Urheberrechts-Reform in der EU

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Urheberrechts-Reform in der EU

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Beitragvon Thommy206 » Montag 29. Juni 2015, 09:40

Urheberrechtsreform steht ab Juli in der EU auf dem Prüfstand

Ihr fotografiert im Urlaub z.B. gern berühmte Bauwerke und stellt die Bilder dann bei sozialen Netzwerken wie Facebook ein? Das ist völlig iO, jedenfalls noch !!!
Denn was in Deutschland im öffentlichen Raum herumsteht, darf fotografiert werden – es fällt nämlich unter die sogenannte Panoramafreiheit und schränkt damit das Urheberrecht bewusst ein.
Man(n) oder Frau darf also ganz tolle und coole Fotos von Gebäuden und Kunstwerken machen, wenn diese von öffentlichen Straßen oder Plätzen aus sichtbar sind und nicht mit Hilfsmitteln wie Leitern oder Drohnen „geschossen“ wurden.
Wenn Ihr also z.B. das Brandenburger Tor oder das Holocaustdenkmal in Berlin oder das London-Eye fotografiert und veröffentlicht, bringt Ihr Euch (bisher) nicht in Konflikt mit dem Urheberrecht.
Das ist auch völlig ok so, denn die allermeisten von uns machen gerne Fotos von interessanten Motiven von der Reise oder vom Urlaubsort und wollen diese dann auch der Fangemeinde mitteilen.

Kaum zu glauben, aber wahr: In einigen Ländern Europas – darunter Frankreich und Italien – ist es aber tatsächlich nicht erlaubt, öffentlich zugängliche Gebäude zu fotografieren, ohne den Architekten um Erlaubnis zu fragen, denn dort wird das Urheberrecht auch auf Gebäude und Skulpturen angewendet und die Auslegung der Panoramafreiheit sehr streng gehandhabt.
Sofern der Architekt oder Künstler noch lebt oder vor weniger als 70 Jahren verstorben ist, müsst Ihr hier wahrscheinlich in Zukunft mächtig aufpassen, wenn Ihr solche Bilder in den entsprechenden Netzwerken hochladet.
Denn dann könnten die Rechteinhaber u.U. von Euch Lizenzen verlangen.
Den Eiffelturm dürft Ihr (als Beispiel) gern und so oft Ihr wollt, fotografieren, weil Gustave, Gott hab ihn selig, ja schon 1923 gestorben ist.
Doch die Lichtkunst, die da nachts am Eiffelturm so schön funkelt und blinkt, die ist in Frankreich „leider“ urheberrechtlich geschützt und darf deshalb nicht ohne weiteres fotografiert oder gefilmt werden. Zumindest nicht für kommerzielle Projekte.
In der deutschen und englischsprachigen Wikipedia findet sich z.B. ein Bild der kleinen Meerjungfrau von Kopenhagen, nicht jedoch in der dänischen – dort haben die Erben des Künstlers das Urheberrecht an der Statue inne und verbieten die kommerzielle Nutzung.
Das gleiche gilt auch für das Atomium in Brüssel: In der belgischen Wikipedia musste das Wahrzeichen sogar schwarz übergepönt werden..

Sollte das EU-Parlament im Juli dieses Jahres aber falsch entscheiden, ist es damit bald vorbei.
Dann wird möglicherweise in Zukunft kontrolliert, wer da das Brandenburger Tor oder den Eiffelturm „geknipst“ hat.
Und es kostet wahrscheinlich (natürlich) Geld, eventuell bis zu mehreren hundert Euronen.

Und diese Entscheidung hätte möglicherweise in Zukunft auch Auswirkungen auf uns als Privatpersonen:
Wer etwa ein Urlaubsfoto bei Facebook oder einer anderen kommerziellen Plattform hoch lädt, stimmt automatisch einer kommerziellen Nutzung zu und erklärt, alle erforderlichen Rechte am Bild zu besitzen.
Das dürfte bei den entsprechenden Kameraden allerdings nur bei einem Bruchteil der Bilder tatsächlich der Fall sein – der Betreiber der Plattform allerdings ist mit dieser Erklärung auf der sicheren Seite und muss nicht für Urheberrechtsverletzungen des Users haften.

Für Abmahnanwälte dürften sich in Zukunft dadurch allerdings äußerst interessante neue Geschäftsfelder erschließen.


Daher nochmals meine Bitte, überprüft in Zukunft bitte sehr sorgfältig die Herkunft Eurer eingestellten Bilder, auch die der verwendeten Avatare auf mögliche rechtliche Bedenken.
Wir sind zwar keine kommerzielle Plattform, aber Vorsicht war schon immer die Mutter der Porzellankiste !!!
Bilder mit unsicherer Herkunft gehören auf keinen Fall in den öffentlichen Bereich.
Abbildungen, die Ihr in öffentlich einsehbaren Beiträgen verwenden wollt, müssen eine deutliche und aussagefähige Quellenangabe tragen und dürfen nicht verfälscht wiedergegeben werden.


Für die anstehende Überarbeitung der EU-Urheberrechts-Richtlinie ist übrigens der ehemalige Baden-Württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger zuständig.
Er hat sich allerdings bislang offensichtlich noch nicht festgelegt, ob es zum Thema Urheberrecht künftig eine neue Richtlinie geben soll, die in nationales Recht umgesetzt werden muss oder möglicherweise auch nur soll oder eine unmittelbar für alle EU-Mitgliedsstaaten geltende Verordnung.
mit kameradschaftlichem Gruß
_______________________

Thommy206

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