Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

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Beitragvon Foxderringer » Freitag 5. Dezember 2014, 00:20

:ahoi: Seemänner ! In meiner Dienstzeit wa die Frage sicher Leichter.Wir waren die guten und die Nato die bösen. Dabei hat nur jeder seine Weltanschaung verteidigt. Mir war der Sozialismus auf jeden Fall lieber.Auf Boot 846 wurde ich Kandidat der SED.Ich fühlte mich im Kollektiv geborgen. Mein Vater,ehemals NSDAP/NSKK sagte nur Parteien bescheissen dich im Endeffekt.Er hat den Ostfeldzug auf Sturmgeschütz bis zur Krim und zurück erlebt und überlebt,Fazit aus seinen Erlebnissen war, Russland ist einfach zu groß. Wenn mann am Ural ist hat mann Russland noch längst nicht in der Tasche.Mitglied der SED wurde ich erst bei der DVP. Ich bin auch in der Wendezeit, was ist das eigentlich für ein Begriff?Niederlage wäre eigentlich besser. Wir wurden besetzt und kolonialisiert.Beitritt = besserer Name für Kapitulation.Nicht ausgetreten. Die PDS war nie meine Partei und wird es auch nie sein.Meine Dienstzeit in der Volksmarine hat aus mir auf jeden Fall einen disziplinierten Menschen gemacht Ordnung und Disziplin hängt mir noch heutzutage an.Und " Politoffiziere " waren für mich immer vertrauenswürdige Ansprechpartner- nicht wie heute immer behauptet wird der verlängerte Arm der STASI. Und vor allem gehörten wir ja Alle zu den bewaffneten Organen der DDR. :salut:Und um den Begriff " kolonialisiert " noch mal zu untermauern, ich war nicht irgendwo beschäftigt sondern im Kombinat Mikroelektronik der DDR.
11/65 - 04/66 Flottenschule Parow 05/66 -10/68 4.TSA GA 3 / Ich bin glücklich,das ich offen meine Meinung sagen darf.Aber welche Meinung darf ich haben ?



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[342 / 377]

Beitragvon hewe541 » Freitag 5. Dezember 2014, 13:18

Wie stoltera richtig schreibt, sollte es nicht nur „Geburtstagsgrußwiederholer“,
und „Feiertagsgrußwiederholer“ zum „Einträge sammeln“ für die eventuelle Beförderung in unserem Forum geben! Dazu kommen die vielen täglichen „Reingucker“ die nur sehr wenig schreiben oder Fotos reinsetzen. Alle anderen und alle Admins geben sich große Mühe um das Forum interssant zu gestalten und am Leben zu erhalten.
Über meine dreijährige Dienstzeit habe ich von Anfang an viel geschrieben und Fotos von unserer Besatzung und unseren Kameradschaftstreffen reingesetzt.
Eigentlich wollte ich über Erlebnisse als Kind und über knapp 50 Jahre nach unserer Entlassung bis heute nichts weiter schreiben, aber ich denke jeder hat an seinem Platz im zivilen Leben oder als Angehöriger unserer Volksmarine, der NVA, Volkspolizei oder sonst wo ein klein wenig dazu beigetragen, daß wir seit 1945 Frieden in Mitteleuropa haben! Darauf können wir ein klein wenig stolz sein, wie Theo Hoffmann das so schön formuliert hat.
Zuletzt geändert von hewe541 am Freitag 5. Dezember 2014, 14:38, insgesamt 1-mal geändert.



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[343 / 377]

Beitragvon bicke » Freitag 5. Dezember 2014, 14:30

Hallo Jungs,

möchte mich hier mal mit einbringen. Nun, von meiner Entlassung aus der Volksmarine bin ich ein halbes Jahr später zur Volkspolizei(Schutzpolizei ins VPKA Lobenstein (damals Grenzkreis zur BRD/Bayern). Ich mußte schon kurz vor meiner Entlassung aus der VM feststellen, dass das MfS mein Leben bestimmte, in dem es mir den Wechsel zur Handelsmarine untersagte. Dieses erfuhr ich erst, als mich der ABV (Abschnitsbevollmächtigter der VP) zur VP nach Weimar warb und ich wegen meiner Westverwandschaft abgelehnt wurde. Ich sollte mir eine eigene Wohnung nehmen bzw. meine Eltern sollten ihre Verwandschaft nicht mehr sehen. Erst als ich wieder in meinem alten Betrieb (Thür. Schiefergruben Lehesten) gearbeitet habe wurde ich vom Leiter
des Pass- und Meldewesen Lobenstein zur VP geworben und mußte schriftlich bestätigen keinen Westkontakt zu haben.
Ich kann mich erinnern, ich besuchte unangemeldet meine Eltern. Als ich unser Wohnzimmer betrat war eine ältere Dame, fein angezogen zu Gast. als ich meinen Vater fragte wer das ist entgegnete er mir, dass ist die Tante Polly aus Westberlin. Ich war keine halbe Stunde bei meinen Eltern und verabschiedete mich wieder. Als ich dann am Montag darauf früh zur Tagschicht in meiner Dienststelle erschien zitierte mich mein S-Leiter zu sich und forderte eine Stellungnahme von mir ab. Er entgegnete mir, da ich unverzüglich mein Elternhaus verlassen hatte wird auf ein Disziplinarverfahren mit Entlassung aus der VP verzichtet. Andere Kollegen wurden wegen derartiger Kontakte bei Beerdigungen in ihrer Familie aus der VP entfernt. Ich hatte mir immer die Frage gestellt, warum wir unsere Auffassung nicht gegenüber Westbesuchern vertreten konnten. Wo vor hatte die Partei angst? Mir zeigte das, dass sie zu ihren eigenen Genossen kein Vertrauen hatten.
So durften wir auch bei geringfügigen Verkehrsverstößen von Westbürgern keine Milde walten lassen, sie mußten zahlen. Diese Praxis empfand ich immer beschämend.
Das war das schlechte in der DDR. Trotzdem habe ich hier sehr gern gelebt und habe mich auch sicher gefühlt.

Heute nach der Wende mußte ich während meiner Polizeizeit wieder feststellen, dass so viele wie möglich im Monat gemachte Ordnungsgelder deinem beruflichen Fortkommen / Beförderungen sehr dienlich sind auch bei geringfügigen Verstößen unserer Bürger. Der Stellenabbau in der Thür. Landespolizei führte dazu, dass man kaum noch einen Streifenwagen sieht. Das Sicherheitsgefühl hat auch bei mir enorm abgenommen.

Gruß
Werner



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[344 / 377]

Beitragvon br.roebel » Freitag 5. Dezember 2014, 18:38

Möchte gern meine Meinung zur Bemerkung von stoltera über das nachlassende Interesse der Forummitglieder, sich im Forum durch eigene Beträge einzubringen, darlegen. Als erstes möchte ich den Initiatoren des Forums dank aussprechen, durch die Einrichtung des Forums eine Plattform geschaffen zu haben, wo sich interessierte wiederfinden können. Leider bin ich erst spät auf das Forum gestoßen.
Ich vermisse im Forum @, aus meiner aktiven Zeit in der 4. TSA (69-71). was ich sehr bedaure, um so erfreuter war ich, im Forum meinen damaligen Komandanten und unseren FM Maat wieder zufinden. Meinem Komandanten habe ich damals, als Unterstellter, meinen Respekt gezollt,weil er entsprechend gegenüber der Besatzung aufgetreten ist. Heute zolle ich ihm Respekt für die interessanten Beiträge, aus der Sicht eines Offiziers, wodurch sich nach der Lektüre mein Horizont, über damalige Zusammenhänge, Befehlsstruktren, Aufgabenzuweisung der TSA erweitert hat, was mir bis dato unbekannt war.
Die Aktivität sich durch durch eigene Beiträge am Forum zu beteiligen, hängt meiner Meinung, aber auch davon ab, ob man als Offizier, Berufsunteroffizier oder Soldat auf Zeit gedient hat.
Ich habe einige mehr oder weniger interresante Episoden aus dem Bordalltag zum Besten gegeben, aber immer aus der Sicht eines einfachen Besatzungsmitglieds. merke aber, daß mir der Stoff langsam ausgeht. Deshalb Dank an alle, die das Forum durch ihre Beträge interresannt machen.
Ich wünsche dem Forum mehr solche Autoren wie, @stoltera, @Poseidon und den vielen anderen die durch ihre Beträge, die ich bisher mit größtem Interesse verfolgt habe, das Forum am Leben zu halten.



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[345 / 377]

Beitragvon Nordperd » Samstag 6. Dezember 2014, 15:34

Nicht das ich jeder Meinung zustimme, aber der von "br.röbel" schließe ich mich an (einschließlich der über "stolteraa").
Ich habe das Forum erst vor ein paar Wochen entdeckt und musste mich erst mal informieren, wer sich hier so einbringt und wie. Gibt es mich interessierende Themen, finde ich alte Bekannte usw.
Richtig ist, dass das Forum lebt und die Mitglieder "bei der Stange hält", wenn viele ihren Beitrag leisten.
Dann mal ein kleiner von mir.
Es muss in den Wintermonaten 1969/70 gewesen sein. Ich hatte VKU erhalten und wollte nach hause fahren. Wer kennt das noch ?!!! Wir standen früh 6 Uhr (?) am TKP und warteten auf den Bus,der uns nach Bergen bringen sollte. Es lag Schnee und es war a...kalt. Nach einer halbe oder dreiviertel Stunde war immer noch kein Bus zu sehen. Also machten wir uns (4 Mann, der überwiegende Rest wartete oder ging zurück in`s Objekt) zu Fus auf Richtung Dranske. Wir liefen bis Altenkirchen in der Hoffnung, der Bus kommt noch, oder wir finden eine Mitfahrgelegenheit. Irgendwann kam ein Pkw, fuhr aber an uns vorbei. Ewas später aus der Ferne ein tiefes Brummen. Plötzlich bog ein russischer LKW um die Ecke. Wir mit ausgebreiteten Armen auf die Straße. Der LKW hielt und wir erfuhren, dass sie nach Rostock wollten. Also hinten Plane hoch und rauf auf die Ladefläche. Da lagen schon drei sowj. Armeeangehörige im Stroh und nahmen uns in Empfang. Wie wir bei der Kälte die Fahrt bis Stralsund überstanden haben, weis ich heute nicht mehr, nur dass wir glücklich vor dem Hauptbahnhof in Stralsund abgesetzt wurden und unseren Zug nach Leipzig noch erreichten.
Noch heute würde ich den Soldaten eine Flasche spendieren, die wir ja damals in Richtung Heimat nicht dabei hatten.

Gruß Nordperd
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In dieser Zeit u.a.: Schulboot in Parow, Torpedoerprobung Saßnitz, Werft Wolgast



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[346 / 377]

Beitragvon bicke » Montag 8. Dezember 2014, 08:42

Hallo,
während ich im Forum lese fallen mir zwei Erlebnisse ein, welche ich hier einstellen möchte.
Der Tag meiner Anreise zur Flottillenschule Parow begann mit der Abfahrt im Zug von Schleiz nach Gera. Mit mir zusammen war ein Bekannter aus Blankenstein, der zum Dänholm als Koch
(18 Monate DZ) einberufen wurde. Der Zug ging bis Triptis, hier umsteigen 2 Std. später in den Zug nach Gera Hauptbahnhof. Also mußten wir die 2 Std. überbrücken und gingen in eine Kneipe.
Hier saßen wir nun und kamen zu spät zum Bahnhof, wo wir vom Zug nur noch die Rücklichter sahen. Was nun, ein Taxi muß her. Tas Taxi war für meine Geldbörse der Horror. In Gera am Hauptbahnhof angekommen sahen wir 2 Herren der Marine, ein Obermeister stand akkurat da neben ihm saßen 2 Kameraden auf ihren Reisetaschen. Wenige Meter weiter stand ein Meister alleine, der sichtlich angetrunken war. Also gingen wir zu dem Meister und meldeten uns bei ihm. Mein kumpel konnte bei ihm bleiben und sich für die ca. 1 Std. bis Abfahrt Sammeltransport frei bewegen. Ich mußte zu dem Obermeister. Bei ihm angekommen und mich gemeldet mußte ich hier bleiben. Der war sehr, sehr streng. Oh Got, habe ich gedacht, was kommt da noch auf mich zu. Bis dahin war ich so was wie ein Muttersöhnchen, der den militärischen Ton überhaupt nicht gewohnt war.
In der Flottenschule erlebte ich wenige Wochen nach meiner Ankunft während meiner 1. Wache am TKP etwas, wo ich mich durch mein Verhalten zum Löffel gemacht habe. Die 1. Nachtwache der Müdigkeit überstanden mußte ich dem Lehrgangschef der Flottenschule Meldung machen, als er von zu hause in die Schule kam. Als ich ihm Meldung gemacht hatte und er von mir weg ging, sprach ich ihn noch mal mit den Worten "Genosse Kapitän, ich möchte noch ihren Dienstausweis sehen!" Er blieb stehen und drehte sich zu mir um. Da durchzog mich Kälte und Hitze zugleich. Der Kapitän lächelte mir zu und ging weiter. Ich stand da wie ein bes..... Pudel und habe mich geschämt.

Heute ist es nur ein Erlebnis für mich, damals kam ich mir sau blöd vor.

Gruß
Werner



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[347 / 377]

Beitragvon fuß822 » Montag 8. Dezember 2014, 11:28

Hallo Jungs,

ich finde die Beiträge zu den Erlebnissen sehr gut. Die berichte von Stolteraa und Hannes 53 erwarte ich immer mit Spannung, sie geben doch einen tieferen Einblick in das Geschehen über Jahre. Vieles habe ich als Schwarzhals nicht mit bekommen . Zur Zeit frische ich mein Gedächtnis auf, um auch etwas beizutragen. In den nächsten Tagen mehr.

Gruß

Reinhard



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[348 / 377]

Beitragvon stolteraa » Freitag 12. Dezember 2014, 11:13

elagtric hat geschrieben:Re: Ausfall einer Maschine während der Übung; [5 / 5] amFreitag 12. Dezember 2014, 02:05
...irgendwelche "Schätze" ... ob nun CVM-Stander, Schlauchboote oder selbst Gasmasken holen könnte. Da wurde Volkseigentum verhökert bis zur Schmerzgrenze, aber irgendwie war ja auch eh schon alles zu spät ..."

Da fällt mir doch eine storry ein: Nachdem wir 1968 unser 206/2 übernommen hatten, mussten wir ja - wie schon berichtet - einen Teil der sowjet. Ausrüstung abgeben und wurden dafür nach NVA / VM - Standard ausgerüstet. Abgeben mussten wir u. a. auch die beiden Schlauchboote, die gut verpackt in den Behältern auf der Back gelagert waren. Schöne Boote, mit Gasflasche zum Aufpumpen, Kiel, Alumast und -paddeln und Vorrichtung zum Anbringen eines Außenborders. Später erfuhren wir, dass diese Boote auf recht unfeine Art "entsorgt" bzw. vernichtet wurden. Da konnten einem schon die Tränen kommen.

Als dann 1971 die 206/16 von meiner Besatzung übernommen wurde, drohte den beiden Schlauchbooten das gleiche Schicksal. Einfügen muss ich noch, wenn wir nicht ales ordnungsgemäß in den Lagern ablieferten, wurden wir nicht mit unseren Produkten ausgerüstet, dadurch verzögerte sich dann die Gesamtausrüstung, großer Ärger war dann vorprogrammiert.

Trotzdem wollte ich wenigstens ein Schlauchboot behalten - es war mir zum Vernichten zu schade und wer wußte schon, wozu es einmal gebraucht werden könnte. Also eines abgerüstet, das andere in die 8-Mann-Bilge ganz in die Ecke. Es gab dann zwar etwas Knatsch mit dem BSD, aber da deren Nachweisführung nicht einwandfrei war, konnten sie nicht beweisen, das zweite Boot nicht erhalten zu haben.

Was soll ich sagen: Das eingepackte Schlauchboot wurde nie genutzt oder gebraucht, kam nicht zum Einsatz und sicherlich wurde der Gummi durch die Faltungen in den Jahren nicht unbedingt besser. Kurz bevor ich Ende 1975 von Bord ging, schaute ich letztmalig nach dem Packet ... und siehe da, es war nicht mehr aufzufinden. Ich habe zwar eine Vermutung, wer es sich "unter den Nagel gerissen" haben könnte - ich kann nur für den Betreffenden hoffen, dass es noch brauchbar und wasserdicht war. Gruß stolteraa



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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[349 / 377]

Beitragvon fuß822 » Freitag 12. Dezember 2014, 16:48

Hallo Jungs,
wie versprochen habe ich mein Gedächtnis aufgeräumt und habe den ersten Beitrag durch Anstoß von Stoltera geschrieben.
Als wir die 206/12 Fritz Behn im September 1970 übernommen haben, wurde wie von Stolteraa beschrieben alles abgerüstet und wir natürlich versucht so viel wie möglich von dem was gut war zu behalten. Wir hatten es auf die langen Schafsfellmäntel abgesehen, soweit ich mich entsinne hat das auch geklappt. An die Schlauchboote kann ich mich auch erinnnern, wir haben glaube eins behalten, denn es war immer ein schwarzes zur Stelle, wenn wir Außenbords etwas zu tun hatten. Fällt mir eine Gegebenheit ein.
Auf unseren Molotow's(Toilette für Nichtkenner) mußte mindestens fünfzig mal gepumt werden um alles Außenbords zu kriegen. Bei den Schwarzhälsen hat das funktioniert, aber unsere Lord's ignorierten das. Da ich die Schei... zwei mal sauber machen durfte, wer das mal gemacht hat, der weiß von was ich rede. Feuerlösch C-Rohr, langen Draht zum stochern von Außenbords und dann gib ihm die Kannte. Wie gesagt bei der nächsten Verstopfung habe ich mich aufgeregt und es mußten zwei Lords mit mir reinigen. Die zwei Lord Außenbords ins Schlauchboot, vor an die Außenbordöffnung Molotow, mit dem langen Draht zum stochern, ich innen am Molotow. Erst ein wenig getrikst, um kein Argwohn aufkommen zu lassen, dann volles Ballett mit C Rohr durchgespült. Anschließend standen meine Partner im Schlauchboot bis an die Knöchel in der Scheiße, das hat gefruchtet, es wurde jetzt fünfzig mal gepumt, auch weil ich einen großen Zettel angebracht habe 50 x Pumpen, gute Erinnerung.
Das war's für heute, einen besinnlichen dritten Advent
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Re: Erlebnisse aus meiner Dienstzeit

[350 / 377]

Beitragvon Nordperd » Freitag 12. Dezember 2014, 17:51

Da wurde Volkseigentum verhökert bis zur Schmerzgrenze, aber irgendwie war ja auch eh schon alles zu spät ..." [/quote]
Da fällt mir doch eine storry ein: Nachdem wir 1968 unser 206/2 übernommen hatten, mussten wir ja - wie schon berichtet - einen Teil der sowjet. Ausrüstung abgeben und wurden dafür nach NVA / VM - Standard ausgerüstet. Abgeben mussten wir u. a. auch die beiden Schlauchboote, die gut verpackt in den Behältern auf der Back gelagert waren. Schöne Boote, mit Gasflasche zum Aufpumpen, Kiel, Alumast und -paddeln und Vorrichtung zum Anbringen eines Außenborders. Später erfuhren wir, dass diese Boote auf recht unfeine Art "entsorgt" bzw. vernichtet wurden. Da konnten einem schon die Tränen kommen.

Ja ja, Stolteraa, da sind mir auch fast die Tränengekommen. als ich im Herbst`68 in die 6. kam war nur das erste Boot der 206er vorhanden. Ich wurde mit zur Übernahme des zweiten Bootes eingeteilt. Es war schon erstaunlich, was da alles abgebaut, ausgesondert und abtransportiert wurde. Das gleiche erlebte ich dann nochmals, als "mein" Boot, der der die 843 bereitstand. Da gab es z.Bsp. 2 kleine Holzfässer so ca. 50 Liter. Darauf waren besonders die Offiziere bzw. die Bootsmänner scharf (hätte gut eine Hausbar abgegeben).
Ich konnte mir wenigstens ein Bootsmannsmesser sichern, das sich z.Bsp. gut zum Spleißen eignete. Ich hatte es noch viele Jahre, bis das "russische Gold" ein Ausklappen der Klingen verhinderte.

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