Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon seemann » Montag 23. Dezember 2013, 21:45

Hier kannst du, lieber Eddy, deinen geschichtlichen Abriss eintragen.
:hello:
Gruß seemann
Wenn die Menschen nur über das sprächen,
was sie begreifen,
dann würde es sehr still auf der Welt sein.

Albert Einstein

1983-1984 Flottenschule Parow
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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Donnerstag 26. Dezember 2013, 19:43

Vorwort

Hallo Kameraden,
wir haben im Bestand unseres kleinen "Marinehistorischen- und Heimatmuseums Dranske-Bug" ein großes Fotoalbum, Gewicht ungefähr 5 kg, dessen Inhalt lautet "Von der Seepolizei zur Volksmarine".
vm album 01a.jpg
vm album 01b.jpg

Dieser Inhalt, unsere in den Foren gesammelten Erfahrungen und Erlebnisse von 1960 bis 1990 bei der Volksmarine veranlassten mich, etwas über die gesamte Geschichte unserer kleinen Marine zu schreiben. Die Administratoren sicherten mir dieses Thema zu, Roberto richtete es ein. Nun sind wir dran. Viele von Euch haben begrenzte Zeiten während der Existenz dieser, unserer Marine, persönlich erlebt, drei, vier, zehn oder mehr Jahre in den 40 Jahren ihres Daseins. Der Ursprung dieser ist sicher Vielen aus der Geschichte bekannt oder auch nicht, je nach dem wie intensiv man sich damit beschäftigt hat oder beschäftigt. Es ist sicher auch nicht jeder Manns Sache in die Geheimnisse der Geschichte einzudringen, zumal notwendige Quellen oft schwer oder nur mit hohem finanziellen Einsatz zugänglich sind. Deshalb versuche ich hier textlich und bildlich diese Geschichte als Abriss zusammenzustellen und Ihr sollt dabei helfen. Im Diskussionsteil könnt Ihr Eure Meinungen, Richtigstellungen, Veränderungen, Fotos, Dokumente und was weiß ich nicht alles einstellen, die ich dann, wenn erforderlich in den eigentlichen Bereich einarbeiten werde.
Ich weiß nicht ob das Vorhaben gelingt aber einen Versuch ist es auf alle Fälle wert. Wir werden weniger und nach uns weiß keiner mehr wie es bei uns in der Volksmarine war. Beitrag um Beitrag werde ich hier einstellen, immer versuchen die Chronologie zu halten und mit Bildern versehen. Lasst es uns anpacken.
Eddy


Quellen:
Fotoalbum der Zentralen Bildstelle der Volksmarine
Pfeifer, Douglas; "Drei Deutsche Marinen - Auflösung, Übergang und Neuanfang", aus dem Amerikanischen, Bochum 2007
Elchlepp, Friedrich & Co; "Volksmarine der DDR"; Mittler 1999
Schäfer, Knut; "Chronik der Volksmarine"; Preußischer Militärverlag 2002
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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Donnerstag 26. Dezember 2013, 19:49

Die Wurzeln

Deutschland hatte 1945 den Krieg verloren und kapituliert. Im Potsdamer Abkommen wurden Regeln für die weitere Entwicklung in Deutschland festgelegt. Das Schicksal des Personals der deutschen Kriegsmarine, des Material und der Einrichtungen der Kriegsmarine in den Jahren nach dem Krieg beeinflusste die ost- und westdeutschen Wiederbewaffnungsbemühungen in den 1950er Jahren. Weder die Sowjetunion noch die Westalliierten sahen in der unmittelbaren Nachkriegszeit eine deutsche Wiederbewaffnung vor, aber ihr Vorgehen und ihre Politik formten und begrenzten ihre Optionen, als der Kalte Krieg sich intensivierte.

    Sowohl im Osten als im Westen richteten die Deutschen unter den wachsamen Augen ihrer jeweiligen Besatzungsmacht eine Vielfalt von See- und Schifffahrtsdiensten ein. Aber weder die Wasserschutzpolizei Mecklenburgs noch die verschiedenen Dienste in der britischen Zone können als Vorläufer der ost- bzw. westdeutschen Marine betrachtet werden. Beide Marinen rekrutierten aber teilweise ihr Personal aus diesen kleinen Organisationen. Spielte dabei Osten die Linientreue die erste Rolle, war es im Westen die fachliche Kompetenz. Die Briten und Amerikaner nutzen die deutschen Marineveteranen zur Nachrichtengewinnung im Kalten Krieg.
    Das Kriegsmarinepersonal, ob Offizier, Maat oder Matrose, gehörte zu den qualifiziertesten und motiviertesten Männern, die Deutschland jemals für die Seefahrt gewonnen hatte. Hinsichtlich Führungsqualität und Kameradschaft stellte die Kriegsmarine die Kaiserliche Marine völlig in den Schatten. Die Marine prüfte Führungsqualität und Mut der Bewerber und überprüfte deren Willenskraft und Vorstellungsvermögen, Zähigkeit und Ausdauer. So konnte nur der zur Marine, der diese Tests bestand. Neben der positiven Motivation durch Führung und Kameradschaft gab es aber auch noch die Strafandrohungen durch die strengen Marinegerichte, ein Fakt, der auch seine Wirkung bei der Truppe hinterließ.

    In der SBZ wurden fleißig Reparationen abgeführt, Betriebe demontiert, industrielle und landwirtschaftliche Produkte in die Weiten der UdSSR verbracht. Die Gesellschaft und Politik wurden grundlegend verändert, so jedenfalls die Bemühungen der Besatzer. Die zugelassenen politischen Parteien, wie KPD, SPD, CDU, LDP und NDP, wurden 1948 in der Nationalen Front vereint. Nach der Zwangsvereinigung 1946 von KPD und SPD zur SED, übernahm diese die Führung in dieser Vereinigung. Auch die Kaderpolitik beim Aufbau eines Polizeiapparates wurde durch die SED gesteuert, so kamen Mitglieder und Parteigänger dieser Partei in Führungspositionen. Nach außen wurde der demokratische Schein gewahrt, der aber eigentlich nie zum Tragen kam, die sowjetischen Besatzer legten fest, wer wo zu arbeiten hatte.

    Im Sommer 1945 wurden auf Gemeinde- und Landesebene Polizeibehörden errichtet. Unter diesen befanden sich auch Abteilungen, die für die Flüsse, Seen und Wasserwege zuständig waren. So entstanden in Sachsen-Anhalt der Polizeidienst Elbe, in Sachsen Flusspolizeieinheiten aber Mecklenburg brauchte dringend eine spezialisierte Wasserschutzpolizei. Der Schutz der Ostseeküste und der internationale Seeverkehr lagen in der Zuständigkeit der SMAD. Wasserwege, Werften und Hafenanlagen, die Überwachung des Schiffsverkehrs, die Durchsetzung der Fischereibestimmungen, die Jagd auf Wilderer und Schmuggler und Schwarzhändler unterlagen den Aufgaben der Wasserschutzpolizei. Diese Polizei hatte 340 km Ostseeküste und 1.130 km Einmündungen in die Ostsee zu kontrollieren. 1945 und 1946 hatten diese Einheiten keine Boote sondern sicherten ihre Aufgaben von der Küste bzw. vom Ufer aus ab. Die Wasserschutzpolizei Mecklenburgs verfügte weder über Funkgeräte, Telefone oder andere Kommunikationsmittel. Zusammengestückelte Uniformen mit Armbinden, auf denen „Wasserschutzpolizei“ in Deutsch und Russisch stand. Chef diese Truppe war Walter Steffens.
    Walter Steffens.jpg

    Der Materialbestand der Mecklenburger Wasserschutzpolizei wurde nach und nach verbessert, Ruder- und Segelbote, beschlagnahme Fischerboote, die beim Schmuggeln dingfest gemacht wurden. 1946 wurden dann die die SMAD private Motorboote konfisziert und der Polizei zur Verfügung gestellt. Im Hinblick auf diese Zustände und Ausrüstung kann man wohl kaum von „militärischen“ Strukturen sprechen. Diese Truppe erfüllte ihre Aufgaben bis Ende 1949. Die meisten Boote, eine Menge Ausstattungen gingen an die Grenzpolizei über, die im September 1948 gegründet wurde. Der Personalbestand konnte wählen, ob Grenzpolizei oder Beitritt in einer neuen, noch zu gründenden Organisation, der Seepolizei. Flüsse und Binnengewässer unterstanden ab sofort der Transportpolizei.
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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Samstag 28. Dezember 2013, 18:08

Ich möchte nicht die Geschichte der Entwicklung der beiden deutschen Marinen abhandeln sondern nur die der unseren, komme aber an zwei westdeutschen Organisationen nicht vorbei, der Minenräumgruppe Cuxhaven und der Schnellbootsgruppe Klose.

    Die Amerikaner und Briten hatten noch bis 1947-48 eine deutsche Minenräumtruppe aktiv arbeiten lassen. Der sowjetische Druck, alle deutschen Formationen aufzulösen und zu entmilitarisieren führte zur Auflösung dieser notwendigen Gruppe. Um ein Äquivalent dazu zu schaffen, wurde der Minenräumverband Cuxhaven gebildet.
    Douglas Pfeifer schreibt dazu: „Unter sowjetischem Druck wurde die GM/SA (German Mine Sweeping Administration) aufgelöst, lande bevor sie alle Seeminen, die während des 2. WK gelegt worden waren, geräumt hatte. Zehntausende von Minen blieben übrig, und Minenexperten schätzten, dass einer der häufiger eingesetzten Typen, die britische Magnetmine, bis 1957 scharf bliebe. …
    … Die Britten entschlossen sich daher, in Cuxhaven einen kleinen Minenräumverband zusammenzustellen, der die unvollendete Arbeit des GM/SA fortsetzten sollte. Der neue Minenräumverband des Zollgrenzschutzes Cuxhaven setzte sich ausschließlich aus Freiwilligen zusammen, die als Zivilpersonen unter Vertrag standen.“

    Der Bestand waren ca. 500 Mann und 18 Boote.
    „Die Arbeit war ermüdend und körperlich anstrengend. Viele Minen waren mit einem Mechanismus ausgestattet, der die Mine nicht gleich beim ersten, sondern erst nach festgelegter Anzahl von Überläufen zur Explosion brachte. Minenräumfahrzeuge mussten daher ein und dieselbe Strecke 13 Mal überlaufen, ehe man sie als sicher erachten konnte. …
    Im Juni 1951 wurde diese Gruppe aufgelöst. Der Personalbestand ging teils zur US.Navy, teils zum neu gebildeten Bundesgrenzschutz See und einige wenige zur Schnellbootsgruppe Klose.

    Die Schnellbootsgruppe Klose
    „Mit dem Sieg über das „Dritte Reich“ kehrte der britische Geheimdienst (MI6) zu seinem schon vor dem Krieg bestimmenden antibolschewistischen Schwerpunkt zurück und baute neue geheime Netzwerke in Osteuropa und der Sowjetunion aus. Der MI6 hielt die baltischen Staaten mit Blick auf Aufklärungsoperationen für besonders geeignet, da viele Litauer, Esten, Letten und Polen nationalistische, antikommunistische und antirussische Überzeugungen hatten. …
    … Gemäß der traditionellen britischen Neigung, die Zugänge über See zu nutzen, ging der britische Geheimdienst davon aus, dass der beste Weg, Agenten einzuschleusen und mit ihnen Kontakt zu halten, über die Ostsee führte. …

    So kam Hans-Helmut Klose ins Visier des MI6.
    1945 KL Klose.jpg
    Klose, ein risikobereiter Veteran der Schnellbootswaffe der Kriegsmarine, hatte den idealen Hintergrund für die geplanten verdeckten Operationen. Er kannte die Ostsee und deren Küsten sehr genau und war vertraut mit Geheimoperationen. Im Mai 1948 wurde Klose gewonnen und begann mit seinen Operationen. Die Royal Navy hatte für ihn und seine handverlesenen Kriegsmarineveteranen das Schnellboot s 208 übergeben.
    1945 dt. S-Boote Gosport 1945.jpg
    s 208 klose.jpg
    Er setzte Agenten an der lettischen Küste ab. Seine erfolgreich scheinenden Einsätze veranlassten die Briten nach vier Einsätzen von der englischen Küste aus, diese Operationen von Deutschland aus zu führen. Zwischen April 1949 und April 1955 schleuste Klose fast 50 Agenten des MI6 und der Organisation Gehlen im Osten ein und brachte sie wieder zurück. Ab 1952 waren die Boote „Silbermöwe“, „Sturmmöwe“ und „Wildschwan“ mit modernster Elektronik ausgestatte unterwegs, um das Leistungsvermögen der sowjetischen Küstenradarstationen zu prüfen.

    „Das Netzwerk aus Agenten und Spionen, welche der MI6 mit Hilfe dieser riskanten Fahrten aufzubauen suchte, wurde fast von Beginn an von der sowjetischen Aufklärung infiltriert. So gesehen können diese Operationen nur als Fehlschlag betrachtet werden.“
    1949 Einsatz Klosegruppe.JPG
    einsätze klose.JPG
    einsätze klose 3.JPG
Uns ist diese Aktion aus dem Film „Rottenknechte“, Teile 4 und 5, bekannt.

Eddy
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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Samstag 28. Dezember 2013, 19:24

Zu unserer Geschichte zurück.

    Im Februar 1950 traten zwei Offiziere der Volkspolizei, Felix Scheffler und Friedrich Elchlepp ihren Dienst in der Verwaltung z.b.V. innerhalb der HVA an. Sie wurden angewiesen, Personalpläne, Uniformen und Dienstgrade zu entwerfen. Ihren Aufgaben oblagen auch die Übernahme von Küsteneinrichtungen und Booten in die neue Seepolizei. In Karlshorst bei der sowjetischen Kontrollkommission erhielten beide detaillierte Anweisungen, sie sollten Besatzungen für 20 Küsten-U-Jäger zusammenstellen und ausbilden. Alte Vorschriften sollten aktualisiert werden. Da beide Offiziere, Scheffler, 34 Jahre alt, noch Elchlepp, 27 Jahre, hatten Erfahrungen in der Stabsarbeit und in der Planung einer „militärischen Einheit“. Beide bildeten aber ein effektives Team, Scheffler verfügte über politische und ideologische Grundlagen und Elchlepp über praktische Erfahrungen als Marineoffizier. Wer waren diese beiden Männer?

    Felix Schefflers Seebeine wuchsen bei einem kurzen Einsatz als Steward in der deutschen Handelsmarine vor dem Krieg. Er stand der KPD nahe. An die Ostfront kam er als Soldat und wurde 1941 von der Sowjetarmee gefangen genommen. Im Kriegsgefangenenlager arbeitete er antifaschistisch und nahm 1943 an der Gründung des NKFD teil. Meldete sich auch mehrmals freiwillig für gefährliche Aktionen im Hinterland der deutschen Front. 1948 kehrte er aus der Gefangenschaft zurück und trat sofort in die SED ein. Von der Partei erhielt er die Weisung in die Polizei einzutreten.

    Friedrich Elchlepp ging mit 17 Jahren zur Kriegsmarine. An Bord eines kleinen Vorpostenbootes machte er sich verdient und ging dann zu U-Boot-Waffe. Am Ende des Krieges ging er als Wachoffizier des Bootes U-3514 in Norwegen in britische Gefangenschaft. 1947 kehrte er in seine Heimat, in die SBZ zurück. Durch Beziehungen seines Vaters zu einem sowjetischen General gelang es ihm einen Studienplatz an der Uni Halle zu bekommen. 1950 wurde er Stabschef von Scheffler. Das blieb aber nicht lange so und Scheffler wurde auf den Posten des Stabschefs zurück gesetzt. Ab Juni 1950 übernahm Waldemar Verner die Spitzenposition. Verner besaß noch weniger Seeerfahrung als Scheffler, hatte aber gute Arbeit als Parteivorsitzender in Stralsund und im Land Mecklenburg geleistet. Er spielte in der Geschichte unserer Marine eine lange und wichtige Rolle. 1950-1952 Chef der Seepolizei, 1952-1955 Chef der Volkspolizei See und 1957-1959 Chef der Seestreitkräfte. Von 1959-1979 war er dann Chef der Politischen Hauptverwaltung im MfNV.

    scheffler.jpg
    Elchlepp.jpg
    waldemarverner.jpg


    Am 16. Juni 1950 beschloss die Regierung der DDR die Bildung der Seepolizei, fünf Monate nachdem Scheffler und Elchlepp mit den vorbereitenden Planungen begonnen hatten. Ab 1952 wurde offen zugegeben, dass in der DDR militärische Strukturen zum Schutz des Erreichten geschaffen werden, die Umbenennung zur Volkspolizei See erfolgte.
    vm album 04.jpg
    vm album 05.jpg


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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Freitag 3. Januar 2014, 20:21

    Die Reparationsforderungen der Sowjetunion schlossen natürlich auch die Demontage von Werften ein. Diese Art wurde aber 1947/48 umgewandelt in Produkte der Werften. Zwischen 1945 und 1953 wurden so von den Werften der SBZ etwa 1.160 neue Boote und Hafenfahrzeuge von der Sowjetunion beschlagnahmt.
    1948 wies die SMAD das Zentrale Konstruktionsbüro Berlin an, Pläne für Küstenschutzboote zu entwerfen und beauftragte die Deutsche Wirtschaftskommission mit dem Bau dieser „Seekutter“. Ab März 1949 begann die Produktion dieser Fahrzeuge, die aber nicht ausgeführt wurden sondern in Ostdeutschland verblieben und zwar als Fahrzeuge für die Seepolizei und später für die Grenzpolizei.
    Die Werft in Wolgast nimmt am 01.01.1949 ihre Produktion auf und entwickelt sich zur „Marinewerft“ Ostdeutschlands. Aber auch in Berlin und Rechlin werden Boote gebaut.
    Die Seepolizei entwickelt sich zur ostdeutschen Marine und die Grenzpolizei Nord (Küste) zur Küstenwache.
    (Quelle: Pfeifer, Drei Deutsche Marinen, Bochum, 2007)

    Personal, Ausbildung, Technik

    Geeignete Männer für den Polizeidienst zu finden, das war die dringlichste Aufgabe für die Seepolizei. Man brauchte erfahrene Marinespezialisten, die als Ausbilder, Offiziere und Ingenieure ihren Dienst versahen und man brauchte freiwillige, junge Männer für die Besatzungen. Die ostdeutschen Polizeirichtlinien untersagten die Einstellung von Veteranen der Kriegsmarine, die in britischer und amerikanischer Kriegsgefangenschaft waren. Diese Einschränkungen wurden aber hier ignoriert, da sonst die Neubildung einer Marine stark beeinträchtigt war. Per Post oder persönliche Besuche wurde versucht, ehemalige Kriegsmarineangehörige für den Dienst am Volk zu gewinnen.
    Der Dienst war zwar freiwillig, aber wer absagte hatte irgendwie anschließend Nachteile in seiner weiteren Entwicklung. Das löste damals die erste Fluchtwelle Richtung Westen aus, man wollte staatlichen Repressalien entgehen.
    Am 01. März 1950 erhält VP-Inspekteur Walter Steffens den Auftrag, mit dem Aufbau einer Seepolizeischule in Stralsund-Parow zu beginnen. Bereits am 01.08.1950 öffnet die Schule ihre Pforten und beginnt mit Sonderlehrgängen.
    1950 Stab HVS in Berlin.jpg
    1950 Eröffnung Seepolizeischule Parow.jpg
    1950 Seepolizisten auf dem Marsch.jpg


    Im Mai 1950 laufen in Berlin die ersten zwei „Seekutter“ vom Stapel, sie erhalten die Namen „Freundschaft“ und „Pionier“. Insgesamt werden sechs dieser Kutter in Dienst gestellt. Gleichzeitig übergibt eine Kommission der Seekriegsflotte sechs ehemalige R-Boote „R-218“ der Kriegsmarine an die Regierung der DDR. Diese Boote sind unbewaffnet und bedingt fahrbereit. In Folge wird die Räumflottille in Parow aufgestellt, Polizeirat Wolfram Zuch wird als Leiter befohlen (Mai bis August 1950), er wird am 01.09.1950 durch Polizeirat Alfred Schneider abgelöst (bis Dezember 1950). Im Juni 1950 beginnt die Baubelehrung für Seekutterbesatzungen auf der Yachtwerft Berlin (YWB).
    KS- Boot.jpg
    1952 R-Boote Seepolizei.jpg


    Die Uniform hatten die beiden Verantwortlichen (Scheffler und Elchlepp) nahe der der Kriegsmarine gelegt. Blauer Stoff, Kieler Hosen, Kieler Bluse (ohne Exkragen und Knoten), Bändermütze und als Bordmütze das Barett blau. vom Meister bis General wurden Schirmmützen getragen, sie trugen Schulterstücke auf der Uniformjacke und Laufbahnabzeichen auf den Ärmeln.
    Mützenband.jpg
    Kennung linker Oberarm.jpg

    Laufbahn seemännisch.jpg
    Mützenkokarde.jpg

    Am 12. Juni 1950 werden von der Sowjetunion die ehemaligen dänischen Minenleger „LOSSEN“, „SIXTUS“ und „QUINTUS“ sowie das Fischereischutzboot „HVIDBJÖRNEN“ in Wismar an die Seepolizei übergeben. Dänemark legte keinen Wert auf Rückführung der Fahrzeuge. Auf den Werften der DDR wurden diese Boote umfangreich instandgesetzt und umgerüstet. Im August folgte die Übernahme des Tauchbootes „LUMME“ und wird der Räumflottille unterstellt.
    1950 dän. ML LOSSEN.jpg
    1956 Schlepper Wismar.jpg

    Hvidbjörnen.jpg
    1953 Thälmann.jpg

    ohne Foto: aus SIXTUS wird Schulschiff PRENZLAU und aus QUINTUS wird Schulsschiff FÜRSTENBERG
    Ebenfalls im August wird auf dem Gelände der ehemaligen Zementfabrik in Wolgast das zentrale Versorgungslager der HVS eingerichtet und dem Chef der Rückwärtigen Dienste unterstellt.
    Im gleichen Atemzug beginnt die Aufstellung eines Wachbataillons der HVS in Wolgast, Leiter wird Seepolizeikommandeur Gerber. Bereits im Oktober erfolgt die Umbenennung in Seebataillon.
    Schiffsstammabteilung 18 (1).pdf
Ende 1950 hat die Seepolizei eine Gesamtstärke von:
320 Offizieren, 302 Unteroffizieren, 410 Matrosen, 1.023 Kursanten und 209 Zivilbeschäftigten.
(Quelle: Schäfer, Chronik der Volksmarine, Preußischer Militärverlag, 2002)

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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Dienstag 14. Januar 2014, 22:12

Da es einfacher ist, setze ich das Ganze als Zeittafel fort bzw. beginnt diese auch 1950.

Zeittafel der Entwicklung der
Seepolizei – Volkspolizei See – Seestreitkräfte der DDR – Volksmarine


    Marinejahr 1950

    01.03.
  • Beginn des Wettbewerbes „Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung des Friedens“
    Diesem Aufruf der FDJ folgen viele Jugendliche.

    27.05.-30.05.
  • Deutschlandtreffen der Jugend in Berlin

    15.06.
  • auf Beschluss des Ministerrates der DDR wird im Ministerium des Innern neben der HVA die Hauptverwaltung der Seepolizei (HVS) gebildet.

    25.06.
  • Beginn des Koreakrieges

    29.05.
  • Indienststellung von sechs R-Booten „R 218“

    01.07.
  • Felix Scheffler wird zum Chefinspekteur der Seepolizei befördert

    01.08.
  • Eröffnung und Gründung der Seepolizei-Schule Parow mit Musterung und Fahnenappell, (Foto siehe oben)
    Gründung der Sportvereinigung „Sturmvogel“
    Sv_sturmvogel.png

  • Die Flottenbasis Peenemünde ist Hauptstützpunkt der Marineverbände der DDR

    20.08.
  • der Generalsekretär des ZK der SED, Walter Ulbricht, führt den ersten Besuch bei der HVS (Seepolizei) durch

    11.09.
  • Änderungen zum Dienstanzug für die Seepolizisten, u.a. das Tragen eines Dreiecks mit der Aufschrift „Seepolizei“ auf dem linken Oberarm der Uniformjacke; (Fotos siehe oben)

    06.10.
  • Beginn der einheitlichen Einkleidung der Angehörigen der Seepolizei mit Marineuniform

    Dezember
  • fünf Kommissionen führen an der Seepolizei-Schule Gespräche mit Seepolizeianwärtern zur Einteilung in Lehrgänge

  • Indienststellung der ersten drei KS-Boote „26 m Seekutter“, bis Juni 1951 folgen weitere drei;


    Marinejahr 1951

    05.01.
  • Eröffnung des 1. Lehrganges für alle Laufbahnen an der Seepolizei-Schule Parow.
    Die Ausbildung erfolgt als Offizier, Bootsführer, Steuermänner, Maschinisten und Matrosen.
    Beginn der Ausbildung von See- und Ingenieuroffizieren (1. Lehrgang: 100 Teilnehmer)

    10.01.
  • mit Befehl 14/51 erfolgt die Einführung des staatspolitischen Unterrichts für alle Angehörigen der Seepolizei. Pro Woche sind vier Stunden Unterricht durchzuführen.

    02.08.
  • Indienststellung der Schonerbrigg „Wilhelm Pieck“; der damalige Präsident der DDR Wilhelm Pieck nahm an der Jungfernfahrt teil;
    Das Schiff war ursprünglich als Geschenk des Landes Mecklenburg an Wilhelm Pieck aus Anlass seines 75. Geburtstages gedacht. Wilhelm Pieck gab die Schonerbrigg an die FDJ weiter, um die Ausbildung von Fachleuten für die aufstrebende Handelsflotte der DDR zu forcieren. Das Schiff wurde der GST zugeteilt und fand seinen Heimathafen in Greifswald- Wieck.

    Bundesarchiv_Bild_183-12958-0039,_Segelschulschiff_-Wilhelm_Pieck-.jpg
    Bundesarchiv_Bild_183-12958-0012,_Segelschulschiff_-Wilhelm_Pieck-,_Besatzung.jpg
    Fotos habe aus dem Internet mit Suchbegriff "Segelschulschiff Wilhelm Pieck"

    30.07.-20.10.
  • Navigationsbelehrungsfahrten für die Bootsführungen der einsatzklaren R- und KS-Boote, um sie mit den navigatorischen Besonderheiten des Seegebietes vertraut zu machen.

    01.12.
  • Eröffnung der Seepolizei-Offiziersschule in Stralsund-Schwedenschanze
    Kommandeur: Nordin

    Marinejahr 1952

    04.01.
  • Beginn eines Sonderlehrganges zur Vorbereitung von Kursanten auf das Studium an einer Seeoffiziersschule der sowjetischen Seekriegsflotte (läuft bis 30.06.)

  • Indienststellung von sieben KS-Booten „27,8 m Seekutter“, bis März 1953 folgen weitere fünf;

    26.05.
  • Abschluss des Deutschlandvertrages und Einbindung der BRD in das westliche Bündnis.

    27.05.
  • das IV. Parlament der FDJ verabschiedet das FDJ-Aufgebot: „Die besten FDJ-Mitglieder in die Reihen der Volkspolizei!“

    16.06.
  • Beschluss des Ministerrates der DDR und Befehl Nr. 1/52 des Ministers des Inneren der DDR, Willi Stoph, zur Umbenennung
    - die Hauptverwaltung Ausbildung (HVA) in Kasernierte Volkspolizei (KVP)
    Chef der KVP: Generalinspekteur Heinz Hoffmann
    - die Hauptverwaltung Seepolizei (HVS) in Volkspolizei See (VP-See)
    Chef der VP-See: Generalinspekteur Waldemar Verner

    01.07.
  • Übergabe der Boote „Fürstenberg“ und „Prenzlau“ an die Seepolizei-Schule Parow

    09.07.
  • die II. Parteikonferenz der SED in Berlin beschließt den planmäßigen Aufbau des Sozialismus in der DDR

    31.07. Beginn der Ausbildung von 50 Offizieren im „Sonderlehrgang I“ (Kubaschgruppe) in Kaliningrad (Königsberg), UdSSR
    Die Ausbildung erfolgt in den Laufbahnen Kommandant, Navigation, Artillerie, Mine und Nachrichten.

    01.10.
  • Einführung militärischer Dienstgrade und Rangabzeichen
    Scannen0005.jpg
    Scannen0002.jpg
    Scannen0003.jpg

    Die Effekten Laufbahnabzeichen und Sonderlaufbahnen haben, wie bei uns zwei Ausfertigungen, Goldstickerei auf blau, rote Stickerei auf blau und blaue Stickerei auf weiß. Leider habe ich nicht alle in einer Ausfertigung gefunden.

    21.12.
  • erstmalig werden Absolventen der Seeoffiziersschule Stralsund zum Offizier ernannt, die bereits ihr Studium bei der Seepolizei begonnen hatten;
  • Dezember Personalbestand der VP-See: ca. 5.900 Mann

    Marinejahr 1953

    01.01.
  • Mit Befehl vom 01. Dezember 1952 werden umbenannt: - Seepolizei-Offiziersschule in „Seeoffiziers-Lehranstalt der VP-See“,
    - Seepolizeischule Parow in „Unterführer- und Mannschaftsschule Parow“; - Nachrichtenschule Stubbenkammer in „Nachrichtenoffiziers - Lehranstalt“.
  • Gründung der Schulbootsabteilung als selbständige Einheit in Parow; Abteilungschef: Kapitänleutnant Alfred Schneider
    Struktur Schulbootsabteilung 1953.xlsx

    05.01.
  • auf Befehl des Ministeriums wird die Ausbildung an der Unterseeboots-Lehranstalt (1. ULA) aufgenommen. Als Dienststelle „S 7“ und „S 8“ bezeichnet und in Sassnitz Dwasieden eingerichtet.
    Kommandeur: Heinrich Jordt
    Diese Schule wird im Zusammenhang mit den Ereignissen am 17.06.1953 geschlossen. Der geplante Kriegs- und U-Boothafen im Großen Jasmunder Bodden mit Landdurchbruch bei Glowe (Marinehauptbasis Rügen genannt) und die „Friedensstadt“ mit geplanten 100.000 Einwohnern (Gebiet Sagard) werden nicht realisiert.

    10.02.
  • Bildung der Flottenbasis Ost, Stützpunkt Peenemünde

    27.04.
  • Indienststellung des ersten MLR „Habicht“, es folgen bis Dezember 1955 noch 11 weitere Schiffe
    1957 MLR 6-31.jpg

    15.06.
  • Verlegung des Stabes der VP-See von Berlin-Oberschöneweide nach Parow

    17.06.
  • politische Unruhen in der DDR (Arbeiteraufstand)

    07.08.
  • Auf Befehl des Ministers des Inneren wird Generalleutnant Heinz Hoffmann zum Stellvertreter des Ministers des Inneren für den Bereich der KVP ernannt. Ihm unterstellt wird auch die VP-See.

    Oktober
  • die Führung der VP-See und ihre sowjetischen Militärberater laufen erstmalig in Rostock ein
    vm album 06.jpg
    vm album 07.jpg
    vm album 08.jpg


    11.10.
  • die Besatzung des KS-Bootes 912 fängt auf der Ostsee, etwa fünf Seemeilen querab Tipper Ort ein Wildschwein

    16.11.
  • Indienststellung von drei R-Booten „Schwalbe“ 1. Bauausführung, bis Mai 1954 folgen drei weitere dieser Bauausführung;
    1954 R-Boot Schwalbe.jpg

    01.12.
  • an der Offiziersschule Stralsund wird von der zwei- zur dreijährigen Ausbildung übergegangen
So geht es nun weiter. Bis denne.
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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

[8 / 56]

Beitragvon eddy » Freitag 17. Januar 2014, 13:55

Nun gibt es in der Zeitleiste einige Ereignisse, die sicher noch einer genaueren Betrachtung unterzogen werden müssen bzw. sollten. Ich komme also nicht umhin doch noch einige grundlegende Einschätzungen hier einzustellen. Dazu nutze ich wieder Douglas C. Pfeifer und seine Aufzeichnungen "Drei Deutsche Marinen - Auflösung, Übergänge und Neuanfänge" , Bochum 2007. Aus meiner Sicht schreibt dieser Amerikaner sehr objektiv über die gesamte, maritime Entwicklung in Deutschland, in Ost und West, nach dem Krieg. Ich flechte hier einmal seine (von mir gekürzte) Einschätzung der Rolle der sowjetischen Berater ein, dazu seine Einschätzung (ebenfalls von mir gekürzt) der Rolle der Partei und letztlich die Situation der Schiffe, Boote und Stützpunkte der Marine im Osten.
Aus meiner Sicht lassen sich viele Parallelen zu unserer späteren Arbeit ziehen, sprich dem Problem "Waffenbrüderschaft" und der Abhängigkeit der Volksmarine, solange sie existierte, von der Sowjetunion. Der bis zum Schluss gefahrene harte Kurs der Politik der SED in den Streitkräften, speziell hier für uns in der Volksmarine, ist doch kennzeichnend. Das dritte Problem Technik und Standorte klärte sich allerdings schneller ob der deutschen Gründlichkeit, die bei uns ja meisterlich entwickelt war. Wir mussten, ob der hohen Reparationsforderungen, die ja ausschließlich die Sowjetunion an Ostdeutschland stellt, weil der Westen nicht abgab und die Alliierten sogar beim Aufbau halfen, schon von Anfang an improvisieren und haben vieles gelöst, was unmöglich aussah.
Nun zu Pfeifer:

    Die sowjetischen Berater

    Die sowjetischen Besatzer überwachten die Seepolizei/Volkspolizei See während ihrer Expansion streng und berieten sie. …
    In jedem Stützpunkt oder Befehlsbereich wurden ein oder zwei sowjetische Berater abgeordnet, außerdem wurden jeder Stabsabteilung zusätzlich sowjetische Berater zugewiesen. Fernmelde-, Schiffbau-, Marinewaffenspezialisten und andere Fachleute wurden zur zusätzlichen technischen Unterstützung abgestellt. Sowjetische Berater spielten in dieser Gründungsphase eine Schlüsselrolle: Sie legten den Aufgabenbereich des Stabschefs, des Chefs der Politischen Abteilung und des Chefs für Versorgung fest; sie erläuterten die anzustrebenden Befehlsverhältnisse zwischen Hauptquartier, Küstenstützpunkten und Booten und skizzierten die Aufgaben der Operativen Abteilung. …
    Der Einfluss der sowjetischen Marineberater in diesen ersten Jahren kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. …
    Die erfolgreichsten sowjetischen Berater waren jene, die sowohl über praktische Expertise als auch über Führungsqualitäten verfügten. Kapitän 1. Ranges Abramow, ein Seemann mit Verstand, verdiente sich weithin Respekt aufgrund der soliden und sinnvollen Vorschläge, die er auf der Basis seiner Inspektionen der Boote und Stützpunkte der Seepolizei machte. Sein Ruf verbesserte sich nach einem Vorfall, bei dem er auf dem Achterdeck eines Bootes abrupt kehrtmachte mit der Begründung, dass der Kommandant des Schiffes von der unangekündigten Inspektion irgendwie Wind bekommen hätte und er daher ein andermal kommen würde. Als man ihn im Hauptquartier dazu befragte, wie er schon vor der Inspektion den Braten gerochen habe, führte Abramow an, dass der Mützenbezug des Kommandanten strahlend weiß gewesen sei – ein deutlicher Beweis, dass er über den Inspektionstermin informiert gewesen sei, da der Kohlenstaub aus einem nahegelegenen Kraftwerk alles innerhalb weniger Minuten mit einer grauen Schicht bedeckte. Abramow wollte sich von diesen jungen Grünschnäbeln nicht an der Nase herumführen lassen. Er wusste, was im Rahmen des Möglichen lag und was reine Schau war. …


    Die Rolle der Partei

    Die Seepolizei und ihre Nachfolgeorganisationen waren in höchstem Maße der Politik verpflichtet. Wie andere Polizeieinheiten in Ostdeutschland unterstützten und verteidigten sie das SED-Regime. Admiral Verner, Leiter der Seepolizei bzw. Chef der VP-See und ein treuer Anhänger der SED, bewertete alle Fragen und Probleme als politische Angelegenheiten. Praktische Probleme wurden vom Admiral durch Parteirhetorik überspielt, er hatte keine Hemmungen, Befehle zu erlassen, von denen er wusste, dass sie vollkommen unrealistisch waren. 1951 ordnete er zum Beispiel an, dass alle Räum- und Küstenschutzboote eine ambitioniertes Übungsprogramm auf See absolvieren sollten, obwohl man ihn darüber informiert hatte, dass diese Boote zu diesem Zeitpunkt gerade in der Werft lagen. Diejenigen, die der Entwicklung fachlicher Kompetenzen eine höhere Priorität eingeräumt sehen wollten und die beklagten, dass zu viel Zeit und Aufwand der politischen Erziehung zukomme, wurden in ihre Schranken verwiesen. So erklärte Verner auf einer der häufig stattfindenden Versammlungen von Parteidelegierten der Seepolizei, dass die jüngsten Fälle von technischen Havarien und Grundberührungen direkte Folge unzureichender politischer Arbeit seien. Die Vorfälle hätten, laut Verner, nie stattgefunden, hätten die Offiziere und Besatzungen jener Boote über ein höheres Maß an politischem Bewusstsein verfügt, denn dann wären sie mit mehr Vorsicht und Geschick vorgegangen. Fachkompetenz allein reichte nicht aus. Verner verlangte, dass jedes Mitglied der Seepolizei die politische Ideologie der SED verinnerlicht haben müsse, um zu Höchstleistungen in der Lage zu sein. Politischer Unterweisung, Führung und Aktivismus wurden in der Seepolizei / VP-See die höchste Priorität eingeräumt.
    Die Politische Abteilung innerhalb der Seepolizei war verantwortlich für die politische Bildung und Erziehung „von oben“. Der Chef der Politischen Abteilung bekleidete eine Position von vergleichbarem Gewicht wie jene, die der Chef des Stabes der Seepolizei / VP-See innehatte. Während der Stabschef und sein Stab sich den technischen und operativen Aspekten der Leitung der Seepolizei annahmen, lauteten die Aufgaben der Politischen Abteilung wie folgt:
    „Alle Seepolizei-Angehörigen waren beharrlich und ausdauernd auf hohem theoretisch-ideologischem, politischem Niveau, im Geiste der heißen Liebe zu ihrer Heimat, der unbedingten Verbundenheit zur Regierung der DDR und zur SED sowie im Geiste des Hasses gegen alle Feinde der DDR, den amerikanischen Imperialisten und ihrer Helfershelfer zu erziehen.“

    Ausbildungsplan für Mannschaften Bordeinheiten (10 Monate-Zeitraum)
    Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 164 stunden
    Geschichte der Sowjetunion und der KPdSU 78 Stunden
    Internationale Lage 30 Stunden
    Volkspolizei-See 36 Stunden
    Wiederholungen und Abschlussseminar 12 Stunden

    Das Meldesystem bei Ereignissen, Vorkommnissen und Aufgabenerfüllung war „zweigleisig“, der Kommandant meldete auf dem Dienstweg, der Politoffizier auf dem politischen Informationsweg. Diese Regelung war bestenfalls schwerfällig und verwirrend.
    Die politische Schulung und Erziehung von oben wurde ergänzt und unterstützt durch die Parteiarbeit „von unten“. In allen Einheiten, auf allen Kommandoebenen entstanden Basisorganisationen der SED und FDJ. Von deren Mitgliedern wurde erwartet, dass sie einen großen Teil ihrer Freizeit an Beratungen, Versammlungen, Delegiertentreffen und ähnlichem verbrachten.
    Diese Formen und Aktivitäten der Seepolizei / VP-See auch in der Öffentlichkeit politisch „Flagge“ zu zeigen, brachte viele Jugendliche dazu sich freiwillig in die Reihen der bewaffneten Organe zu melden.


    Ob Politoffizier oder SED-Grundorganisation, es gab nur eine Aufgabe, "die Partei hat immer Recht". Und nicht nur zur Verners Zeiten gab es Widersinnigkeiten sondern auch noch bis in die 1980er rein, nur nicht mehr ganz so offensichtlich. Auch abhängig von der einzelnen Person, die die Politik vertrat. Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo man mir sagte, der PV ist der zweite Mann nach dem Kommandeur, nicht der Stabschef. Nun dieses Problem wurde sehr schnell geklärt. Selbst die Forderung, der PV muss den Kommandanten eines Bootes ersetzen, wenn dieser ausfällt, wurde immer kleiner geschrieben. Wo bitte schön soll das Fachwissen und die Kommandantenprüfung herkommen, aus Lenins Bänden 1- 40? Schwachsinn!

    Technik und Marinestützpunkte

    Die materiellen Anfänge der Seepolizei waren bescheiden. … Langfristige Pläne sahen den Ausbau der Seepolizei auf eine Größe vor, die ihr zu einer respektablen Präsenz in der Ostsee verholfen hätte. Im April 1952 wies Stalin Wilhelm Pieck an, die Seestreitkräfte der DDR auszubauen. Das Institut für Schiffbautechnik, Wolgast und die Volkspolizei entwarfen im März 1953 einen großzügigen Plan. Der Plan, der die finanziellen Möglichkeiten Ostdeutschlands bei Weitem überschritt, sah bis Ende der 1950er Jahre den Bau von 139 Kampf- und 175 Unterstützungseinheiten vor. („Zeuthener Protokoll“)
    Programm SSK Zeuthen (1).jpg
    Programm SSK Zeuthen (2).jpg

    (aus: Elchlepp und andere, Volksmarine der DDR, Mittler-Verlag, 1999)
    Das "Zeuthener Protokoll" war zu keiner Zeit Grundlage eines Schiffbauprogrammes der maritimen Kräfte der DDR.

    Die Seepolizei sah sich bei der Wiederbewaffnung mit vielen Problemen konfrontiert.
    „Nie wieder Waffen in deutsche Hand!“ war eine Losung, die gleich nach dem Krieg die Runde machte und auch verinnerlicht wurde. Nun plötzlich sollten in Wolgast Boote mit Waffen ausgerüstet werden, was bei vielen Werftarbeitern zu Protesten führte, ja sogar zu Streiks. Es bedurfte einer intensiven Überzeugungsarbeit, damit diese Prozesse im Sinne der Bewaffnung der Seepolizie umgesetzt werden konnten. Sogar Vernner persönlich erschien in der Werft und sprach mit den Arbeitern bzgl. des notwendigen bewaffneten Schutzes gegen den Imperialismus.
    Ein ökonomisches und auch Kapazitätsproblem waren die geforderten Reparationsbauten für die Sowjetunion und gleichzeitig der Bau für den eigenen Bedarf. Die Werften waren überfordert aber vollbrachten beachtenswerte Leistungen. Ein weitaus schwierigeres Problem war die Zulieferung von Bauteilen für die Schiffindustrie, wie Navigationsgeräte, Fernmelde- und Antriebsanlagen. Die ostdeutschen Firmen produzierten derartiges nicht. Deshalb wurden teilweise neue Produktionsstätten geschaffen aber letztlich kam man nicht nach, die Anforderungen an die Moderne bei der Technik war nicht zu schaffen und Ostdeutschland war gezwungen sich an die Sowjetunion zwecks Import zu wenden, was auch bis zum „Schluss“ seine Wirksamkeit nicht verloren hatte. Was den Ostdeutschen nicht zustand, modernste Waffen, bekamen sie auch nicht sondern erhielten immer nur „bewährte Technik“ aus alten Beständen.

    Bei der Beschaffung geeigneter Landeinrichtungen für die Seepolizei stieß man wieder an Grenzen. Die Masse der Einrichtungen der KM war im Westen und in Ostpreußen angesiedelt, beide Gebiete standen nicht zur Verfügung. Elchlepp und Becker fanden dennoch geeignete Einrichtungen, wie die ehemalige Artillerieschule in Kühlungsborn, den ehemaligen Fliegerhorst Parow, die ehemaligen Kasernen in Stralsund und die Überreste der Hafenanlage in Peenemünde. In Wolgast wurde der Hafen und die Lager einer Zementfabrik umgebaut (PWW), kleine Grundstücke entlang der Küste gekauft und Beobachtungs-, Radar- und Fernmeldestationen aufgebaut.
    Diese bescheidenen Einrichtungen der Seepolizei / VP-See führten zum Plan, den Großen Jasmunder Bodden zu einem großen Marinehafen auszubauen. Dazu sollte bei Glowe ein Durchstich zur Ostsee geschaffen werden, den auch Kreuzer der SWERDLOW-Klasse passieren konnten. Dieser Plan sah auch Küstenverteidigungsanlagen, Flugplätze und eine Werft vor, die bis zu 25.000 Tonnen große Schiffe bauen sollte. Dieser Hafen sollte durch die ostdeutsche Marine und die baltische Marine genutzt werden. Die dazu gehörige U-Boot-Schule sollte in Sassnitz-Dwasieden angesiedelt werden, was ja auch im Dezember 1952 begann. Die geplante „Friedensstadt“ mit bis zu 100.000 Einwohnern sollte im Bereich Sagard - Mukran entstehen, als Unterkunft für die Angehörigen beider Flotten.
    Aber alles kam anders, der Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 beendete die Umsetzung des Planes, der Projektleiter war im Februar 1953 in den Westen gegangen, am 31. Juli 1953 wurden alle Arbeiten für immer abgebrochen.
    :guckstduhier: http://www.vierte-flottille.de/sechstef ... 2824#p2824

    Der 17. Juni 1953 war auch eine Bewährungsprobe für die Seepolizei in Stralsund. Werftarbeiter streikten, sowjetische Einheiten blockierten das Werfttor und nahmen etwa 150 Arbeiter fest. Die Situation drohte zu eskalieren und die Arbeiter versuchten die Seepolizisten zu überzeugen, sie von der Fremdunterdrückung zu befreien. Die Seepolizei blieb dem Regime aber verpflichtet.
    Die Seeeinheiten erfüllten ihre Sicherungsaufgaben im Küstenbereich, 18 Boote waren im Einsatz, stellten aber nur einen Fischkutter, der wahrscheinlich Richtung Westen abhauen wollte. Am 24. August 1953 wurden die verstärkten Überwachungsmaßnahmen im Seeraum wieder eingestellt.
    Im Sommer 1953 desertierten 55 Angehörige der Seepolizei in den Westen, darunter auch der Chef Küstensicherungsdivision der Flottenbasis und der Kommandeur der SSA. Weitere 49 Angehörige der Seepolizei wurden entlassen und 165 Mann „für die Wirtschaft freigestellt“. 1953 standen insgesamt 3.764 Disziplinarverstöße zu Buche, davon allein im Juni 537.

Ich hätte nun gern noch ein paar Fotos von den alten Stützpunkten mit Stand von 1950 eingestellt aber leider habe ich solche nicht. :sorry:
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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Samstag 18. Januar 2014, 19:50

Männer, ich habe 1951 ein wichtiges Datum mit Ereignis vergessen. Keiner hat es von Euch gemerkt, oder?
Habe inzwischen die Indienststellung und Übergabe des SSS "Wilhlem Pieck" am 02.08.1951 dazu getragen.


Nun weiter mit der Zeitleiste bis zur Gründung der NVA / SSK der DDR.

Marinejahr 1954

    01.01.
  • Bildung der Schulbootsdivision aus der am 01. Januar 1953 gebildeten
    Schulbootsabteilung in Parow.

    04.01.
  • Angehörige der Flottenbasis Peenemünde helfen bei der Rettung von Menschen und Vieh während einer Sturmflut und sind anschließend im Einsatz bei der Beseitigung der Schäden.

    Februar
  • Die Tauchergruppe Kringler wird als Außenstelle des BRD nach Peenemünde verlegt und der Abteilung Hilfsschiffe unter Kapitänleutnant Bendig unterstellt.

    19.03.
  • Ab diesem Zeitpunkt befindet sich der Stab der VP-See in Rostock im Ständehaus (später Haus der NVA, bekannt auch als HdA - Haus der Armee). Umzug von Parow nach Rostock in der Zeit vom 15. bis 18. März 1954.
    30.03.
  • Verlegung der Schiffsstammabteilung nach Parow/Stralsund.

    01.06.
  • Bildung Küstenabschnitt II in Saßnitz.

    01.07.
  • auf Beschluss der Regierung der DDR werden erstmalig an die Angehörigen der KVP die Medaille „Für treue Dienste“ und das „Abzeichen für ausgezeichnete Leistungen“ verliehen

    31.07.
  • Abschluß des Sonderlehrganges I in Kaliningrad (Königsberg). Die 50 Offiziere der VP-See werden am 1. Juni 1954 mit Wirkung vom 1. Mai 1954 zum Leutnant zur See befördert.

    Juli
  • Von den Angehörigen der Unterführer- und Mannschaftsschule Parow werden in Ernteeinsätzen 71.243 Arbeitsstunden geleistet.

    August
  • Formierung der 2. MLR-Division in Peenemünde, Kommando: Oberleutnant zur See Gustav Hesse.

    01.09.
  • Erstmalige Delegierung von Offizieren der VP-See zum Studium an der Woroschilow-Seekriegsakademie der sowjetischen Seekriegsflotte in Leningrad.

    15.09.
  • Die Disziplinarordnung „DV - 10/6“ der KVP tritt nach Bestätigung durch den Minister des Innern der DDR, Willi Stoph, in Kraft.

    22. - 24.09.
  • Dritte taktische Übung der VP-See. Im Zusammenwirken mit Kräften der KVP wird die Verteidigung der Insel Rügen geübt.

    01.10.
  • Verlegung der Schiffsstammabteilung von Parow nach Saßnitz-Dwasieden.
    1951 Ausbildung an OERLIKON KS-Boot.jpg


    25.10.
  • Beginn des Aufbaus des Stützpunktes Warnemünde - Hohe Düne

    Oktober
  • Verlegung der Zentralen Nachrichten-Versorgungsbasis von Wolgast zum Dänholm in Stralsund.

    01.11.
  • Ab diesem Zeitpunkt beträgt die Ausbildungsdauer an den Lehranstalten der VP-See 3 Jahre.

    01.12.
  • Angliederung der Nachrichtenoffiziers-Lehranstalt Parow als selbständiges Lehrgebiet an die Ingenieuroffiziers-Lehranstalt.
  • Die Schulbootsdivision Parow wird wieder in Schulbootsabteilung umbenannt.

    Marinejahr 1955

    16.01.
  • Orkanartige Winde, verbunden mit einer Sturmflut, beschädigen in der Neptunwerft Rostock die zur Flottenbasis Peenemünde gehörenden KS-Boote 112, 122, 123, 124 und 126.

    21.01.
  • Es erscheint die erste Ausgabe der Zeitung der VP-See „AK Voraus“.

    01.02.
  • Aufstellung des Musikkorps Peenemünde unter Leitung von Oberleutnant Weiß.
  • Aufstellung der Chemischen Kompanie in Parow.

    01.03.
  • Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die Ausbildung der Nachrichtenoffiziere an der Seeoffiziers-Lehranstalt Stralsund

    14.05
  • Unterzeichnung des Warschauer Vertrages durch Albanien, Bulgarien, CSSR, DDR, Polen, Rumänien, UdSSR und Ungarn. Gleichzeitig Bildung eines Vereinten Kommandos über die Streitkräfte der Teilnehmerstaaten unter dem Kommando von Marschall der Sowjetunion I. S. Konew.

    24.05.-26.06.
  • Räumeinsatz der R-Boote 411, 413, 414, 415 und 416 der Flottenbasis Peenemünde im Seegebiet von Arkona bis zur Greifswalder Oie.

    Mai
  • Erstmalige Delegierung von Politarbeitern der VP-See an die Militärpolitische Akademie „W. I. Lenin“ in Moskau.

    02.06.
  • Übergabe der 2. R-Boots-Abteilung (Boote 421 bis 426) von der Baubelehrung Wolgast an die Flottenbasis Peenemünde.

    05. 06.
  • Verlegung des Stabes der VP-See nach Rostock-Gehlsdorf

    Juni
  • Umbenennung „Zentrales Konstruktionsbüro für Schiffbau Nr. 1 Wolgast“ in „Institut für Schiffbautechnik Wolgast“.

    02.08.
  • Übergabe des ersten auf der Peene-Werft Wolgast gebauten MLR-Schiffes vom Typ „Habicht“ (3. BA) mit der Bord-Nr. 621 an die VP-See, Peenemünde.
  • in Saßnitz-Dwasieden erfolgt die Einstellung von über 500 Offiziersbewerbern

    13.08.-02.09.
  • Einsatz der MLR-Schiffe 613, 614 und 616 zum Verlegen von Seekabeln vor Möwenort und Arkona. ( :guckstduhier: http://www.vierte-flottille.de/sechstef ... 491#p24491)

    August
  • Als erste Einheit der VP-See führt die KS-Division unter Führung von Kapitänleutnant Tibursky vor Rerik Luftzielschießen auf einen, von einem Flugzeug geschleppten Luftsack durch.

    01.09.
  • Gründung des Tanklagers Saßnitz.

    20.09.
  • Staatsvertrag zwischen der DDR und der UdSSR. Damit wird der DDR die Verantwortung für ihren militärischen Schutz übertragen.

    21. - 25.09.
  • Taktische Herbstübung der VP-See. Leitung: Chef der VP-See Konteradmiral Felix Scheffler. Thema der Übung: Verteidigung der Küste der Insel Rügen im Zusammenwirken mit Land- und Luftstreitkräften unter den Bedingungen des Einsatzes von Atomwaffen seitens des Gegners.

    September
  • Beginn des Studiums von Offizieren der VP-See an der Akademie für Schiffbau und Bewaffnung (Krylow-Akademie) der sowjetischen Seekriegsflotte in Leningrad.

    September/Oktober
  • Räumeinsatz der Boote 411, 413 - 4416, 421, 422, 424 und 426 der Flottenbasis Peenemünde im Seegebiet von Arkona bis zur Greifswalder Oie.

    28.10.
  • Bildung des Funktechnischen Dienstes der VP-See.

    Oktober
  • 25. Tagung des ZK der SED zur Schaffung regulärer nationaler Streitkräfte.
  • Erprobung des auf der Roßlauer Schiffswerft gebauten Schnellbootes vom Typ „Forelle M0“. Die Erprobungen werden 1958 eingestellt.
    Forelle 1.jpg


    01.11.
  • Wiederaufbau der Nachrichtenoffiziers-Lehranstalt in Kühlungsborn unter Leitung von Korvettenkapitän Walter Allwardt. Damit Verlegung der Nachrichtenfakultät von der Seeoffiziers-Lehranstalt Stralsund nach Kühlungsborn.
  • Bildung des Hafen- und Reedeschutzkommandos in Tarnewitz.
  • Beginn der vierjährigen Ausbildung der Offiziere der VP-See.
    1952 praktische Ausbildung Offiziersschüler.jpg


    12.11.
  • Gründung der Bundeswehr in der BRD

    21.11.
  • Der Minister des Innern der DDR, Generaloberst Willi Stoph, überzeugt sich bei einem Besuch in Peenemünde vom Ausbildungsstand der Angehörigen der Flottenbasis.

    23.11.
  • Der Hochseeschlepper „Wismar“ der VP-See rettet den Fischkutter SAS 225 vom Fischkombinat Saßnitz aus Seenot.

    01.12.
  • Übertragung der eigenverantwortlichen Sicherung und Kontrolle der Seegrenze an die Grenzsicherungsorgane der DDR.

    23.12.
  • Die VP-See stellt das letzte MLR-Schiff vom Typ „Habicht“ (3. Bauausführung, Habicht lang, Bau-Nr. 2012), gebaut auf der Peene-Werft Wolgast, mit der Bord-Nr. „626“ (späterer Name „Greifswald“) in Dienst.

Damit ist die Aufstellung der 2. MLR-Division Peenemünde mit den Schiffen „621“ - „626“ abgeschlossen.
1955 3. BA MLR HABICHT.jpg


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Re: Seepolizei - Seestreitkräfte - Volksmarine

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Beitragvon eddy » Sonntag 19. Januar 2014, 11:38

Hallo Männer,
ich habe Dank Thommy´s Hinweis Bilder umgesetzt. Die als "Ausbildungsfahrt" 1954 eingestellten Fotos gehören historisch in den Oktober 1953. Es handelt sich dabei um das erste Einlaufen der Führung der VP-See im Rostocker Hafen.
:danke: Eddy
"Tradition pflegen heißt nicht Asche aufbewahren sondern eine Flamme am Leben erhalten!"

Berndt Borrmann, Fregattenkapitän a.D.
1. Vorsitzender Heimatverein Dranske e.V.
Ehrenamtlicher Leiter des "Marinehistorischen- und Heimatmuseums Dranske / Bug"
Vorstandsmitglied der MK Bug 1992 e.V.



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