kamen.
Das sind so meine Erinnerungen an die Zeit vor , beim und nach dem Mauerfall.

Viele Grüße aus Schwerin
Roland
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Kennedy » Dienstag 25. November 2014, 18:18

Danke für diesen Bericht!

Gruß

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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Hannes53 » Dienstag 25. November 2014, 20:30

Hallo Roland,
du hast richtig gehandelt, uns deine Erfahrungen zu erzählen. Viele von uns haben die Tage damals auch so zerrissen erlebt. Du hast es allerdings an "vorderster Front" mitgemacht und hast die Wiedersprüche extrem gespürt.
Hannes



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon stolteraa » Dienstag 25. November 2014, 20:36

TSB-Fan hat geschrieben:... ich habe lange gezögert aber ich möchte meine Erinnerungen jetzt auch darlegen...


Kein Wunder, dass du gezögert hast. Alle Achtung und Respekt für diesen so aussagekräftigen Bericht eines Zeitzeugen. Danke für deinen Beitrag, Roland! Nun erfahre ich authentisch, dass die Gerüchte über die Bereitstellung von Einsatzgruppen also doch stimmten. Gruß stolteraa



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Pumpengast » Mittwoch 26. November 2014, 22:56

Den Fall der Mauer und die Wende erlebte ich in Sassnitz.
Während der 30 Monate Dienstzeit bis dahin gab es ein paar Dinge, die mir schon etwas zu Denken gaben. Als Erstes war das willkürliche Verbot der Zeitschrift Sputnik. Ich hatte das Blatt immer gern gelesen, da relativ offen über Land und Leute berichtet wurde, was in unserer Presse oft nicht der Fall war. Dann kam die Wahl 89. Es war meine erste Wahl, aber so hatte ich sie mir nicht vorgestellt. Wir mussten in Sassnitz Kandidaten, die wir nicht kennen konnten, ohne Wenn und Aber wählen. In Reihe aufstellen, Wahlzettel empfangen, zusammenfalten und abgeben. Von frei und geheim konnte keine Rede sein.
Dann kam die Fluchtwelle über Ungarn und Prag. Als der Zug mit den Botschaftsflüchtlingen durch Dresden fuhr, war gerade ein Kamerad auf VKU und erlebte das Ganze hautnah mit. Die Gewalt und Aggression auf beiden Seiten muss beängstigend gewesen sein. Kurze Zeit später kam ich selber in Dresden an. Am Bahnhofsvorplatz sah man immer noch die großen Stellen mit den fehlenden Pflastersteinen. Als immer mehr Meldungen über flächendeckende Demonstrationen eingingen, kam das Gerücht auf, Besatzungen sollten bewaffnet werden, um die Ordnungskräfte zu unterstützen. Glücklicherweise für uns blieb es nur ein Gerücht. Als Krenz dann das Ruder übernahm hatte man die Hoffnung, das sich jetzt endlich etwas ändern würde. Doch es wurde auch nicht viel besser.
Einige Maßnahmen wurden dennoch getroffen, um uns bei Laune zu halten. Erstens wurde Soldaten erlaubt, einen gepflegten Bart zu tragen ( Ich habe meinen heute noch ). Zweitens durften wir private Radios mit an Bord bringen, was allerdings auf ein Radio pro Deck beschränkt wurde. Ich glaube, zu der Zeit wurde auch der 12monatige Wehrdienst eingeführt ( Marine?).
Anfang Januar 1990 wurde die Brigade dann überraschend von Sassnitz nach Dranske zurück verlegt. Außerdem wurde unserem Jahrgang I/87 mitgeteilt, das wir vorzeitig entlassen werden. Zu unserer Überraschung betraf das auch den Jahrgang II/87 sowie UaZ mit 3 Jahren Dienstzeit. Als wir dann am 26.01.90 entlassen wurden fiel also auf einen Schlag 1/3 erfahrene Besatzung weg, teilweise fast ganze GA. Aber das hat zu dem Zeitpunkt wohl kaum noch jemand interessiert.

MfG. Pumpengast :sachsen:



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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon Foxderringer » Donnerstag 27. November 2014, 00:44

:ahoi: Pumpengast ! Damit wirst du wohl Recht haben " die NVA " war abgehakt.Die zukünftige Armee nannte sich Bundeswehr und die brauchte keine sozialistische Kader. Der unpolitische Soldat ist ein weit verbreitedes Märchen. Obwohl mir hier im Forum mal einer geantwortet hat " er wahr nur Marinesoldat und sonst nichts. :salut: :berlin:
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

[48 / 64]

Beitragvon Eddy » Donnerstag 27. November 2014, 09:23

TSB-Fan hat geschrieben: ...
ich habe lange gezögert aber ich möchte meine Erinnerungen jetzt auch darlegen.
Im Jahr 1989, dem Jahr der großen Veränderungen, war ich in Dresden beim Studium an der Akademie. ...

Hallo Roland,
Dein Bericht ist schon zum Nachdenken. Ich höre von diesen Einsätzen der MAK-Hörer zum zweiten Mal live. Micha Dumaschefski hat schon einmal, auch verhalten und sehr nachdenklich, davon in der Marinekameradschaft erzählt. Ihr müsstet Euch dann ja kennen. Er sagte, so etwas möchte er nicht noch einmal erleben. Wir, die auf die Medien angewiesen waren, haben nur vage von diesen wirklichen Zusammentreffen erfahren. Selbst über die Informationslinie der Kommandeure kam da wenig an. Ich kann nur immer wieder sagen, bloß gut das unsere Kommandeure so besonnen waren und es nicht zum Waffeneinsatz haben kommen lassen. Das wir damit letztlich, ohne unser Können unter Beweis gestellt zu haben, besiegt wurden, ist im Sinne der Bevölkerung am besten, wenn auch dieser und jener am Ergebnis persönlich kaputt gegangen ist.
Geschichte ist Geschichte, zurück drehen wird sie keiner und will sie keiner, das ist gut so. Machen wir aus dem was wir haben das Beste und vor allem bleiben wir noch lange gesund, damit wir unserer Jugend davon erzählen können.
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon TSB-Fan » Donnerstag 27. November 2014, 12:14

Hallo Eddy,

stimmt, Micha und ich kennen uns schon vom Segelschulschiff her.
Ich weiß, das viele, die in Dresden dabeigewesen sind gar nicht oder so wie ich erst nach langer Zeit und viel zögern über die Ereignisse sprechen.
Selbst untereinander ist es teilweise wie "GVS".

Viele Grüße
Roland

[na wie gut, dass es für diesen "Not"-fall bei uns auch eine GVS-Last gibt.Thommy206] :yes:
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Re: 25 Jahre danach (Mauerfall)

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Beitragvon ManneTS » Donnerstag 27. November 2014, 13:31

Danke Roland für Deine Schilderung der Ereignisse und für Deine Ehrlichkeit, es ist wirklich schon sehr interessant für einen der zu dieser Zeit nicht mehr in Uniform stand zu lesen mit welchen Gedanken und Gefühlen ein Angehöriger der bewaffneten Organe zu kämpfen hatte. Wie zerrissen einer war der Information von außen mit der von Vorgesetzten analysieren musste und es trotzdem nicht verstehen konnte was da vor sich geht, weil einfach nur die Information fehlt.
Ich hatte es da etwas einfacher,aufgewachsen in einer sehr " roten " Familie fühlte ich mich schon sehr früh in eine Richtung geschoben in der ich nicht kommentarlos bleiben wollte, dass führte natürlich zu Auseinandersetzungen und mächtigen Diskussionen schon im Elternhaus. Ergebnis dieser verordneten Einstellung war ,ich suchte mir Antworten und Gesprächspartner in der Kirche und fand sie auch, was natürlich eine noch ärgerlichere Reaktion zu Hause hervorrief. Nein, ich bin dadurch kein gläubiger Mensch geworden, aber diese Annäherung war für mich der Grundstein dafür, nicht alles einfach stillschweigend zu akzeptieren und kommentarlos zu schlucken. Komisch ,aber jetzt muss ich sogar in meiner Jugendecke " Erste Liebe "
zurückblicken denn das war nicht irgend ein Mädchen, es war meine erste große Liebe und sie stammte aus Dortmund! Probleme ? Mehr als genug das kann ich Euch sagen , diese Heimlichtuerei ,verdeckte Adressen für den Briefwechsel und Päckchen, heimliche Treffs in Berlin, Tränen beim Abschied in der Friedrichstraße . Was dann noch alles passierte , würde gut und gerne ein Buch ergeben und gehört jetzt nicht hierher. Aber was hierher gehört ist, dass ich durch diese Beziehung erst erfahren habe, dass in der BRD auch Menschen leben wie Du und ich und diese die selben Alltagsprobleme, Ängste, Wünsche und Sehnsüchte wie ich hatten ! Da es bei uns zu Hause kein Westfernsehen gab, holte ich mir die Informationen bei Freunden und so wusste ich schon bei Zeiten, dass auf der anderen Seite, entgegen der Vorstellung vieler DDR Bürger, auf keinem Fall die gebratenen Tauben durch die Luft fliegen und die Menschen dort auch hart für ihr Lebensstandart arbeiten mussten .
Das war die Erfahrung, die mich nicht in die Euphorie versetzte Kopflos und phonetisch die DDR in den Abgrund zu wünschen denn ich hatte erfahren, auch durch die fielen Westverwandten meiner zweiten großen Liebe, die Gott sei Dank bis heute hält, was echter Kapitalismus ist ! Die standen doch schon Gewehr bei Fuß und schwitzten schon vor Angst ihre Brocken in der jeweiligen ihrer Sparte nicht für eine D- Mark oder für die Möglichkeit für ein paar Groschen die Konkurenz zu erwerben und sie dann auszubluten nicht zu erreichen oder einer schneller ist als sie.
Nein, ich war nicht unter den Demonstranten, nicht aus Feigheit, sondern weil ich Angst vor der Zukunft hatte und Ihr könnt mir sagen was Ihr wollt, diese Ängste waren ja nicht unberechtigt!
Es gab und gibt auch heute kein Gelehrten der mich zu dieser Zeit hätte beruhigen können und mir sagen können " laß mal Manne, es geht schon weiter ", ich jedenfalls wusste nicht wie !
Was soll ich Euch sagen, es ging weiter und ich bin froh darüber,dass die Geschichte ein gutes Ende genommen hat und mich eines besseren belehrt hat bezüglich meiner Ängste und Vorbehalte. Ein zurück ? Nein, niemals auch wenn auch heute nicht alles in Ordnung ist zwischen denen die die Produktionsmittel besitzen und denen, die Ihre Arbeitskraft verkaufen müssen! Aber wird das jemals sein ? Dann müsste schon ein neuer Typus Mensch geboren werden und das ist in der Evolution nicht vorgesehen !!!

Gruß ManneTS :brandenburg:



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