Handelsmarine und Fischfangflotte

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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Zahlmeister » Donnerstag 6. Februar 2020, 18:16

Ich habe da auch noch so eine Anekdote beizusteuern.
Wir waren 1979 mit MS Saale von Wismar aus Richtung Tripolis/Lybien und Algier mit Stückgut unterwegs. Bereits 1 Stunde nach Ankunft Reede Tripolis kam schon der Lotse und wir konnten einlaufen, denn am nächsten Morgen sollten wir bereits gelöscht werden. Also wurden schon die Luken zum Aufziehen klargemacht und das Ladegeschirr gestellt. (Wir mussten noch mit eigenem Geschirr löschen, weil an der Pier nicht ein einziger Kran vorhanden war.) Am nächsten Tag erschien dann aber eine ganze Schar Uniformierter an Bord und teilte der verdutzten Schiffsführung nachdem sie die obligatorischen "Geschenke", wie Zigaretten, Kaffee usw. bekommen hatten, mit, das es mit dem Löschen noch einige Zeit dauern wird, da heute der Ramadan anfängt und deshalb nicht gelöscht werden kann ! Peng! Damit hatte keiner gerechnet. Was aber als Rattenschwanz hinterher kam, war, das die Fleischlast und die Getränkelast versiegelt wurden. Täglich kamen dann zwei Beamte vorbei, die die Lasten wieder öffneten und genau beobachteten, das der Koch kein Schweinefleisch rausholte und der Bootsmann nur Cola Limo usw. ausgeben konnte. Danach wieder Verschlusszustand bis zum nächste Tag.
Schöne Sch...! Ca. 3 Wochen gab es dann nur Geflügel in allen Varianten, Eier, Nudeln u.ä. Nicht mal ein Feierabendbier war möglich. Und das bei einer Affenhitze von mittags 40° im Schatten. Dafür hatte dan der Chiefmate für uns die Superaufgabe in der langen Liegezeit das Schiff neu in Farbe zu setzen. Kaum war der eine Sonnenbrand einigermaßen abgeheilt, bahnte sich der nächste an.
Als wir dann endlich mit der Restfracht, ein paar Container für Algier versegelten, wurde erst mal richtig Schnitzel bis zum Abwinken gespeist und mit Hafenbräu runtergespült. Alles in allem hat uns aber die ungewollte "Fastenkur" ein paar Kilo Fett weniger auf den Rippen und Bäuchen gebracht.
In Algier wurden die Container für den DDR-Messepavillon gelöscht und wir wurden dann etappenweise mal zur Besichtigung des Messestandes eingeladen.
Und jetzt kam der Hammer; einer der Container war vollgeladen mit Wernesgrüner und Radeberger Pilsner !!!
Wenn wir das in der zurückliegenden Durststrecke gewusst hätten, ich glaube, irgendwie wäre bestimmt an Bord ein " bischen Bruch" produziert worden.
An solche Episoden erinnert man sich heute noch so, als wenn es gestern gewesen wäre. :prost:
Liebe Grüße
Zahlmeister



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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Fritz Gast » Donnerstag 6. Februar 2020, 18:29

So ist es und so soll es sein. :genau:



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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon E-Nautiker » Donnerstag 6. Februar 2020, 18:49

Hallo Zahlmeister .Sehr guter Beitrag weiter so finde diese Anekdoten sehr interessant. :hello:
Gruß Dietmar ___der E-Nautiker ___________________________________________________

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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Fritz Gast » Donnerstag 6. Februar 2020, 21:37

Hallo Leute,
wie gesagt, die Fanggebiete verlagerten sich immer weiter nach Süden, das hieß auch, das die Temperaturen langsam anstiegen. Mit voll Schiff liefen wir dann in Point Noir, einer Hafenstadt im Kongo ein, Da auf dem afrikanischen Kontinent die Arbeit auf dem Palmen wächst, sollten die Einheimischen löschen und wir nur Kontrollfunktionen übernehmen. Vor allem war auf Diebstahl zu achten.
Man kann sich gar nicht vorstellen, mit welchen Einfallsreichtum man konfrontiert wurde. Frostfisch in den Schäften der Gummistiefel, Frostfisch mit einem Tampen um den Bauch gebunden, oder einfach über Bord geworfen und von einem Boot aufgesammelt.
Aber unsere Verluste hielten sich in Grenzen. Was auch gerne mitgenommen wurde waren die Bänder aus der Verarbeitung, von den Fließbändern zum Transport der Fische. Es waren für die Einheimischen die perfekten Sohlen, daraus bauten sie Badelatschen. Not macht halt erfinderisch. In unserer Freiwache stand natürlich wieder Stadtrundgang und Baden auf dem Programm. Fotografieren war allerdings strengstens verboten. Ansonsten verlief alles reibungslos.
Die nächste Löschung fand in Matadi statt, DR Kongo. Unserem Bruderstaat, oder so. Gleich nach dem Einlaufen fuhren 5 LKW vor, ca. 10, mit Kalaschnikow bewaffnete und in Uniform postierten sich vor dem Schiff und eine Delegation verlangte den Kapitän zu sprechen. Der Chef, mit viel Lametta auf der Brust fuchtelte die ganze Zeit mit einem Zettel rum, der nicht zu entziffern war, aber mindestens 10 mal abgestempelt.
Es stellte sich heraus, das zu diesem Zeitpunkt eine Konferenz der Afrikanischen Staaten in der Hauptstadt stattfindet und wir sollten aus gegebenen Anlass mal so 30 Tonnen Fisch spenden. Ansonsten wird das Schiff beschlagnahmt. Die ganze Geschichte zog Kreise bis in die DDR- Botschaft, und am Ende einigte man sich auf die Hälfte. Mit lehrem Bauch ging es dann südlicher, der nächste Einsatz lag vor der Küste Namibias. Da hieß es schon im Vorfeld: Äquatortaufe.
Aber dazu nächstes mal.
Und jetzt noch mal kurz Thema Bier und Alkohol angesprochen. Das gab es auf Zuteilung. Pro Woche 5 Bier und im Monat 1 Flasche Schnaps und 2 Flaschen Wein. Aber es gab immer Mittel und Wege an mehr ranzukommen, gerade die Matrosen, die mit dem 3. WO die Bierlast "verwalteten"-Außerdem waren diese edlen Getränke inoffizielles Zahlungsmittel an Bord. Wir Matrosen haben immer Tragegurte für die Seesäcke geflochten, Kostenpunkt, : Seepreis, also 1 Buddel Schnaps. :trink: :trink: :trink:
Bis dann



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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Zahlmeister » Freitag 7. Februar 2020, 10:38

Da seid ihr aber verdammt kurz gehalten worden mit dem Alk. Bei uns lief die "Transitausgabe". Es gab eine Kiste Hafenbräu, 1 Flasche Nordischer Löwe (Doppelkorn) oder 1 Flasche Goldkrone, sowie 1 Stange Zigaretten. Hatte man das Glück, das ein paar Gesellen an Bord waren, die lieber Cola und Schokolade konsumierten, so einigte man sich und übernahm deren Ration. So kam man eigentlich immer gut über die Runden. :frechgrins:

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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Fritz Gast » Freitag 7. Februar 2020, 11:23

Wir sind ja meist Charter geflogen, da war die Zollkontrolle nicht so hart. Im Seesack war dann immer ein Hohlraum bei einigen, der Zoll wusste wohl Bescheid, das da einige Kollegen ein 5 l Plastekanister mit Schnaps ausführten. Hat auch gut geklappt, bis ein Neuling vom Zoll mal nachfragte und den Kapitän steckte, das Alkohol geschmuggelt wird, es durfte ja nur 1 l ausgeführt werden. Also hatten wir dann beim Abflug 5 l mehr Platz im Seesack. So 6-8 Kanister wurden dann entsorgt. Alkohol- Frevel.



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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Zahlmeister » Freitag 7. Februar 2020, 11:27

Du sagst es, das ist ja eine Katastrophe !!! :schrei:



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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Helmut42 » Freitag 7. Februar 2020, 11:51

Hallo Frank .
Das waren ja Unmengen von Alkohol die ihr verkonsumiert habt .Bei den Landgängen in den Ländern konntet ihr ja sicherlich auch Alk kaufen . Ich kann mir vorstellen das der Kauf nicht immer einfach war und zum anderen
gab es in den afrikanischen Ländern auch viel gepanschtes Zeug was lebensgefährlich war .
Ihr müßt ja jeden Tag ziemlich gezecht haben ? Was solltet Ihr denn nach getaner Arbeit auch tun ?

Das positive war ja sicher auch , das Euer Smutje für Euch den leckersten unter Garantie frischen Fisch zubereiten
konnte .

Ich glaube daran denkst Du u.a. gerne zurück .

Machs Gut
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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Helmut42 » Freitag 7. Februar 2020, 11:57

Der Neuling .der Dem Kapitän das von der Schmuckelware gesteckt hat ,hat dieses von Euch bestimmt zu
spüren bekommen . In seiner Haut wollte ich nicht stecken !!!

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Re: Handelsmarine und Fischfangflotte

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Beitragvon Dietrich Lücke » Freitag 7. Februar 2020, 12:15

Hallo „Fritz Gast“,

schön, dass Du mal geschrieben hast, was da so als Fischer an Bord verdient wurde. Ich konnte mir das nie so richtig vorstellen, weil das in keinem Verhältnis zu Löhnen und Gehältern im Land selbst war.

Als ich im Herbst 1974 eingezogen wurde, kamen auch etliche Hochseefischer zur Truppe. Die kamen frisch von Bord und hatten noch ihre letzte Löhnung in bar dabei. Soviel Kohle hatte ich bis dato noch nie auf einem Haufen gesehen. Die nahmen auch kein Blatt vor den Mund was ihre Bezahlung anging. Einer war sogar dabei, der sich mehrmals aus 100-Mark-Scheinen eine Zigarette drehte. Das war dann so der Punkt, wo ich anfing nachzudenken. Diese Leute bekamen pro Reise mehr Geld in die Hand als dein studierter Vater als Jahresgehalt bezog. Ich dachte noch, na gut, ist eine harte Arbeit – aber trotzdem – irgendwie kann das doch nicht wirtschaftlich gesund sein. Mehr zu hinterfragen hatte ich damals auch nicht die Lust, die Möglichkeiten und die Zeit. Außerdem kam ich mit einem der Fischer ganz gut klar, der mir viel über die Qualität von Fisch beibrachte. Die Lehren und Erkenntnisse kommen mir heute noch zugute.

Was mir aber einige Jahre später übel aufstieß, war während eines Urlaubs in Stolberg (Harz) das Benehmen von Hochseefischerfamilien, die dort auch Urlaub machten und so „richtig die Sau rausließen“. Die schmissen mit dem Geld nur so um sich, benahmen sich in einer Art und Weise, als ob ihnen die Welt gehört. Es war einfach nur zum kot… !!

Das erinnerte mich an den 100-Mark-Zigaretten-Raucher vom Dänholm. Und seid damals (1984) hatte ich so eine Ahnung, dass diese Art zu wirtschaften irgendwie nicht gut gehen kann. Das es aber 1989/90 den totalen Crash geben würde, hätte ich mir nicht vorstellen können.

Gruß, Dieter



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