Praktikum in den 70-igern

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Praktikum in den 70-igern

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Beitragvon Hannes53 » Mittwoch 21. September 2011, 07:55

Hallo Seemänner,
heute möchte ich meine Erlebnisse im Praktikum in der 4 Flottille auf KSS Projekt 50 141 und 142 zum Besten geben. Im 3. Studienjahr (Navigation/Navigationstechnik Baku) fand unser Praktikum endlich auf richtigen Schiffen im richtigen Gefechtsabschnittstatt GAI statt. Untergebracht waren wir auf der 142, die als Wohnschiff diente. Ziemlich weit unten in einen Unteroffiziersdeck. In Erinnerung ist mir vor allem das Frischluftgebläse nachts. Mir sind fast die Füße abgefrohren. Entscheidend war aber die Tätigkeit an Bord der 141. Der GaI-Kommandeur (ein Oberleutnant , dessen Namen mir leider enfallen ist) machte das Praktikum zur echten Einarbeitung in die Aufgaben des Navigationsabschnitts. Außerdem nahmen wir an allen Maßnahmen der Besatzung teil.
Unvergeßlich ist mir die stattgefundene Ausbildungsfahrt geblieben. Das Schiff war wohl aus einer längeren Werftliegezeit zurück und sollte auf dieser Fahrt sehr viele Gefechtsaufgaben mit faktischen Waffeneinsatz durchführen. Wir fuhren unsere Wachen auf der Brücke und im BSI. So kamen wir alles ausgezeichnet mit. Östlich von Rügen ging es hoch her. In Erinnerung ist mir vor allem das Schießen der 100mm- Geschütze geblieben. Erst im optischen Verfahren auf Luft- und Seeziele, aber das Highlight war der Einsatz der Geschütze mit Funkmeß auf Seeziel. Der GAII- Kommandeur, auch ein ehemaliger Baku-Schüler, hatte allerdings dabei etwas Streß. Ein Schlepper lief in ca. 70 kbl Entfernung mit der Scheibe. Man begann mit der Funkmeßanlage das Ziel zu erfassen. Alles ok, optische Kontrolle oK. Probeschuß ok. Der Kontrolloffizier von Bord des Schlepper meldete ebenfalls ok. Dann gab es den Befehl zu 3 Salven „Schnellfeuer“ mit allen drei Geschützen. Beindruckend. Plötzlich auf UKW hektische Laute vom Kontrolloffizier auf dem Schlepper. Die Einschläge der Granaten waren wohl sehr nah. Aber man konnte nichts mehr machen. Die Granaten der 2. Und 3. Salve waren unterwegs. Gott sei Dank ist nichts passiert, obwohl die Ablagen nicht schlecht waren. So jedenfalls die Auswertung des Kontrolloffiziers nach Übersteigen vom Schlepper. Er konnte da schon wieder lachen. Die Auswertung ergab dann, daß irgendwie nach dem Probeschuß plötzlich der Schlepper das eingemessene Ziel auf Funkmeß war. Der GAII-Kommandeur hatte jedenfalls schwer zu leiden. Die anderen Waffeneinsätze verliefen dann wie oft geübt. Nach dem Wasserbombeneinsatz mußte etwas gefischt werden. Das Wetter war auch super, so daß es eine der schönsten Seefahrten meiner Bordkarriere war.
Zurück in Warnemünde wollten wir nun endlich in den lang ersehnten Heimaturlaub. Allerdings war am Wochenende das Schwimmfest der Abteilung oder Brigade in der Schwimmhalle des Neptun-Hotels angesetzt. Der Kommandant ernannte uns kurz zu Kampfrichtern , da wir ja keine ständigen Mitglieder der Besatzungen waren. Nach schwerer Schiedsrichtertätigkeit verbrachten wir dann im Neptun den Rest des Samstags und den frühen Morgen des Sonntags . In der Sky-Bar hatten wir ein paar nette Stunden mit Mädels aus Sachsen.
Außerdem in Erinnerung ist noch der Einsatz als Leiter von Arbeitskommandos im Überseehafen beim Ausladen von Erdnusssäcken. Schwere Knochenarbeit an drei Tagen.
Im ganzen gesehen eines meiner besten Praktika mit fast allen Seiten des Lebens in der VM.
Mein zweites Praktikum im Jahr 77 war leider nicht so ereignisreich. Nach drei Wochen Industriepraktikum, das wie ein Urlaub war, landete ich auf MSR 346. Es ging gleich auf See zum Vorposten 72. Auch eine tolle Erfahrung mit einer guten Besatzung. Allerdings leider ohne richtige Highlights. Die Bundesmarine und die NATO hatte Sommerpause. Dann in den Hafen und mit dem Kommandanten auf das nächste Schiff und in See. Diesmal auf Reede vor Warnemünde – Bereitschaft für VP72. Nur Ausbildung vor Anker und einen defekten Kühlschrank, der das Geruchsniveau des Schiffes erheblich beeinträchtigte. Dann wieder rein zurück auf die 346 und wieder in See auf Reede. In dieser Woche allerdings eine Nachtfahrt in Richtung VP72, die aber nach knapp 2 Stunden abgebrochen wurde. Mein Kommandant hatte wohl kurz vor meinem Praktikum ein Bordfest veranstaltet und irgendetwas ist wohl nicht so gelaufen, wie es sollte. Also fuhr er zur Belobigung zur See und nahm seinen „Schüler“ mit. Seit diesen Praktikum hatte ich die Regeln des UKW-Funks intus, sämtliche Meldetabellen usw. Außerdem hatten wir immer tolles Wetter und konnten uns schön bräunen. Meine beiden letzten Tage dieses Praktikums verbrachte ich dann im Abteilungsstab, da mein Kommandant wieder auf See war.
Wie Ihr seht, nur gute Erinnerungen an die Hohe Düne. So viele Seetage hatte ich nie wieder in so kurzer Zeit. Später war ich dann mehrmals mit Projekt 206 kurzzeitig im Rahmen von Navibelehrungsfahrten und Vorführungen gern im Stützpunkt zu Besuch. Denn eigentlich wollte ich immer auf „groosen“ Schiffen zur See fahren. Allerdings ist die Seefahrt auf Schnellbbooten auch nicht ohne. Danach Umsteigen auf Dickschiff ist sicher sehr schwer.
Gruß!
Hannes53



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