Härtetest

:steuermann: Hier ist der Platz für Anekdoten (Begebenheiten) aus der aktiven Zeit bei der VM, die nicht in Vergessenheit geraten sollten

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Re: Härtetest

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Beitragvon Obermaat Loeckelt » Donnerstag 26. Dezember 2013, 18:11

Nun meinen ersten Härtetest hatte ich im Juni 1979 an der U - Schule in Prora.

Panzerketten Gymnastik; 1000 Meter Uniformlauf im Zugverband [letzter Mann zählt]; 15 Km Marsch; Sturmbahn.

Dann durfte ich noch einen 1981 in Dranske erleben.
Panzerketten Gynmastik; 3000 Meter Lauf in Sportbekleidung; 15 Km Marsch und Sturmbahn.

Waren 2 Erlebnisse die ich nicht missen möchte aber auch nicht wieder erleben möchte.

Schöne Grüße aus Schwerin
Roland [ :augenzuhalt: ]
Schöne Grüße aus Schwerin
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gespielt bei der ISG Schwerin - Süd [Jugend und Junioren]
01.11.78 - 30.09.79 TUS in Prora [Funkmechanikerausbildung - mittlere Leistung bis 1 KW]
01.10.79 - 31.10.81 6. Flotille 9. LTSB - H 98 als Obermaat der Reserve ausgeschieden.
01.11.81 - 31.12.90 Flughafen Berlin Schönefeld, als Meister der Volkspolizei ausgeschieden.
Ab diesem Zeitpunkt im Privaten Sicherheitsgewerbe tätig.



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Re: Härtetest

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Beitragvon epilog » Donnerstag 26. Dezember 2013, 18:42

Ich habe nur einen Härtetest in meiner dreijährigen Dienstzeit mitgemacht. Das war in Parow, kurz vor der Versetzung in die 4.Flottille.
15 km insgesamt. Das zweite Drittel des Marsches wurde unter Vollschutz absolviert, also Schutzmaske und SBU.
Da ich ja ein ganz besonders "pfiffiges Kerlchen" war, verschaffte ich mir Marscherleichterung, indem ich den Atemschlauch der TSM in der Schutzmakentasche vom Filter losschraubte und so ergiebig frische Luft atmen konnte. Leider hatte ich nicht bedacht, dass der Kompaniechef KK Seeliger pfiffiger war als ich, denn er ging während der 5 km unter Schutz durch die Reihen der Formation und kontrollierte durch ziehen an den Atemschläuchen, deren festen Sitz an den Filtern.
Das wurde mir schließlich zum Verhängnis und ich "durfte" die letzten 5 km dann auch noch (als einziger übrigens) unter Schutz weiter marschieren. Es war zwar qualvoll, aber es hat mich nicht umgebracht.
Was uns nicht umbringt, das stärkt uns ... :totlach:
Im Hako der 4.Flottille habe ich keinen Härtetest mehr mitmachen brauchen. Seltsamerweise lagen immer irgendwelche Bugsieraufträge oder HFG-Übergaben an, wenn derartiges angesagt war.



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Re: Härtetest

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Beitragvon mechaniker » Donnerstag 26. Dezember 2013, 19:52

mechaniker hat geschrieben:....
Mein erster Härtetest (1967) spielte sich noch etwas anders ab. ......
Sir Henry hat geschrieben:Hallo mechaniker,
nur mal so

Wie kann das sein, wenn doch nach deiner Vita deine Dienstzeit von 10/73 -3/93 war?
Gehen wir mal in deinen Beitrag von 1976 aus und Du hast einen Zahlendreher.

Hallo @ Sir Henry,
du hast sehr aufmerksam meinen Beitrag gelesen :genau: Richtig ist natürlich, dass ich von Nov. '67-Apr. '69 mein GWD bei den Grenztruppen der NVA ableistete. Konkret: halbes Jahr im GAR-40 (Oranienburg) Ausbildung, anschließend aktiven Grenzdienst im GR-44 (Kleinmachnow).
In meiner Vita habe ich diesen Fakt "unterschlagen", weil sich hier in diesem Forum hauptsächlich 'Kenner und Könner' der maritimen Sphäre betätigen, wozu ich mich im angegebenen Zeitraum durchaus zählen darf. Fall's es diesbezüglich also noch Fragen an mich gibt - bitte gerne :yes: !!
Alles was ein Loch hat, muss nicht unbedingt kaputt sein.



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Re: Härtetest

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Beitragvon Sir Henry » Donnerstag 26. Dezember 2013, 22:58

Hallo mechaniker,

Danke ! das war mir bloß aufgefallen.
Gruß Sir Henry
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Re: Härtetest

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Beitragvon Pumpengast » Freitag 24. Januar 2014, 20:12

In Parow durften wir zwei mal laufen, einmal als Test und kurz danach der Richtige. Nur mit den Stiefeln lief es sich nicht besonders gut, was hässliche Blasen zur Folge hatte. Auch die Sturmbahn war dort noch angesagt. Auf dem Bug kamen dann noch einmal zwei oder drei Tests dazu, und noch einer in Sassnitz. Gelaufen wurde in Bord Blau und Bordschuhen, zur Freude für die Füße. Immer dabei waren zuerst die Panzerkettenglieder und dann 3000 Meter. Sturmbahn gab es für uns nicht mehr. Dafür wurde Sturmbahnersatz gelaufen. Ich kann mich leider nicht mehr an den Grund erinnern, warum die Bahn gesperrt war, aber uns hat es gefreut.

MfG. Pumpengast :sachsen:



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Re: Härtetest

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Beitragvon Dietrich Lücke » Donnerstag 8. Januar 2015, 23:48

Härtetest, Sturmbahn & Co.
Nachdem ich die einzelnen Beiträge im Forum zur militärischen Körperertüchtigung gelesen habe, inspiriert mich das mal wieder zu einer Geschichte aus Erlebnissen, die für mich Langzeitwirkung hatten.
In der Grundausbildung auf Stralsund-Dänholm war im Herbst 1974 unser Zugführer ein Leutnant Kruse. Ich weiss nicht mehr ob wir nach der Offiziersschule sein erstes oder zweites Kommando waren. Er war jedenfalls erst kurz von der Offiziersschule weg und im Truppendienst. Es fällt mir schwer den damals jungen Offizier zu beschreiben. Seinen Abschluss hatte er jedenfalls mit exzellentem Ergebnis gemacht, denn er trug seinen Dolch mit der Gravur des Ministers für Nationale Verteidigung. Darauf war er stolz wie Bolle. Er war etwa 1,80 m groß, ein sportlich-drahtiger Typ, der für mich etwas unnahbar wirkte. Bei der theoretischen und praktischen Ausbildung an den LKW zeigte sich aber, dass er ein guter Lehrer war. Auch in der praktischen Geländeausbildung kommandierte er nicht nur herum, sondern zeigte alle zu lernenden Elemente und bewies meines Erachtens sogar ziemlich viel Geduld. Meine Achtung seiner Person gegenüber nahm merklich zu, was aber nicht dazu führte, dass ich freiwillig versucht hätte mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Während eines Übungstages auf Dänholm gab es in einer Raucherpause einen kurzen Wortwechsel mit dem Leutnant über menschliche Leistungsfähigkeit. Irgendjemand meinte schon ganz schön kaputt zu sein und nicht mehr zu können. Kruse sagte darauf nur, dass ein Mensch, wenn er meint völlig fertig zu sein, erst etwa 30-35 % seiner Kraft verausgabt hat und er werde uns das schon noch beweisen. Der Ausbildungstag ging ohne Schongang weiter. Vielleicht zwei Wochen später, das „Gespräch“ mit dem Leutnant war längst vergessen, waren wir wieder im Gelände. Man hatte uns mit LKW dorthin gefahren. Der Vormittag galt irgendwelcher Ausbildung. Mit der Gulaschkanone wurden wir noch zum Mittag versorgt. Nach dem Essen ging es aber nicht wie erwartet mit der Ausbildung weiter. Leutnant Kruse liess antreten und erklärte, dass wir jetzt ins Objekt zurück marschieren. Die Entfernung entspräche der Härtetestnorm von 15 km und wir würden auch die geforderten 5 km unter Schutzmaske laufen. Oh jeh – dass nun auch noch! Die Truppe war über diese Eröffnung nicht gerade begeistert, aber sie marschierte.
Die 15 km hatten für mich persönlich nichts Schreckhaftes an sich. Eine solche Entfernung war ich seit Jahren gewohnt. Von meinem Heimatort zur EOS in Gardelegen waren es 12 km. Die Strecke habe ich in der „Vor-Moped-Zeit“ fast jeden Samstag mit dem Fahrrad absolviert. Es kam auch öfter vor, dass das Fahrrad und später das Moped einen Defekt hatten und ich die Strecke gelaufen (geschoben) bin. Ich hatte also für 15 km ein ziemlich präzises Zeitgefühl.
Wie gesagt – die Truppe marschierte. Es war ein kalter aber sonniger und schneefreier Tag Anfang Dezember 1974. Nachdem mir meine innere Uhr sagte, dass jetzt ungefähr 5 km absolviert sind, erwartete ich das Kommando „Gas“. Aber nichts passierte. Nach einer weiteren langen Zeit kam dann Kruses: „Meine Herren, es riecht senfig – Gas!“. Ich wurde zunehmend unsicher, weil mein innerer Kompass mit diesem Marsch nicht kompatibel funktionierte. Als dann „Gas“ aufgehoben wurde, stand die Truppe noch komplett und ohne Ausfälle. Die weniger (um nicht zu sagen garnicht) sportlich trainierten Kameraden hatten aber schon Probleme. Wir waren altersmäßig eine bunte Truppe. Von gerade mal 18 Jahren bis etwas über 30 Jahren war der Altersspiegel. Ich gehörte zu den jüngsten Spunden mit gerade 18 Jahren und Abitur in der Tasche. Neben uns marschierten Familienväter, die man aus dem Berufsleben geholt hatte, Hochseefischer, die das letzte halbe Jahr im Nordatlantik waren und mit ihrer letzten Lohnzahlung auf Dänholm anrückten und und und … Keiner wollte sich vor dem anderen blamieren oder Schwäche zeigen. Das fiel vor allem den Älteren schwer. Wir wenigen ganz jungen Spunde hatten aber die geringsten sportlichen Probleme und ich schon gar nicht, weil bis vor kurzem noch in jeder Sportstunde ein 5 km-Crosslauf dazu gehörte. Den mochte ich zwar nicht, weil meine Stärken auf den Sprintstrecken lagen, für die Armee war er aber eine gute Vorbereitung.
Ohne Schutzmaske ließ sich beim Marsch die Welt gleich wieder besser beobachten. Während wir unter Schutz liefen war mir noch nicht aufgefallen, dass die Sonne sich auf einmal rechts von uns befand. Das konnte aber nicht sein, wenn wir auf direktem Weg nach Stralsund marschierten. Da hätte sie sich immer links von uns befinden müssen. Von Stralsund war weit und breit noch nichts zu sehen und die Namen der Dörfer, die wir passierten, sagten mir damals noch nichts. Das war aber so in etwa der Zeitpunkt wo mir langsam dämmerte, was Leutnant Kruse mit uns machte. Mein innerer Kompass sagte mir, dass wir vielleicht schon 25 km gelaufen sind, aber jeder „nur“ 15 km im Kopf hat. Als die Sonne am Horizont verschwunden war, erreichten wir die Stadtgrenze von Stralsund. Früher war das die Fernverkehrsstraße zwischen Stralsund und Greifswald, die heute nur noch Landstraßencharakter hat und an der Stralsunder Brauerei vorbei führte. Da es nun durch die Stadt ging, wurde von uns nochmal Marschtritt verlangt und ein „fröhliches“ Marschlied wurde auch noch mehrmals draufgesetzt. Als wir dann den Dänholm erreicht hatten, es war jetzt dunkel, offenbarte der Leutnant, was ich schon geahnt hatte. Mein innerer Kompass sagte mir, dass wir über 30, vielleicht 35 km gelaufen sind. Kruse verkündete, dass wir 38 km gelaufen sind und davon 10 km unter Schutz und er erinnerte an die Begebenheit mit der Fragestellung, was ein Mensch aushalten kann. Wenn man aber bedenkt, dass zu Beginn des 1. Weltkriegs die deutschen Soldaten, die über Belgien die große Umfassung nach dem Schlieffenplan realisieren sollten, täglich über Wochen etwa 50 km im Kampfeinsatz zu Fuß bewältigten, nahm sich der Härtetest mit seinen 15 km dagegen harmlos aus.
In Tilzow habe ich dann diesen Test noch dreimal absolviert. Es hat immer gute Zeiten gegeben. Bei einem dieser Tests hatten wir aber Probleme. Ich glaube es war mein letzter im Februar 1976. Wir hatten seit der Jahreswende wieder Neue in der Einheit. Zwei oder drei von denen meinten, die Ratschläge der Alten in den Wind schlagen zu können. Anstatt alte Schweißsocken und die eingelaufendsten Stiefel anzuziehen, wollten die mit neuen Klamotten wohl einen Schönheitswettbewerb gewinnen. Es kam was kommen musste: die Füße waren nach 10 km mit Blutblasen „ballonbereift“. Nun konnten wir ja die Spritzer nicht am Wegesrand liegen lassen. Also haben von uns Obermatrosen immer zwei etwa gleich große einen der Invaliden getragen. Das Gepäck des Invaliden und der Träger wurde verteilt. Ich selbst kam in Tilzow mit meinem Zeug, einem zusätzlich auf den Bauch geschnallten Sturmgepäck und insgesamt vier Kalaschnikow an. Dann musste die ganze Truppe abschließend noch über die Sturmbahn. Irgendwie haben wir das mit unseren Invaliden auch geschafft. Bloß gut, dass bei der Tilzower Sturmbahn der Fuchsbau meistens unter Wasser stand und unpassierbar war.
An Sturmbahnen habe ich während meiner Dienstzeit nur die vom Dänholm und die von Tilzow erlebt. Während auf dem Dänholm ein Neubau stand, hatte Tilzow zu meiner Zeit eine schon etwas betagte Bahn, die sich hinter der Tankstelle und dem Wachhäuschen für den KfZ-Park befand, quasi parallel des Objektzauns nach Tilzow-Bergen. Die Reihenfolge der zu bewältigenden Elemente habe ich nicht mehr so genau im Kopf. Dabei war ein Kriechhindernis, eine Hangelstrecke, der Fuchsbau, der meistens unter Wasser stand (Gott sei Dank !!!), die Eskaladierwand, einer „Hauswand“ mit unterem und oberem Fenster. Das untere Fenster war für die meisten kein Problem. Beim oberen Fenster sah das anders aus. Man musste dieses Fenster mit Hilfe eines Kletterstricks erklimmen. Hinter dem Fenster lief so eine Art Schwebebalken in ca. 3 m Höhe zu einer Plattform von der man auf zwei abgestufte Plattformen sprang und zuletzt wieder auf den Boden kam. Da hatten wir Leute, die nicht klettern konnten, zu schwer waren oder wenn sie oben waren mit Höhenangst einfach nicht weiterkamen. Da war es gar nicht so einfach letztere wieder auf den Boden zu holen. Ich glaube, dass man mir in meinem letzten Diensthalbjahr sehr dankbar war. Wir waren mal wieder auf unserer „Beamtenlaufbahn“ und das obere Fenster sollte geübt werden, inclusive des Abgangs über die Plattformen. Ich sollte für die Neuen den Vorturner machen, weil unser Zugführer Otto Czarnetzki wusste, dass der Lücke das problemlos konnte. Ich enterte also mit Stahlhelm und der Kalaschnikow-Atrappe, aber ohne Sturmgepäck, zum oberen Fenster, erklärte von oben wie man problemlos über den Schwebebalken kommt und machte den Abgang mit Erklärungen über die wackelnden Plattformen. Hier muss man wissen, dass unsere Plattformen auf einem einfachen Holzständer befestigt waren und nicht wie z.B. auf Dänholm massive Plattformen unterschiedlich hoher gedeckelter Betonröhren waren, die nicht wackelten. Als ich von der ersten auf die zweite Plattform sprang knisterte es verdächtig und die Plattform schwenkte nicht zurück, sondern neigte sich weiter in die Sprungrichtung. Was dann folgte hat mit Überlegung nichts mehr zu tun. Instinktiv habe ich mich von oben nur für eine Absprungvariante entschieden und die Holz-Mpi weggeworfen. Die Plattform brach einfach weg und ich fand mich unverletzt und gut abgerollt auf dem Boden wieder. Glück gehabt ! Bloß gut, dass der Stahlhelm richtig fest saß. Hätte der als bequeme EK-Variante locker gesessen, hätte das böse Verletzungen (z.B. Nasenbeinbruch) zur Folge haben können. Zumindest bis zu unserer Entlassung Ende April 1976 war die Sturmbahn in Tilzow tabu. Ob es da noch einmal einen Neubau gegeben hat, kann ich nicht sagen.
Im Sommer 1975 waren wir Tilzower in Lietzow am Bodden. Das war bei heißem Wetter unsere Badestelle. Wir sind mit einem oder zwei LKW gefahren, je nach Mannschaftsstand und Bereitschaftssituation. Dieses eine mal waren wir aber zum Kleiderschwimmen am Bodden. In Bord blau, Stahlhelm und Kalaschnikow-Atrappe wurden wir von einem Steg im Bodden ausgesetzt und mussten unser Ziel über eine abgesteckte Wasserstrecke am Strand erreichen. Ich war nur verblüfft, wieviele von uns gar nicht oder nicht wirklich gut schwimmen konnten. Da standen auf einmal zitternd, verkrampft und echt mit Angst in den Augen geachtete dienstältere Kameraden, die sonst als Platzhirsche unter den EK’s das sagen hatten. Hier nenne ich jetzt bewusst keine Namen. Ich habe jedenfalls einen dieser Kandidaten mit an Land gebracht. Kurz vor dem Sprung ins Wasser offenbarte er seine Angst. Mir war schon aufgefallen, dass er den Sprung ins Wasser hinauszögerte und allen anderen den Vortritt ließ. Zum Schluss waren aber nur noch wir beide übrig. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das ich der Strohhalm war an den er sich klammerte, obwohl er einige Jahre älter war und ich mit gerade 19 Jahren zu den Jüngsten in der Truppe zählte. Ich sagte, wir springen zusammen und dann machst du alles wie ich. Ich bleibe auch dicht hinter dir und habe dich ständig im Auge. Da er wusste, dass ich Rettungsschwimmer war überwand er sich, sprang mit mir gemeinsam ins Wasser. Er schaffte es auch noch sich das Luftpolster in sein Bord blau zu holen. Nach den ersten ungewohnten Schwimmbewegungen wurde er aber zappelig. Aber alle Achtung !!! Mit ruhigem Zureden beruhigte er sich und schwamm nach Anleitung. Er schaffte die Strecke und ist damit über sich selbst hinaus gewachsen.
Die Hilfe ist mir aber nur bedingt gut bekommen. Tage später bekam ich als „Dankeschön“ eine Flasche Schnaps (Blauer Würger) geschenkt. Das war so ziemlich das größte, was einem passieren konnte. Das Problem war nur – ich mochte das Zeug nicht! Hier entsteht eigentlich eine neue Geschichte um Alk und Befehl 30/74. Deshalb breche ich hier erst einmal ab.



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Re: Härtetest

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Beitragvon fuß822 » Freitag 9. Januar 2015, 16:47

Hallo Jungs,

Dietrich ein spannender Bericht. Ich kann mich an die Sturmbahn nur in Parow erinnern in Dranske weiß ich nicht mehr. Ich habe alle Härteteste mitgemacht, wenn mich nicht alles täuscht waren es fünf in der Werftliegezeit gab es keinen. Alle immer gut überstanden und unser Boot hat auch die Normen erfüllt. Mir kam es nicht so schwer vor, habe viel Sport getrieben und gewichtsmäßig war ich kein Schwergewicht. Meiner Erinnerung nach sind wir ohne Ausfälle durchgekommen.
Was mir zu schaffen machte war das Kampfanzugschwimmen. Wir wurden im Wiecker Bodden ausgesetzt und mußten Richtung Hafen schwimmen, sind glaube ich hinter der Ölpier an Land. Das war eine Plackerei, drei Züge vorwärts, einen zurück getrieben. Auch mit allen Taschen nach außen gekrempelt ging es an die Substanz. An Land konnte ich nicht stehen immer wieder zusammengesackt, es dauerte ein paar Minuten bis sich der Körper wieder normalisiert hatte. Die Zeit, welche wir im Wasser waren kann ich nicht mehr sagen (für mich waren es Stunden) vielleicht kann einer unserer Kommandanten sich daran erinnern und weiß die Zeit noch. Die Barkasse fuhr immer neben uns, ein paar wurden auch herausgezogen es ging nicht mehr.
Da muß man den Elementen schon Respekt zollen und ich hoffte daß so eine Situation mal nicht der Ernstfall werden würde.

Gruß

Reinhard



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Re: Härtetest

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Beitragvon Helmut42 » Mittwoch 25. September 2019, 13:21

Flottenschule Parow im Juni 1962 !
Unser bisheriger Alltag der laufenden Grundausbildung war geprägt von Marschieren mit Singen , Ex Ausbildung
MKE , Penibles Waffenreinigen u.s.w. u.s.w.
Der Traum von der Romantik der Seefahrt war hinüber.
Schon lange wurde gemunkelt das ein Gewaltmarsch am Ende der Grundausbildung uns bevorsteht. Dieses war keine Vision - es sollte zur harten Realität werden .Am Ende eines „ Besonderst netten „Ausbildungstages wurde 22.00 Uhr die Nachtruhe lauthals verkündet – zwei Stunden später wurden wir durch laute Kommandos „Alarm „ und weitere Befehle aus dm Schlaf gerissen .
Waffen empfang -MPi 41 und voller BA Ausrüstung raustreten. Der Kompaniechef informierte uns über die Lage und ab gings !
Uns stand ein 30 Km Gewaltmarsch mit neckischen Einlagen , wie der Spieß es formulierte , bevor .
Mit Kuttern wurden wir zur Insel Rügen, nach Altefähr,
übergesetzt. Mit Marschgesang und anfänglichen Tatendrang begann dieses Unternehmen. Nach den angekündigten neckischen Einlagen „ Gas „! , Aufsetzen der TSM und Marsch von c.a. 5 Km mit dieser Maske und den weiteren Befehlsgebungen schwenkte die anfängliche gute Laune um .Bei einigen, die Blasen an Füßen hatten und nach über 20 km physisch am Boden waren, mußten die Sanis ihre Künste beweisen.
Das Ziel der Strand von Altefähr wurde in den Vormittagsstunden erreicht . Der Einsatz des SANKRAS
war nicht notwendig ,da die nicht mehr konnten mitgeschleppt wurden. Dennoch waren alle erschöpft.
Durch die Ruhephase am Strand und der unerbittlichen
Sonneneinwirkung war der Lohn für alle ein herrlicher Sonnenbrand. Dennoch auch ich habe dieses geschafft und war ein kleIn wenig stolz .Belobigungen folgten .
Helmut 42



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Re: Härtetest

[29 / 31]

Beitragvon Eddy » Mittwoch 25. September 2019, 17:51

Hier ist er im Bild
-> -> -> Härtetest

Eddy
"Tradition pflegen heißt nicht Asche aufbewahren sondern eine Flamme am Leben erhalten!"

Berndt Borrmann, Fregattenkapitän a.D.
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Ehrenamtlicher Leiter des "Marinehistorischen- und Heimatmuseums Dranske / Bug"
Vorstandsmitglied der MK Bug 1992 e.V.



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Re: Härtetest

[30 / 31]

Beitragvon Horst A. » Donnerstag 26. September 2019, 17:38

Klasse Helmut,
an dieser neckischen Massnahme durften wir vom 1.Lehrgang auch teilnehmen.
Blasen an den Füßen und halbseitig Sonnenbrand wegen der vollständigen Erschöpfung beim liegen, schlafen am Strand sind noch in sehr guter Erinnerung.
Gruß Horst A.
Zuletzt geändert von Horst A. am Freitag 27. September 2019, 15:35, insgesamt 1-mal geändert.
" Respice Finem" (Beachte das Ende) v.Bothmer



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