Die 101 A Klasse

Zerstörer der Klasse 101/101A (Hamburg-Klasse)

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Die 101 A Klasse

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Beitragvon Edwin » Mittwoch 30. Dezember 2015, 16:14

Nach einer mehr als zwölfjährigen Pause nach dem Zweiten Weltkrieg war es schwierig in Deutschland, wieder mit dem Bau größerer Schiffe zu beginnen. Unmittelbar nach dem Krieg durfte Deutschland die Einheiten in der Größenordnung von Räum- und Schnellbooten entwerfen und liefern. Der Weg zum Zerstörer war noch lang, auch war die deutsche Industrie aufgrund der Nachkriegserfahrungen nicht mehr gewillt, im Rüstungsbereich tätig zu werden. Mehrere deutsche Werften, die sich traditionell mit dem Bau von Torpedoeinheiten befaßten, standen nicht mehr zur Verfügung (z.B. die bekannte Schichau-Werft in Elbing, dem heutigen polnischen Elblag). Die restlichen Werften im Westen waren mit dem Wiederaufbau der Handelsflotte voll ausgelastet. Nur die Werft A. G. Weser in Bremen hat sich bereit erklärt, zwischen 1958 und 1962 insgesamt 12 Schiffe dieser Kategorie zu bauen. Um die Termine zu verkürzen, wollte man noch eine zweite Werft verpflichten, welche die letzten drei Schiffe bauen sollte. In Frage kamen die Howaldtswerke in Kiel und ihr Zweigbetrieb in Hamburg.

Der Entwurf der A. G. Weser hatte folgende Charakteristika: Verdrängung 2800 t, drei Dampfturbinen mit insgesamt 105.000 PS, drei Wellen und Schrauben, Höchstgeschwindigkeit 36 kn. Die Frage der Bewaffnung blieb noch offen, es ist aber anzunehmen, daß die Schiffe wie die spätere HAMBURG-Klasse bewaffnet werden sollten. Im September 1956 hat auch die Werft H. C. Stülcken Sohn in Hamburg ein Angebot gemacht. Dort wollte man drei Schiffe nach einem eigenen Projekt bauen und fünf weitere an eine Nachbauwerft vergeben (diese Werft hat sich auch um den Bau des Ausbildungsschiffs DEUTSCHLAND beworben, der aber zuletzt an die Nobiskrug-Werft in Rendsburg vergeben wurde).

Für die Zerstörer war auch eine neue Antriebsart im Gespräch, die sogenannte "Illies-Schichau-Technik" oder "IS-Anlage", die am Kriegsende für die Flottentorpedoboote 1941 ab T 44 vorgesehen war. Die Konstruktionsdaten der Zerstörer mußten wegen der WEU-Einsprüche geändert werden: Verdrängung 2850 t, Maschinenleistung 60.000 bis 66.000 PS (vorerst noch 70.000, bzw. 77.000 PS), später 78.000 bis 82.000 PS. Die Gesamt-verdrängung einschließlich 50% Zuladung lag bei 3812 t, bei 100% Zuladung waren es 4552 t.

Die Stülcken-Werft im Hamburg bekam zuletzt den Auftrag (inzwischen nur noch) vier Schiffe der neuen Klasse als sogenannte "Zerstörer 55" zu bauen. Die Bauaufträge für die ersten drei Einheiten wurden im August 1957, für das vierte Schiff im Juli 1958 vergeben. Nach der Fertigstellung war die Serie (nach der ersten Einheit) als die HAMBURG-Klasse bekannt, der offizielle Name lautete Flottenzerstörer Klasse 101. Die ersten Bezeichnungen der Schiffe waren ZA, ZB, ZC und ZD, beim Stapellauf hat man die Namen HAMBURG, SCHLESWIG-HOLSTEIN, BAYERN und HESSEN vergeben. Alle vier Einheiten sind nach Bundesstaaten benannt, auch die Stadt Hamburg ist ein Bundesstaat. Dazu handelte es sich um Traditionsnamen deutscher Marinen. HAMBURG war ein Kleiner Kreuzer, SCHLESWIG-HOLSTEIN und HESSEN waren Vor-Dreadnought-Linienschiffe der DEUTSCHLAND-Klasse gewesen, den Namen BAYERN trug ursprünglich ein Panzerschiff ("Ausfallkorvette"), später ein Super-Dreadnought der gleichnamigen Klasse. Die HESSEN wurde erst nach einer längeren Pause bei Blohm + Voss in Hamburg fertiggestellt, schuld daran waren die Probleme an Getrieben und Turbinen, die von denen der anderen drei Schiffen unterschiedlich waren. So blieb die HESSEN bis zur verspäteten Indienststellung im Marinearsenal Wilhelmshaven liegen.

Aussehen der Schiffe

Noch während des Baus gab es mehrere Änderungen des ursprünglichen Entwurfes, erst nachträglich wurde die Verdrängungssteigerung durch die WEU genehmigt, als neue Obergrenze setzte man 6000 t fest. Der Schiffsrumpf war in der Konstruktionswasserlinie 128,00 m lang, die Länge über alles betrug 133,70 m. Die größte Breite lag bei 13,42 m, der Tiefgang an der Konstruktionswasserlinie maß 4,00 m, bei voller Beladung 4,80 m. Mit dem Sonardom lag der Tiefgang bei 5,20 m, bzw. 6,45 m und die Seitenhöhe betrug 7,70 m. Die ursprüngliche Standardverdrängung lag bei 3340 t, die Einsatzverdrängung bei 4330 t. Nach verschiedenen Umbauten und Modernisierungen stieg die Standardverdrängung auf 3540 t, die maximale Einsatzverdrängung auf 4692 t. Bei der HAMBURG selbst war dieser Zuwachs noch größer ausgefallen und die Verdrängung nach Umrüstungen stieg auf 3600 bzw. 4767 t. Auch wurden die Schiffe nach zivilen Regeln vermessen: sie hatten 3950,86 BRT bzw. 1319,18 NRT.

Die Schiffsrümpfe der Glattdeckzerstörer (eine Abkehr von der früheren Tradition; alle deutsche WK-II-Zerstörer waren als Backdecker konstruiert) waren aus Schiffbaustahl erbaut. Es gab vierzehn Abteilungen, die durch dreizehn Querschotte voneinander getrennt waren. Die Aufbauten waren zum Teil aus Leichtmetall, durch den hermetischen Verschlußzustand hatten die Schiffe den vollen ABC-Schutz (im Englischen als NBC-Schutz bekannt) Im Vorschiff gab es keinen Bugwulst, typisch ist hier der Knickspant vorne und das Spiegelheck achtern. Ursprünglich hatten die Schiffe im Bug drei nebeinander angeordnete Torpedorohre, die man später entfernt und die Öffnungen zugeschweißt hat. Achtern befanden sich die Öffnungen für zwei weitere T-Rohre, die bei der Modernisierung das gleiche Schicksal erlitten. Die Schiffe hatten zwei Buganker in Decksklüsen und einen Heckanker (später abgegeben).

Die fünf Decks hohen Aufbauten waren ungewöhnlich groß (auch deshalb waren sie teilweise aus Leichtmetall angefertigt), die vorderen Aufbauten erstreckten sich auf der gesamten Rumpfbreite. Die Matrosen gaben den Schiffen deshalb den Namen "die Hochhauser" Die Einheiten sahen nicht nur topplastig aus, sie waren es auch tatsächlich. So hat man die T-Rohre in Bug und Heck untergebracht,weil die geplante Aufstellung eines Fünfrohrsatzes aus Stabilitätsgründen nicht möglich war. Im Dienst traten immer wieder Risse in Aufbauten auf, was man (zumeist ohne Erfolg) durch Verstärkungen und won Dehnungsfugen unterbinden wollte. Bei der letzten Modernisierung wurden die Aufbauten durchgehend gestaltet. Das C-Deck zwischen Spanten 63 und 67 hat man geschlossen. Trotzdem gab es auf BAYERN beim schlechten Wetter im Herbst 1977 wieder Risse im Bereich der Aufbauten und in Schiffsbodenplatten zwischen den nachträglich eingebauten Ballastplatten.

Ungewöhnlich waren auch drei Bindermasten, einer vor dem ersten Schornstein, die beiden anderen vor und hinter dem achteren Schornstein. Bei späteren Umbauten kamen leichtere und kleinere Antennen zum Einsatz, der dritte Mast wurde entfernt und die Brücken geschlossen, so sind sie denen auf Fregatten der Klasse 122 (BREMEN- Klasse) ähnlich. Auf den Schornsteinen gab es vom Anfang an Schrägkappen, bei den ersten beiden Schiffen waren sie etwas kleiner als beim zweiten Paar. Während der Werftliegezeiten hat man die Höhe der Kappen bei allen Schiffen nach und nach erhöht und miteinander ausgeglichen. Bei Instandsetzungen hat man an einigen Zerstörern der Klasse die Schornsteinmäntel durch neue ausgetauscht (HAMBURG und SCHLESWIG-HOLSTEIN).

Antriebsanlage

Die Zerstörer der Klasse 101 bekamen zwei Sätze an WAHODAG-Getriebedampfturbinen mit je 25.024 kW (34.000 PS), insgesamt 50.048 kW (bzw. 68.000 PS). Für kürzere Zeit konnte man die Turbinenstärke bis 52.992 kW hochfahren (72.069 PS). Der Dampf für die Turbinen wurde in vier WAHODAG-Hochdruck-Heißdampf-Wasserrohrkesseln erzeugt. Die Kessel waren Doppelender mit natürlichem Umlauf und einer Askania-Regelung. Der Betriebsdruck lag bei 59 atü (64 kglcm2), die Dampftemperatur bei 456°, die Leistung bei 70 t Dampf pro Stunde. Die Kessel und Turbinen waren in zwei getrennten Kraftwerken untergebracht. Zuerst waren die Kessel mit schwerem Heizöl befeuert, in den 70er Jahren hat man sie auf die Befeuerung mit leichtem Heizöl umgerüstet. Es konnten bis 809 m3 Heizöl gebunkert werden. Die Getriebeturbinen wirkten auf zwei Wellen, ursprünglich hatten die Schiffe zwei dreiflügelige Schrauben, endgültig bekamen sie zwei fünfflügelige Schrauben mit einem Durchmesser von 3,50 m. Die Schrauben der SCHLESWIG-HOLSTEIN hatten einen Durchmesser von nur 3,40 m. Die maximale Geschwindigkeit bei 50.048 kW lag bei 35 kn, beim Erreichen von 52.992 kW stieg sie auf 36,8 kn. Die Fahrstrecke war bei 36 kn mit nur 700 sm sehr gering, bei 25 kn betrug sie 1.250 sm, bei 13 kn stieg sie auf 6.000 sm.

Zuletzt hatten die BAYERN und HESSEN zeitweise nur noch einen Zweikesselbetrieb gehabt, ab 1988 waren auf HAMBURG und SCHLESWIG-HOLSTEIN auch nur zwei Kessel im Betrieb gewesen. Während ihrer letzten Werftliegezeit wurden auf der SCHLESWIG-HOLSTEIN die Kessel bis auf Untertrommeln durch neue ausgetauscht. Für die Elektroanlage gab es sechs Dieselgeneratoren mit je 700 kW (950 PS) und 750 kVA, sowie zwei Dieselgeneratoren mit je 460 kW (620 PS) und 450 kVA.

Bewaffnung und Elektronik

Die Nachkriegszerstörer anderer Staaten, wie z.B. von USA, Frankreich, Großbritannien und der UdSSR, waren mit jeweils drei bis vier Geschützen im Kaliber von 11,43 bis 13 cm bewaffnet. Für die deutschen Neubauten hat man dagegen ein leichteres Hauptkaliber der Geschütze gewählt, die auch für die Flugabwehr tauglich sein sollten. Jeder Zerstörer bekam vier 10 cm/L55-Geschütze der französischen Firma Creuzot-Loire, die auch für die umgebauten deutschen Fregatten SCHARNHORST und GNEISENAU der Klasse 138 bestellt wurden, sowie für das Ausbildungsschiff DEUTSCHLAND, die Fregatten der KÖLN-Klasse (Klasse 120) und für einige der Flottenversorger. Bei der HAMBURG-Klasse waren je zwei Geschütze vorn und achtern überhöht aufgestellt. Es handelte sich um Waffen, die Frankreich für seine Neubauten neu entworfen hat. Bekannterweise hatte die französische Marine nach dem Zweiten Weltkrieg eigene Universal-Geschütze im Kaliber 12,7 cm entwickelt (die aber soweit standardisiert waren, daß sie US-amerikanische 12,7 cm- bzw. 5in-Munition verschießen sollten). Als Sekundär-Fla-Batterie bekamen die neueren französischen Schiffe (darunter die Fla-Kreuzer DE GRASSE und COLBERT) die Bofors 5,7 cm/L6O-Zwillingflak. Als Ersatz für beide Waffen (für Neubauten und einige Umbauten) hat man die neue automatische 10 cm-Universal-Kanone entwickelt, bekannt unter dem Namen lOOmm MLE 1953, die im Jahre 1959 eingeführt wurde. Es war das erste französische vollautomatische Geschütz des mittleren Kalibers, geeignet sowohl für die Flugabwehr, wie auch für den Küstenbeschuß. Der Geschützturm ist während des Einsatzes unbemannt, die Geschütze ferngesteuert. Das Rohr war 55 Kaliber lang und wassergekühlt, die Lebensdauer des Innenrohrs lag bei 3000 Schuß. Die Feuergeschwindigkeit von 10, 40 oder 90 Schuß in der Minute konnte man nach Bedarf vorwählen. Die Mündungsgeschwindigkeit lag bei 870 mlsek, die Reichweite bei 17.500 m, die maximale wirksame Reichweite der 13,5 kp schweren Projektiles war mit 12.000 m etwas kleiner. Die maximale Höhe ("Plafond") für die Flugabwehr wurde mit 6.000 m angegeben. Die größte Elevation des Rohres lag bei +80°, die tiefste Depression bei -15°. Für jedes Geschütz konnte man 42 Granaten in Munitionskamniern mitführen, dazu gab es 18 Granaten in der Zwischenkammer und 6 Granaten im Magazin am Geschütz selbst. Gesamtgewicht des Geschüzes lag bei 13.500 kp. Dank der Zwischenkammer (die mit dem Geschütz rotiert und der Elevation folgt) konnte man schneller das Feuer eröffnen und nach Bedarf verschiedene Arten von Munition abfeuern. Spätere Versionen trugen die Bezeichnung MLE 1964, MLE 1968 und Compact (späte Export-Version). Außer Frankreich und Deutschland hat auch Portugal dieses Waffensystem für seine Fregatten eingeführt, später auch Argentinien, Belgien, Malesien, Saudi-Arabien, Türkei, Uruguay und auch China (bei der JIANGHU-IV-Klasse).

Als leichte Flak bekamen die Zerstörer der Klasse 101 jeweils acht Bofors 4 cmIL7O Geschütze in vier Doppellafetten Mod 68 11162 Breda. Je zwei Lafetten befanden sich seitlich der vorderen und achteren Aufbauten. Die Geschütze selbst sind ausreichend bekannt und oft beschrieben, es handelt sich um eine Variante eines schwedischen Nachkriegs-"Exportschlagers". Beim Umbau, wo der dritte 10 cm-Turm entfernt und vier Exocet-Startcontainer aufgestellt wurden, hat man auch die vier 4 cm-Doppellafetten durch etwas modernere Zwillinglafetten Mod 64 MDL Breda ersetzt. Wie schon beschrieben, sollten die Zerstörer der Klasse 101 einen Fünfertorpedorohrsatz im Kaliber 53,3 cm zwischen den Schornsteinen erhalten. Aus Stabilitätsgründen hat man die T-Rohre dann anderswo untergebracht: drei wurden im Vorschiff und drei im Achterschiff, mit axialer Schußrichtung, fest eingebaut. Die Torpedos Mk 37-0 (Mk 37 Mod 0) waren gegen Überwasserschiffe einsetzbar. Um die Torpedomagazine nachzuladen gab es auf dem Achterdeck zwischen den Minengleisen eine hydraulische Luke, mit Abmessungen von zwei mal fünf Meter. Auf dem Vorschiff hat man für die gleichen Zwecke ein röhrenförmiges, schräg aus dem Deck herausragendes Nachladeluk eingebaut. Nach der Abgabe der T-Rohre (ab 1973) wurden auch diese Nachladeöffnungen verschlossen. Dazu gab es am Oberdeck zwei 53,3 cm-Einzeltorpedo-Rohre für die U-Bootabwehr, die für Torpedos Mk 44 Mod 1 vorgesehen waren. Diese Rohre hat man bei der Modernisierung (und dem Wegfall der T-Rohre in Bug und Heck) durch vier 53,3 cm-T-Rohre TORO UJ-2 für neuere U-Jagdtorpedos ersetzt. Gegen die U-Boote dienten auch acht 37,5 cm-Raketenwerfer der Firma Bofors in zwei Vierergruppen auf dem vorderen Aufbautenblock, erhöht hinter dem zweiten Geschütz (Turm B) aufgestellt. Es handelte sich um eine in frühen 50ern entworfene Waffe, die seit 1956 operativ war. Die Werfer konnten in der Horizontalen bis 130° auf jeder Seite geschwenkt werden, die Elevation beim Laden betrug zwischen 15° und 90°, beim Feuern lag sie zwischen 15° und 60°. Man konnte die 230 bis 250 kp schweren Ujagd-Projektile M 50 (mit einer Reichweite von 300 bis 830 m), Erika (600 bis 1600 m) oder Nelli (1520 bis 3600 m) abfeuern. Auf dem Achterdeck gab es zwei Ablaufbühnen für die Wassserbomben Die Zerstörer der HAMBURG-Klasse konnten auch Minen aufladen und legen.

Deutsche Marine - Zerstörer Typ 101

Bei der Modernisierung erhielten die Schiffe auch noch 20-rohrige 10.5 cm-Düppelwerfer der Fa. Breda. Die Hauptänderung der Bewaffnung, die aus Kostengründen immer wieder hinausgezögert und erst Mitte der 70-er Jahre (Klasse 101A) durchgeführt wurde, war der Ersatz des dritten 10 cm-Geschützestes (Turm C) durch vier MM 38 Exocet Schiff-Schiff-FK in zwei Doppelstartern. Die Schußrichtung der FK in einem Winkel von 45° nach vorn (von der Schiffsachse gemessen). Um das vierte Geschütz (Turm D) vor den FK-Abgasen zu schützen, gab es eine gebogene Erhöhung des Aufbaudecks, wo sich die MM 38 befanden.

Der Navigation diente der Funkpeiler und die Radaranlage Kevin Hughes 14/9. Die ersten Radaranlagen waren die Hollandse Signaalapparaten SGR 103/12 (kommerzielller Name für den Seeraumüberwachungsradar ZW 01),die SGR 1O4/04 auf dem vorderen Mast (kommerzieller Name für die Radaranlage DA 01 zur Luft- und Seezielsuche) und die SGR 110 (Signaal LW 02 großer Reichweite zur Luftraumbeobachtung, mit der großen Antennne auf dem zweiten Mast). Für die 10 cm- und 4 cm-Geschütze hatte man vorne und achtern je zwei Radarzielgeräte der M45-Serie aufgestellt (auch von der Firma Signaal), bei der Bundesmarine als M 4/2-Serie bekannt (M 4/2-15/1, M 4/2-14/2 Du, M 4/2-15/3). Der Sonar ELAC 1BV war ein Produkt der Firma Krupp-Atlas. Zeitweise hatten die Schiffe auch die Satellitenverbindungsanlage DE-82.

Ab Beginn der 70er Jahre hat man die alten großen Antennen stufenweise durch neue moderne und kleinere ersetzt. In 1973 fuhren die HAMBURG und die SCHLESWIG-HOLSTEIN auf dem vorderen Mast die alten Antennen und achtern die neuen. Die HESSEN und BAYERN bekamen dagegen bis 1973 die neuen Antennen vorne und achtern. Auch hat man den dritten Mast schon ab Mitte der 60er als überflüssig abgebaut, später auch das achtere M45-Waffenleitgerät. Nach dem Umbau und Umrüstung hatten die Zerstörer der HAMBURG-Klasse ein Signaal DA 08 Luftraumüberwachungsradar großer Reichweite auf dem achteren Mast, eine kombinierte SeefLuft-Radarbeobachtungsanlage SGR 114/10 (Signaal LW 04) auf dem vorderen Mast und einen Radar SGR 116/04 (ZW 01) darunter. Es gab nur noch drei M45-Waffenleitanlagen, auf der HESSEN waren es z.B. die neueren M 2/2-14 Du, V 3/2-71 Du und die M 5/4-381 Du, V 3/2-71 Du und die M 5/4-381 Du.

Weitere Umbauten umfaßten die Modernisierung der Fernmeldeanlagen und aller taktischen Führungssysteme, Einbau einer IFF/SIF-Anlage, sowie einer ECM-Anlage WLR-6 oder WLR-10. Ab April 1978 hatten alle Schiffe die geschlossene Zerstörer-Brücke bekommen. Nach erfolgten Umbauten trugen sie die Klassenbezeichnung Zerstörer 101 A. Alle diese Maßnahmen vergrösserten die Verdrängung und gefährdeten die Stabilität. Es gab keine Stabilitätsreserven mehr, so mußten die Schiffe aus Gründen der Leckstabilität immer mit einem vorlichen Trimm fahren (Mehreintauchung vorn etwa 40 cm). Ihre Erhaltungskosten wurden immer größer, auch wegen des zunehmenden Alters wollte man nicht mehr die nächste Stufe der Modernisierung zum Zerstörer 101 B durchführen. Diese hätte folgende Maßnahmen umfaßt: Ausbau der Türme B und D, Einbau von zwei RAM-Nächstbereich-FK.. Flugabwehrstarter, Aufstellung eines 3-cm-Radars auf dem vorderen Mast, sowie einer FL 1800-Anlage. Auf dem Vormars wäre die DA 08-Anlage geblieben, die Navigationsanlage Kelvin Hughes 14/9 hätte man durch die Radaranlage 3 RM 20 ersetzt. Anstelle von vier 53,3-Uj-TR hätte man zwei dreifache 32,4 cm-Ujagd-TR aufge-stellt. Auch die Aufbauten vor dem vorderen Schornstein wären geändert worden. Eine andere Variante sah den Verbleib des Turmes B an Bord vor, die beiden RAM-Starter hätte man seitlich aufgestellt, die 37,5 cm-Bofors-Werfer ausgebaut. Eine dritte Variante des Zerstörers 101 B sah den Ersatz des Turmes B durch vier weitere MM 38 Flugkörperstarter vor. Aufgrund einer Kostenanalyse (wobei die Kosten der reinen Indiensthaltung und Instandsetzung ohne Umbauten sich pro Schiff jährlich auf 42,5 Millionen DM beliefen) wurden alle diese Maßnahmen verworfen, man entschied sich dafür, die Schiffe durch gleichnamige Fregatten des Typs 123 Brandenburg-Klasse zu ersetzen.

Zwischen 1990 und 1994 wurden die Zerstörer der Klasse 101A außer Dienst gestellt.



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Re: Die 101 A Klasse

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Beitragvon Edwin » Sonntag 3. Januar 2016, 15:10

(Bewaffnung nach Umbau in Klammern):
Abmessungen 133,7 x 13,4 x 4,8 m
Wasserverdrängung 4050 t
Antriebsleistung 68000PS Geschwindigkeit 35 Knoten
Besatzung 280 Mann
Bewaffnung 4 (3) 100-mm-Geschütze, 8 (8) 40-mm-Flak, 5 (0) 533-mm-Torpedorohre, 2 (4) 533-mm-U-Jagd-Torpedorohre, 8 (8) UAW-Raketenwerfer in zwei Vierergruppen, 2 (2) Wasserbombenablaufbühnen, (2) Flugkörperdoppelstarter MM 38 Exocet.
Bauwerft:H.C. Stülcken/ Blohm & Voss, Hamburg
Baunummer:898



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Re: Die 101 A Klasse Antriebsanlage

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Beitragvon Edwin » Dienstag 5. Januar 2016, 02:27

Zwei Satz WAHODAG-Getriebeturbinen mit je 34.000 WPS, entsprechend 25.024 kW bei 350 u/min/Welle.

Maximal je Turbine: 36.000 WPS, entsprechend 26.496 kW.

Zusammen: 68.000/72.000 WPS, entsprechend 50.048/52.992 kW.

Vier WAHODAG-Hochdruck-Heißdampf-Doppelender-Wasserrohrkessel mit natürlichem Umlauf und Askania-Steuerung, angeordnet in zwei Kesselräumen.

Betriebsdruck der Kessel: 59 atü

Dampftemperatur: 465 °C

Dampfleistung: 70 t/h

Anzahl und Art der Propeller: anfangs 2 dreiflügelige, schließlich 2 fünfflügelige Schrauben

Durchmesser der Propeller: 3,50 m

Anzahl der Ruder: 2 Stück

Konstrukstionsgeschwindigkeit: 35,00 kn

Höchstgeschwindigkeit: bis 36,80 kn

Fahrbereiche: bei 13,0 kn Dauergeschwindigkeit: 6.000 sm

bei 25,0 kn Dauergeschwindigkeit: 1.250 sm

bei 36,0 kn Dauergeschwindigkeit: 700 sm



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Re: Die 101 A Klasse

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Beitragvon Edwin » Montag 10. April 2017, 12:33

Sorry Kameraden,

da ich zur zeit viel im europäischen Ausland tätig war konnte ich mich hier kaum melden neben bei habe ich mich von den ehemaligen Zerstörerfahrer und Freunden getrennt und mir meine eigene Seite aufgebaut, ich hoffe das es jetzt etwas ruhiger wird beruflich. :ahoi: :ahoi: :ahoi:



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